Warum Cardi Bs neuer Song „WAP“ alles andere als frauenfeindlich ist

Die Rapperinnen Cardi B und Megan Thee Stallion brechen mit ihrem neuesten Video alle Rekorde. Kritiker*innen hingegen wünschten, sie könnten ihre Ohren mit Weihwasser auswaschen.

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WAP, der neue Song von Cardi B, wird in den USA heiß diskutiert. Illustration: Elif Küçük / ze.tt

Die US-Rapperinnen Cardi B und Megan Thee Stallion haben eigentlich etwas Stinknormales gemacht. Sie haben einen Song mit dazugehörigem Video veröffentlicht. WAP ist sowohl textlich als auch visuell so obszön, explizit und drüber, wie es sich nun mal gehört für Pop und Rap im 21. Jahrhundert.

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Aber damit hört das Stinknormale an dem Video auch schon auf. Denn zum einen haben die beiden einen nie dagewesenen Erfolg damit – das Video ist erst zwei Wochen alt und wurde schon mehr als 136 Millionen Mal angeschaut; kein Video wurde in der ersten Woche nach Veröffentlichung in den USA häufiger gestreamt. Zum anderen haben sie damit eine Debatte um weibliche Sexualität und Empowerment ausgelöst, die in den USA gerade hitzig ausgetragen wird.

So schrieb der republikanische Politiker James P. Bradley auf Twitter: „Cardi B und Megan Thee Stallion sind das Ergebnis einer Erziehung ohne Gott und starke Vaterfigur. Ich habe ihren neuen ‚Song‘ versehentlich gehört und wollte dabei Weihwasser in meine Ohren schütten. Zukünftige Mädchengenerationen tun mir leid, wenn das ihre Vorbilder sind!“

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„Hier sind Huren im Haus“ (mit der Zeile geht der Song los) ist wohl eindeutig zu viel für republikanische Politiker*innen, die sich nur noch mit dem Äußersten (Weihwasser!) zu helfen wissen.

Dabei sind die Message des Songs (Wir sind geil und wollen Sex) sowie die drastischen Beschreibungen (WAP steht für Wet-Ass Pussy, also „klatschnasse Vulva“) nichts Außergewöhnliches, wenn man schaut, was sonst so in den Hitparaden landet. Der entscheidende Unterschied: Sex wird so explizit eigentlich nur von Männern besungen.

Wackelnde Hintern mal anders

Und das gilt nicht nur für die Texte an sich, sondern auch für die visuelle Darstellung in den Videos. Nackte, wackelnde Hintern sind keine Erfindung von Cardi B, doch im Gegensatz zu vielem im Männer-Rap wird bei Cardi B und Megan niemand als Objekt behandelt. Was wir stattdessen zu hören und sehen bekommen: Zwei Frauen mit wenig Klamotten, die ihre feuchten Geschlechtsteile beschreiben und erzählen, was sie damit vorhaben („I want you to park that big Mack truck right in this little garage„).

Männer-Rap hingegen ist nicht nur voll von „dicks“ und „lollipops„, sondern auch von „bitches“ und „hoes“ und wie wenig man für sie übrig hat. Dass diese explizite Sexualität im öffentlichen Diskurs nicht (mehr) als sonderlich anstößig empfunden wird, ist die eine Sache, die andere ist: Songs von Männern werden in der Regel auch nicht hinsichtlich ihrer Genderpolitik befragt. Cardi B und Megan hingegen müssen sich nun als weibliche Vorbilder an den Pranger stellen und fragen lassen, was genau sie denn damit für weibliches Empowerment tun.

Es geht um das klatschnasse V-Wort.

So beklagte der Kommentator Ben Shapiro in einem Video über WAP: „Darum geht es beim Feminismus wirklich. Es geht nicht darum, