„War das geplant?“ ist die dümmste Frage, die du werdenden Eltern stellen kannst

Wenn ein Paar verkündet, dass es ein Kind erwartet, kommt stets die gleiche Frage: War das geplant? Unsere Autorin wüsste gern, was das eigentlich zur Sache tut. Ein Kommentar

Warum du werdende Eltern nicht fragen solltest: War das geplant?

Wieso diese Frau schwanger ist, sollten nur die beiden wissen. Quelle: Unsplash | CC0

Wenn du jemandem erzählst, dass du schwanger bist, reichen die Reaktionen von hoch emotionalen Umarmungen, großen Glückwünschen und Vorfreude bis hin zu Sprachlosigkeit und gelassener Hinnahme. Je nachdem, wo die andere Person selbst gerade im Leben steht, wie gut sie dich kennt, ob sie Kinder mag. Was den ersten, völlig unterschiedlich ausfallenden Gefühlsregungen folgt, ist aber häufig ähnlich. Hat das Gegenüber die Information – da kommt ein Baby, mega crazy, das Leben wird sich völlig verändern, die Person hat also wirklich Sex – verdaut, folgt sofort eine Frage: „War das geplant?“

Obwohl ich mittlerweile zigmal auf diese drei Worte reagieren musste: Ich weiß bis heute keine gute Antwort. Stattdessen frage ich mich, warum es andere Leute überhaupt interessiert. Was sagt es über unsere Gesellschaft aus, dass sie diese Information braucht? Und wird hier nicht deutlich eine persönliche Grenze überschritten?

Warum willst du das überhaupt wissen?

Soviel vorneweg: Ich weiß, dass eine Person, die diese Frage stellt, die werdenden Eltern bestimmt nicht in eine unangenehme Situation bringen möchte. Er*sie ist schlichtweg interessiert. Das ist toll und niemandem vorzuwerfen. Ich habe selbst schwangeren Freundinnen auch diese Frage gestellt. Einfach, um einen kleinen Einblick zu bekommen, wie ihre emotionale Welt in den vergangenen Monaten aussah. Weiter reflektiert, wie dieses forsche Nachfragen auch aufgefasst werden könnte, habe auch ich in dem Moment nicht.

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Doch welche Antwort will das Gegenüber überhaupt hören? Und warum spielt das Ganze überhaupt eine Rolle? Steckt die Annahme dahinter, dass nur Frauen gute Mütter werden, nur Männer gute Väter, wenn der Nachwuchs auch in den Lebensplan passt? Können sie ihr Kind etwa nur lieben, wenn es wissentlich gezeugt wurde? Ist geplant mit gewollt gleichzusetzen? Bedeutet ungeplant dann unerwünscht? Das ist doch paradox.

Über die Zeugung muss niemand Bescheid wissen

Eine ehrliche Antwort wäre zum Beispiel: Na ja, wir leben im 21. Jahrhundert und wissen, wie wir verhüten können. Haben wir aber nicht. Uns war klar, was dadurch passieren könnte, aber es fühlte sich richtig an. Wir haben es einfach mal drauf ankommen lassen, weil das Thema Kind viel zu riesig ist, um sich länger damit zu beschäftigen und gehofft, dass die Biologie für uns entscheidet.

Oder die Antwort geht in diese Richtung: Genau, wir träumen schon länger von einem Baby und wollten, dass es am besten sofort funktioniert. Wir sind die Zeugung deshalb akribisch angegangen. Ovulationstest, gute Ernährung, Folsäure. Dann hat es über ein halbes Jahr lang nicht geklappt. Am Ende haben wir es mit künstlicher Befruchtung probiert.

Egal, wie die wahre Geschichte lautet, müssen die Kolleg*innen oder mäßig Bekannte nicht darüber Bescheid wissen. Obwohl sich die Paare in den oben genannten Beispielen frei und bewusst für die Zeugung entschieden haben, muss nicht die ganze Welt daran teilhaben. Sorry, zu intim.

Was, wenn die Schwangerschaft unwissentlich zustande kam?

Und wie muss ein „War das geplant?“ erst bei Frauen ankommen, die genau in der gegenteiligen Situation stecken? Was, wenn die Schwangerschaft unwissentlich zustande kam? Kondom kaputt, Pille vergessen, fruchtbare Tage falsch berechnet, One-Night-Stand?

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Frauen und Männer, die sich trotz einer solchen Überraschung für ihr Kind entscheiden, sollten das für sich tun können – ohne direkt sozial stigmatisiert zu werden. Sie sollten sich nicht dafür rechtfertigen müssen, ein Baby zu bekommen. Selbst wer gedanklich noch nicht auf eine so große Veränderung eingestellt war, kann sich noch daran gewöhnen – und wird es vermutlich auch. Am Ende hängt davon aber ganz sicher nicht ab, wie sehr jemand das eigene Kind lieben wird.

Bist du dir sicher, dass du das willst?

Für mich schwingt in der Frage „War das geplant?“ auch immer „Bist du dir sicher, dass du das willst?“ mit. Der indirekte Check, ob ich weiß, worauf ich mich da einlasse. Beruflich, privat. Ob ich mich bewusst dafür entschieden habe, mein altes Leben aufzugeben, mich selbst zurückzunehmen, ein neues Kapitel aufzuschlagen. Ob ich der ganzen Sache gewachsen bin. Schließlich gilt für Frauen unserer Generation das Muttersein schon lange nicht mehr als ultimatives Lebensziel.

Während Mütter vor gut 40 Jahren bei der Geburt ihres ersten Kindes noch etwa 22 (Ostdeutschland), beziehungsweise 25 Jahre (Westdeutschland) alt waren, liegt das Durchschnittsalter für Erstgebärende in Deutschland mittlerweile bei über 29 Jahren. Erstmal karrieretechnisch sich selbst zu verwirklichen, lautet heute das Motto. Kind oder Karriere scheint noch immer die Frage zu sein. Aber ganz ehrlich: Entspannt euch. Wir sollten uns nicht gegenseitig verunsichern, sondern bestärken – gerade unter Frauen. Erst, wenn wir solche Fragen nicht mehr stellen, kommen wir dem Gedanken von Selbstverwirklichung wirklich näher.

Einfach nicht mehr danach fragen

Wenn das nächste Mal jemand erzählt, dass er*sie ein Kind erwartet, freut euch mit, wenn sie sich freuen. Oder fragt doch einfach, wie es ihnen damit geht. Aber hört auf, schwangere Frauen und werdende Väter danach zu fragen, ob ihr Baby geplant war. Es sollte nicht relevant sein. Weder für die Eltern, noch für andere. Ein Kind ist schließlich kein Punkt auf der Checkliste des Lebens. Und das ist auch gut so. Den richtigen Zeitpunkt gibt es nämlich sowieso nicht.