Warum Betroffene von ritueller Gewalt so häufig schweigen

Über rituelle Gewalt, bei der meist Kinder und Jugendliche schwer misshandelt werden, wird wenig gesprochen. Das liege auch daran, dass viele Betroffene schweigen oder ihnen vor Gericht nicht geglaubt wird, erklärt die Psychotherapeutin Michaela Huber. Ein Protokoll

Empfohlener Inhalt

An dieser Stelle findest du einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt. Du kannst dir hier alle externen Inhalte mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.(Datenschutzerklärung)

Achtung, Triggerwarnung! In diesem Beitrag geht es um sexualisierten, rituellen Missbrauch sowie um organisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen.

Rituelle oder organisierte Gewalt – es sind Begriffe, die den meisten Menschen, die nichts mit dem Thema zu tun haben, wenig bis gar nichts sagen. Es sind auch Begriffe, die weder in der Polizeilichen Kriminalstatistik des Bundeskriminalamtes noch im Strafgesetzbuch verwendet werden. Gemeint sind damit bestimmte Strukturen, in denen vor allem junge Kinder systematisch und teils unter dem Deckmantel religiöser oder faschistischer Ideologien Gewalt erfahren.

Es gibt Gerichtsurteile, die Hinweise auf organisierte Gewalt enthalten – die Fälle auf dem Campingplatz im nordrhein-westfälischen Lüdge, die Sektenkolonie Colonia Dignidad, pädokriminelles Material auf dem Computer von Beate Zschäpe. Verurteilt werden in den meisten Fällen von sexueller oder systematischer Gewalt aber ausschließlich mutmaßliche Einzeltäter*innen, selten werden größere Strukturen ritueller oder organisierter Gewalt thematisiert oder gar offengelegt.

Das kann mitunter daran liegen, dass viele Betroffene schweigen oder beim Gerichtsverfahren als nicht glaubwürdige Zeug*innen betrachtet werden. Warum Betroffene oft von einer Klage absehen, warum sie es am Gericht ohnehin schwer haben und was sich im Umgang mit ihnen verändern sollte, weiß Michaela Huber. Die Psychotherapeutin arbeitet seit über 30 Jahren mit Patient*innen mit dissoziativer Identitätsstruktur zusammen, die oft aus erlebter Gewalt und traumatischen Erlebnissen in der frühen Kindheit resultieren. Sie berät Sonderkommissionen, ist Ausbilderin im Bereich Traumabehandlung, gibt Fortbildungen an der Richter*innenakademie und ist Supervisorin für andere Therapeut*innen. Mit den Jahren ist Huber zu einer Expertin geworden, sowohl, was dissoziative Identitätsstrukturen angeht, als auch zu den Themen organisierter und ritueller Gewalt.

Für unseren einstündigen Dokumentarfilm über rituelle Gewalt und ihre Folgen haben wir ausführlich mit Michaela Huber gesprochen. Den ersten Teil der Doku kannst du dir hier ansehen, den zweiten Teil der Doku findest du hier. Hier liest du ein Protokoll des Gesprächs.

Michaela Huber, Psychotherapeutin: „Diese Menschen sind voll mit Schuldgefühlen und Entsetzen, zu was sie alles genötigt wurden. Viele denken: Ich muss das gewollt haben, ich bin ein ganz furchtbarer Mensch.“

Es gibt viele Möglichkeiten, wie jemand sich spalten kann. Wenn es sehr früh passiert, dass ein Kind massiven Stress erlebt, wachsen bestimmte Sachen auch gar nicht erst zusammen. Wir unterscheiden mittlerweile in zwei Formen der Spaltung: Die teilweisen Brüche und das Vollbild der dissoziativen Identitätsspaltung. Teilweise Gespaltene haben es irgendwie geschafft, ein sehr stressempfängliches Alltags-Ich zu erhalten. Bei einer vollständigen dissoziativen Identitätsspaltung ist es so, dass ein Mensch nicht mal ein Alltags-Ich bilden konnte. Diese Menschen erleben sich wirklich als so verschieden in ihren Anteilen, als wären sie verschiedene Personen. Die Anteile sind etwas, was sich im Laufe der Zeit entwickelt. Zunächst sind die Zustände, in denen sie waren, wie eingefroren. Diese kindlichen Zustände können dann genau so reproduziert werden, das nennt man Flashbacks oder Abreaktionen. Da ist plötzlich ein zweijähriges oder ein vierjähriges Kind, das denkt immer das Gleiche, das fühlt, das spricht, das versteht bestimmte Witze nicht. Das nennt man dann Teilidentität. Diese Teilidentitäten verkörpern häufig traumanahe Zustände.

