Warum Backen das Beste ist, was du in der Adventszeit tun kannst

Teige kneten, Cremes anrühren, Plätzchen verzieren – Millionen Hobbykonditor*innen können nicht irren: Backen ist Balsam für die Seele. Und das beste Rezept gegen Stress in der hektischen Vorweihnachtszeit.

Warum Backen das Beste ist, was du in der Adventszeit tun kannst

Gestresst? Backen schafft Achtsamkeit. Ist backen das neue Yoga? Foto: Unsplash | Nadya Spetnitskaya CC0

Für die einen beginnt mit dem Öffnen des ersten Türchens am Adventskalender die schönste Zeit des Jahres ‒ für die anderen ein wochenlanger Nightmare Before Christmas. Jahresendzeitstimmung im Job, volle Städte und der täglich wachsende Druck, die passenden Geschenke zu finden. Da ist es kein Wunder, dass sich viele auf dem Christkindlmarkt mit Glühwein betäuben wollen. In diesem Trubel zu entspannen und in eine besinnliche Stimmung zu kommen ist schwer. Doch es gibt einen Weg, mit dem das durchaus gelingen kann: Backen. Besonders in der hektischen Adventszeit ist es die beste Anti-Stress-Therapie – und nicht nur das.

Backen entspannt und macht glücklich

Wenn wir zu Jahresende so richtig unter Strom stehen oder uns die dunklen Tage deprimieren: nichts wie ab in die Küche! Denn – das sagen sogar Wissenschaftler*innen – Backen hat einen positiven Einfluss auf unser Wohlbefinden. Das hat nur nicht damit zu tun, dass zuckriges Gebäck Glücksgefühle auslöst, sondern vielmehr mit dem bewussten Vorgang des Selbermachens. Etwas mit den eigenen Händen geschaffen zu haben, entschädigt uns für die Erfolgserlebnisse, die uns zum Beispiel auf der Arbeit verwehrt bleiben. Und wann kommen vor allem die Denkarbeiter*innen unter uns schon dazu, mit den Händen zu werkeln?

Etwas mit den eigenen Händen geschaffen zu haben, entschädigt uns für verwehrte Erfolgserlebnisse auf der Arbeit.

Gerade beim Teig kneten lässt sich so richtig Frust abbauen. Und bei der Deko können wir uns künstlerisch entfalten und kreative Backwerke gestalten, die unser Selbstvertrauen stärken und nachweislich den Stresspegel senken.

Backen, das neue Yoga

Zutaten bereitstellen, sorgfältig abwiegen und vermischen. In den Teig eintauchen und Konsistenzen erfühlen. Von Hand kneten. Die Schlüssel auslecken. Vor dem Ofen warten und beobachten. Riechen. Schmecken. Genießen. Backen ist wie Weihnachten nicht nur ein Fest für die Sinne, es fördert auch unsere Achtsamkeit. Wer also mit Yogamatte und Lotussitz nichts anfangen kann, erlebt vielleicht hier meditative Momente und entwickelt daraus wohltuende Routinen. Beim Backen geht es ums fokussierte Arbeiten, ums Singletasking, um sinnliche Wahrnehmung und innere Ruhe. Apropos Ruhe: Teigruhe- und Backzeiten lehren uns die Geduld, die uns im schnelllebigen Alltag zunehmend abhandenkommt. All das entschleunigt und lässt uns im Hier und Jetzt sein.

Backen ist Magie

Zugegeben, eigentlich sind es banale chemische Prozesse, die beim Backen ablaufen. Aber wenn es schon um Weihnachten geht, ist doch ein wenig Zauber erlaubt, oder?

Es ist ja ein kleines Wunder, wenn wir aus unterschiedlichsten Zutaten einen flüssigen Teig herstellen, um ihm dann Feuer unterm Hintern zu machen, damit er sich im Ofen in einen festen Kuchen verwandelt. Und wer kann sich schon der Magie eines gärenden Hefeteigs verschließen, der ganz von alleine wächst? Oder sich erklären, warum beim wiederholten Backen desselben Rezepts aus den gleichen Zutaten immer ein bisschen was anderes wird? Ich sag doch: It’s magic.

