Warnung! Das befreite Lachen dieser jungen Frauen könnte ansteckend sein

Die Fotografin Maud Fernhout möchte Frauen dazu ermutigen, frei und hingebungsvoll zu lachen. Denn wer lacht, ist schön. Ganz einfach.

Anfang der Siebziger Jahre litt ein junger Mann unter starken Rückenschmerzen. Die Diagnose: Spondyloarthritis, eine chronische Entzündung der Wirbelsäule. Die Prognose: nur geringe Überlebenschancen. Er musste seine Therapie also selbst in die Hand nehmen. Die Lösung: Lachen.

Zu Hause brachte sich der junge Mann systematisch zum Lachen – mit Erfolg. Es linderte seine Schmerzen und ließ ihn besser schlafen. Der Mann hieß Norman Cousins, er war Journalist. Unter anderem sein Experiment führte dazu, dass sich die Wissenschaft näher mit Lachen als therapeutisches Mittel beschäftigte. Heute gilt die Lachforschung, die sogenannte Gelotologie, als eigene Forschungsdisziplin.

Nicht alle können befreit lachen

Ob Lachen tatsächlich heilt oder nicht – aus eigener Erfahrung wissen wir, dass uns intensives Lachen ein gutes Gefühl gibt. Nicht nur uns, wenn wir andere damit anstecken und gemeinsam lachen. Ehrlich zu lachen funktioniert allerdings nur, solange man es auch in all seiner Wucht und frei tun kann.

Dafür setzt sich Fotografin Maud Fernhout ein. „Ich habe beobachtet, dass sich manche Frauen nicht trauen, frei zu lachen. Oft kichern sie leise, glucksen in sich hinein oder halten sich während des Lachens die Hand vor den Mund“, sagt sie. Mit ihrer Fotoserie What Real Women Laugh Like möchte Fernhout dagegen halten und zeigt inbrünstig und schambefreit lachende Frauen. Dadurch möchte sie Frauen dazu ermutigen, sich nicht für ihr Lachen zu genieren, sei es noch so laut oder mit Grimassen verbunden.

Ich habe beobachtet, dass sich manche Frauen nicht trauen, frei zu lachen.

Maud Fernhout

Lachen für die Gleichberechtigung

„Mädchen und Frauen wird ständig gesagt, sie sollen nett lächeln. Doch authentisches Lachen sollen sie unterdrücken. Das sei dann unweiblich“, sagt Fernhout. Ihnen würde laut der 22 Jahre alten Fotografin beigebracht, dass Zähnezeigen und Lachfalten nicht schön oder weiblich wirkten. Die Frauen, die Fernhout zum Lachen vor die Kamera gebeten hat, beweisen nun das Gegenteil. Lachen ist schön und wir brauchen mehr davon.

Davon zu überzeugen, war selbst bei den Teilnehmerinnen der Fotoserie schwierig. Viele der Frauen empfanden ihr eigenes Foto, auf dem sie mit weit geöffnetem Mund und zugekniffenen Augen zu sehen sind, als nicht hübsch genug. Manche gaben abwertende Kommentare ab, beschimpften sich selbst. „Erst nachdem sie die Fotos der anderen Frauen sahen, erkannten sie, dass es völlig in Ordnung ist, ehrlich zu lachen“, sagt Fernhout. Andere lachen zu sehen, breche die eigenen Vorstellungen auf, wie man selbst beim Lachen auszusehen habe. Letzten Endes gehe es darum, Geschlechterstereotype zu überwinden. „Frauen, lasst eure Zähne glänzen. Freude ist schön. Genauso wie ihr“, ist ihre Botschaft.

Frauen, lasst eure Zähne glänzen. Freude ist schön. Genauso wie ihr.

Maud Fernhout

Denn genau genommen lachen wir alle gleich. Mehr als hundert Muskeln sind an dem Spaß beteiligt. Wir kneifen die Augen zusammen und ziehen die Mundwinkel nach oben. Wir reißen den Kopf in den Nacken und zeigen Zähne. Die Schultern schaukeln auf und ab, der Brustkorb hüpft, Bauch und Zwerchfell tanzen rhythmisch mit, wir stoßen Luft durch die Nase und schreien seltsame Ha-Silben in den verschiedensten Variationen heaus. Lachen ist schön und – geht es nach Norman Cousins – auch gesund.

Außerdem auf ze.tt: Ein Mann ist nicht schwach, nur weil er weint