Menschen mit dissoziativer Identitätsstörung haben häufig auch täterloyale Anteile. Die einen tun das, was man von ihnen verlangt, vor lauter Angst: Wenn ich da nicht hingehe, dann holen sie mich und bestrafen mich ganz furchtbar, also mache ich es. Die anderen denken: Es gibt kein anderes Leben für mich, ich habe keinen anderen Ort, an dem ich als Anteil da bin. Und wenn der*die Täter*in diesen Anteil anspricht und am Telefon sagt: „Jasmin, du kommst jetzt“, dann ist die Persönlichkeit in diesem Anteil wie schlafwandlerisch, in Trance. Der*die Täter*in sagt: „Ich stehe unten vor der Tür, zieh dich an und komm runter“, Jasmin macht es. Später reicht oft ein Signal, ein Geräusch oder ein Steinchen ans Fenster. Viele kennen eben nichts anderes, es ist ihr Leben, daraus bestehen sie. Oder sie denken, das tut ihnen gut. Die Täter*innen reden ihnen ein, dass sie das wollen.

Es gibt immer mal wieder Widerspiegelungen in der Person selbst, die sagen, sie brauchen das. Ich habe schon Anteile vor mir stehen gehabt, die sagten: „Schlag mich doch endlich!“ Oder: „Lass mich doch bitte sterben!“ Es gibt viele, die denken, sie müssen bestraft werden, wenn es ihnen schlecht geht. Von Kindheit an bekamen sie erzählt, was für eine Schlampe sie seien, dass sie Müll seien. Darauf folgt: „Das Einzige, was dir hilft und was du brauchst, ist, dass du es mal so richtig …“ Und es gibt welche, die wollen das. Die müssen erst mal lernen, dass sie vielleicht im Grunde ihres Wesens etwas anderes lieber hätten, als so geschädigt und bestraft zu werden.

Wenn jemand gezwungen wurde, in irgendwelchen Zusammenhängen anderen was zu tun – das Spektrum ist da wirklich groß, etwa mussten sie ein anderes Kind aussuchen, das gequält wird, oder sie mussten diesem Kind selbst was tun –, dann kriegen sie von den Täter*innen immer gesagt: „Du bist böse.“ Teilweise wird das sogar in unterschiedlichen Teilidentitäten anders behandelt. Dem einen sagen sie: „Toll, du hast das super gemacht, dass du dieses Kind abgerichtet hast.“ Und dem anderen sagen sie: „Was bist du für ein böses Kind? Du hast ja den Teufel im Leib. Nur wir haben dich unter Kontrolle, in dieser Gesellschaft wirst du verurteilt. Wir haben dich gefilmt, davon gibt es ein Video. Wenn das die Polizei bekommt, kommst du ins Gefängnis.“ Sie sind voll mit Schuldgefühlen und Entsetzen, zu was sie alles genötigt wurden. Und viele denken: „Ich muss das gewollt haben, ich bin ein ganz furchtbarer Mensch.“ Und das schmiedet sie wieder mehr an die Täter*innengruppe. Und die Täter*innengruppe ist wirklich wie eine Art Familie, da gibt es zwischendurch auch nette Sachen – Geld, Eis, Ausflüge oder Jugendzeltcamps.