Backen ist Nostalgie pur

Plätzchen backen gehört laut Umfragen für fast drei Viertel der Deutschen zum Fest dazu. Stimmt schon: Selbst wenn wir mit Traditionen nicht viel am Hut haben, beim Plätzchen backen erwischt die meisten das Christmas-Feeling dann doch. Das hängt häufig mit Kindheitserinnerungen zusammen, als Weihnachten für uns noch das Größte war. Die stimulierenden Düfte von Zimt, Kardamom, Anis oder Vanille rufen sie ins uns wach. Und das Nachbacken überlieferter Familienrezepte gibt uns das Gefühl, Oma stände wieder mit uns am Ofen. Darum ist Stollen und Plätzchen backen auch für uns Erwachsene – ob nun in aller Stille oder mit musikalischer Untermalung, nur bitte nicht In der Weihnachtsbäckerei, – ein echter Stimmungsmacher.

Backen ist sich Zeit schenken

Backen bringt Menschen zusammen. Und zwar nicht nur am Kaffeetisch, wo sich alle gierig auf die Ergebnisse stürzen, sondern schon vorher. Im Gegensatz zu der mit Verwandten gesäumten Festtagstafel geht es in der Küche nämlich meist friedlicher ab: Alle konzentrieren sich auf ihre Aufgabe und sprechen nur über eins: das Backen. Das minimiert die Gefahr, dass die alljährlichen Reizthemen auf den Tisch kommen, und ermöglicht ein relaxtes Zusammensein. Obendrein kommt es unseren Teamplayer-Qualitäten zugute. Beim Kochen ist das übrigens anders: Weil es dabei vielmehr aufs Timing ankommt, artet es schneller in Stress und Streit aus.

Backen macht unabhängig

Wer unter Unverträglichkeiten leidet oder vegan lebt, kennt das: Viele industriell hergestellte Lebensmittel kommen nicht in die Tüte. Nur beim Selbermachen können wir selbst entscheiden und wissen wirklich, was im Essen drin ist. Brot, Kuchen und Plätzchen sind da keine Ausnahme. Fertigprodukte und Backmischungen enthalten oft ungesunde und umweltgefährdende Stoffe. Und selbst die Bäckerei um die Ecke backt oft nicht mehr selbst, sondern verarbeitet Fabrikware weiter. Sich gute Zutaten zu besorgen und selbst Hand anzulegen ist somit eine sinnvolle Alternative. Schließlich schmeckt Selbstgebackenes auch um Welten besser als lieblos produzierte Massenware. Vor allem in der Adventszeit.

Backen ist Liebe

Wenn wir Selbstgebackenes teilen oder verschenken, geht allen das Herz auf. In Momenten, in denen uns die Worte fehlen, zeigt frisches Gebäck, wie viel uns an den anderen liegt. Wir haben uns Mühe gegeben ‒ da ist das Ergebnis fast egal. Ob hübsch ausgarnierte Plätzchen, Lebkuchen(häuser) oder Pralinen: Zum Fest der Liebe machen Leckereien aus der eigenen Küche wie alle Do-it-Yourself-Geschenke viel mehr her als einfallslose Präsente, die wir an Heiligabend schnell im Kaufhaus mitnehmen.

Backen können alle

Okay, es mag auch echte Küchenversager*innen geben, aber zum Backen braucht es weder viel Talent noch Kreativität. Solche Skills sind natürlich von Vorteil, wenn wir uns an Eigenkreationen und komplizierte Rezepte wagen. Aber die einfachen kriegen die meisten ohne große Unfälle hin. Das ist ja das Gute am Backen: Wir müssen uns nur ans Rezept halten. Denn das richtige Verhältnis der Basiszutaten muss schon stimmen. Weihnachtliche Plätzchenrezepte sind für Backbeginner ideal, weil viele easy zu handeln sind: Zutaten abwiegen und verkneten. Teig ausrollen, ausstechen, aufs Backblech legen und ab in den Ofen. Einfacher geht’s nicht.