Wir sehen übrigens die Verbindung zwischen rechtsradikalen, faschistischen Gruppen und diesen sexuellen Gewaltgruppen. Diese ganzen Strukturen sind vermengt, das Kind oder der*die Jugendliche ist da in Zusammenhängen, von denen er*sie denkt, das sei ganz normal: Das ist meine Gruppe, die Gesellschaft da draußen besteht aus bösen, doofen Leuten. Es braucht lange, um sich mit dieser Schuld, Scham und den zerfledderten Erinnerungen, die immer wieder überwältigen – in Albträumen oder zwischendurch –, irgendwie ein Alltagsleben aufzubauen und irgendwie zurechtzukommen. Und da gibt es die eigenen Leute, zu denen man am Wochenende und an Feiertagen hingeht und dieses zweite Leben ist ganz normal. Manche haben so ein Feiertags- oder Wochenendleben. Und manche haben ein Tag- und ein Nachtleben, weil sie nachts abgeholt werden. Die haben entsprechende Bereiche ihrer Identität, die für das eine oder das andere zuständig sind. Wer dissoziieren kann, kann das lange auseinanderhalten. Irgendwann klappt das nicht mehr, dann brechen sie zusammen. Dann können sie auch im Alltag nicht mehr funktionieren. Und dann kann es sein, dass plötzlich alles aufbricht.

Am Schluss machen die Täter*innen es so, dass sie bestimmte Signale setzen: Zeichen, bestimmte Musik, Worte. Auf diese Codes reagieren die Opfer dann automatisiert.

Michaela Huber

Die Trainings, die die Täter*innen mit den Kindern machen, geschehen häufig im Sinne des klassischen Konditionierens: Wenn, dann. Wenn du das tust, was ich sage, hört der Schmerz auf. Du hast diese und jene Aufgabe zu erfüllen, und wenn du die machst, bekommst du entweder eine Belohnung oder eine Bestrafung. Das ist klassisches Konditionieren. Durch operantes Konditionieren wird das weiter aufrechterhalten, wie man in der Lernpsychologie sagt. Das heißt, es wird ab und zu verstärkt, oder ab und zu bestraft. So, dass das schon als Teil der Persönlichkeit automatisch gezeigt wird. Und am Schluss machen die Täter*innen es so, dass sie bestimmte Signale setzen: Zeichen, bestimmte Musik, Worte, Buchstaben, Zahlen, Kombinationen, Sätze. Auf diese Codes reagieren die Opfer dann automatisiert, indem sie eine bestimmte Teilidentität nach vorne katapultieren – da können sie in ihrem Alltagsbewusstsein gar nichts gegen machen. Die Alltagsperson ist dann abgemeldet. Und diese Signale können eigentlich harmlos sein und im Alltag vorkommen. Für dieses Kind bedeutet es: Der Teufel ist da. Und dieses Kind wird – vielleicht auch später noch, als Jugendliche*r oder Erwachsene*r – automatisiert wechseln und das tun, was der*die andere sagt. Das ist vergleichbar mit dem Patellarsehnenreflex oder dem Blinzelreflex.

Für die Überlebenden, die es aus diesen Strukturen herausschaffen, ist das schrecklich. Deswegen müssen wir deprogrammieren. Das heißt, dass wir diese Trainingsergebnisse, diese Formen von Gehirnwäsche, rückgängig und Trauma-Aufarbeitung machen. Dafür ist es wichtig zu wissen, ob so etwas passiert ist, wir fragen Patient*innen deshalb immer: Gibt es Zahlen, Buchstaben oder irgendwelche Kombinationen, die automatisch irgendetwas auslösen – egal, was man sonst gerade macht? Alle, die das bejahen, denen sagen wir: Schreib das mal verdeckt auf, leg ein Blatt auf die Schreibhand, damit du dir das nicht optisch darbietest, sonst könnte das den Automatismus auslösen. Wir sammeln das und schauen: Wie können wir das lösen?

Viele Überlebende sind als Opferzeug*innen in der Regel unbrauchbar. Sie verheddern sich in ihren Aussagen, weil sie so fragmentiert sind.

Michaela Huber

Das große Problem für Überlebende ist die Glaubwürdigkeit, vor allem vor Gericht. Manche zeigen an, aus ihrer Not heraus und weil sie wollen, dass die Täter*innen endlich bestraft werden. Viele Überlebende sind als Opferzeug*innen in der Regel unbrauchbar. Sie verheddern sich in ihren Aussagen, weil sie so fragmentiert sind. Sie ergänzen Aussagen anders, als sie es vorher gesagt haben. Sie korrigieren sich, weil andere Aspekte hinzukommen. Oder zwischendurch kommt ein Anteil, der sagt: „Vielleicht stimmt das alles auch gar nicht.“ Oder ein Anteil, der Angst hat, von den Täter*innen bestraft zu werden. Für das Verfahren sind sie einem*r Gutachter*in ausgesetzt sind, der*die sie über viele Stunden auf die Kohärenz der Aussagen hin prüft. Dann sind diese Klient*innen verloren. Weil sie sich ständig widersprechen, Aussagen zurücknehmen, Aussagen ergänzen.

Die meisten dieser Anzeigen werden nicht sehr weit führen. Deshalb sagen wir ihnen: Du sollst dir überlegen, wenn du anzeigst, wann du anzeigst. Natürlich gibt es verzerrte Erinnerungen. Das muss man auseinanderhalten. Es gibt auch Material aus dem Traumagedächtnis, bei dem die Leute Zuordnungsschwierigkeiten haben: Wo gehört das hin, wann ist das genau passiert, wo ist das passiert, was war da genau, wer war dabei? Es braucht lange, bis sie einigermaßen kohärente Narrative haben. Bis sich die Puzzlesteine so absetzen, dass es eine Symptomerleichterung gibt. Das ist meistens der Maßstab für uns, wenn wir merken: Das Symptom ist weg, die Schmerzen sind weg, die Flashbacks sind weg, sie kann besser schlafen – sie hat ihre Wahrheit gefunden. Manchmal gibt es da Übersetzungsschwierigkeiten oder Leute fangen sehr früh an, anzuzeigen, wo sie noch kaum etwas wissen und das auch gar nicht unterfüttern können. Es ist ein großes Dilemma mit der Rechtsprechung und den Strafverfolgungsbehörden. Aber wir versuchen, klarzumachen: Nehmen Sie die Leute trotzdem ernst.

Viele Leute, die zu uns kommen, sehen wir über längere Zeit und merken ganz genau, das ist dieser Person passiert. Es gibt auch externe Validität über Geschwister und Freund*innen, eine Tante hat das bestätigt, der*die Kinderärzt*in hat entsprechende Aufzeichnungen, und, und, und. Aber es ist immer noch nicht justiziabel. Ein anderes Problem ist, wenn es vor Gericht heißt: Haben Sie denn Psychotherapie oder Traumatherapie gemacht? Dann kann das – ich finde, aus unerfindlichen Gründen – juristisch als eine Beeinflussung gelten. Das heißt, wir als Therapeut*innen ermutigen unsere Patient*innen, so lange zu arbeiten, bis sie das Gefühl haben, sie können eine kohärente Aussage machen. Und dann gehen sie vor Gericht und die Gegenseite sagt: „Ist denn Psychotherapie gemacht worden, haben Sie da von Ihren Traumata erzählt? Alles Lüge. Alles verzerrt, von Therapeut*innen eingeredet.“ Dabei wäre es unterlassene Hilfeleistung, wenn wir jemanden im Stich lassen.

Wenn die Leute sich eine eigene Identität und ein Leben aufgebaut haben, wollen sie nicht mehr anzeigen. Sie sind froh, dass sie da weg sind.

Michaela Huber

Und dann gibt es das Phänomen, das wir überall haben, zum Beispiel auch bei Zwangsprostitution: Wenn die Leute sich eine eigene Identität und ein Leben aufgebaut haben, wollen sie nicht mehr anzeigen. Sie sind froh, dass sie da weg sind. Insbesondere, wenn es wirklich hochkriminelle Strukturen mit Mord und Totschlag sind und sie Angst haben, ermordet zu werden. Wenn sie sich da heraus bewegt und sich irgendwie ein Leben aufgebaut haben, vielleicht neue Namen angenommen und die Wohnung gewechselt haben, also wirklich aus diesen Strukturen ausgestiegen sind – dann wollen sie nicht mehr anzeigen.

Wir können den Leuten immer nur sagen: Schreib alles auf, hinterlege es als dein Testament beim Amtsgericht oder einem*r Notar*in, lass es mit Datum versiegeln. Denn falls du es doch in einem Prozess zur Verfügung stellen willst und es ist versiegelt, kann nicht das passieren, was vielen passiert ist, die gesagt haben, sie haben das Gleiche erlebt, nachdem sie zum Beispiel im Fernsehen von einem Prozess gesehen haben. Die gelten dann als Trittbrettfahrer*innen, als nicht glaubwürdig. Wenn sie das Erlebte aber zum Beispiel am 30. Dezember 2017 hinterlegt haben, dann kann es den Strafverfolgungsbehörden als Aussage zur Verfügung gestellt werden. Wir ermutigen ganz viele Menschen dazu, auf diese Weise Zeugnis abzulegen und die Informationen gegebenenfalls zur Verfügung zu stellen.

Denjenigen, die anfangen, uns was zu erzählen, sollten wir zuhören.

Michaela Huber

In der Gesellschaft müssen wir die, die gefährdet sind, erst mal erkennen. Bei den Mädchen sind das meistens die Stillen. Bei den Jungen sind es die, die zwischen Depression und Aggression wechseln und dann sehr schnelle eine ADHS-Diagnose bekommen. Und bei denen es zu Hause überhaupt nicht gut ist. Diese Kinder müssen wir uns angucken. Denjenigen, die anfangen, uns was zu erzählen, sollten wir zuhören. Die haben gar nichts davon, die meisten rennen ihnen davon, Therapeut*innen und Berater*innen sagen: „Das kann ich nicht, gehen Sie bitte woandershin. Solche Patient*innen können wir hier nicht behandeln.“ Diese Menschen machen das nicht, weil sie sich interessant machen wollen, überhaupt nicht. In der Regel ist es so, dass die Leute wirklich in extremer Not sind. Wir sollten ihnen glauben. Wir sollten uns neben sie setzen und ihnen zuhören. Und dann sollten wir mal überlegen: Was machen wir damit?

Die Strafverfolgungsbehörden sollten sich von der Aussagepsychologie verabschieden, nach der Aussagen immer und über lange Zeiträume kohärent sein müssen und dass man nicht in Therapie sein darf. Das ist großer Blödsinn, das muss aufhören. Wir müssen die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen therapeutisch betreuen, weil sie in großer Not sind. Und sie müssen ihre Aussagen auch erst mal völlig chaotisch machen dürfen, mit der Maßgabe, dass sie sie nach und nach ergänzen oder präzisieren. Was sich da breit gemacht hat in der Justiz ist ein völlig lebensfremdes Bild von wahrheitsgemäßer Aussage. Das ist etwas ganz Wichtiges, was wir verändern müssen. Da muss die Justiz mehr Bewusstsein von Dissoziation oder fragmentierter Erinnerung entwickeln.

Wenn man schreckliche Sachen erlebt hat, hat man immer fragmentierte Erinnerungen. Wenn ich mit Richter*innen in der Richter*innenakademie Fortbildungen mache, dann denken die immer: „Naja, ob man das so glauben soll …“ Und finden mich ein bisschen naiv. Und am Ende des Tages wissen sie, wie naiv sie sind. Da sind viele Sachen, bei denen sie sagen: „Das wussten wir nicht, das haben wir nie gelernt. Warum hatten wir das nicht in unserer Ausbildung?“ Es braucht einfach mehr Wissenschaft und mehr Aufklärung. Rituelle Gewalt und dissoziative Identitätsstörungen sind nichts Spekulatives, das wird mittlerweile in immer mehr Details, auch in radikalen Details, untersucht.


Hilfe holen

Hilfe holen

Hilfe bietet die bundesweite, kostenfreie und anonyme telefonische Anlaufstelle berta unter der Telefonnummer 0800 3050750, sie richtet sich an Betroffene organisierter sexualisierter und ritueller Gewalt, sowie an Angehörige, Helfende und Fachkräfte.

Das Hilfetelefon sexueller Missbrauch  erreichst du unter 0800 22 55 530, es ist die bundesweite Anlaufstelle für Betroffene von sexueller Gewalt, für Angehörige sowie Personen aus dem sozialen Umfeld von Kindern, für Fachkräfte und für alle Interessierten. Beide sind kostenfrei und anonym.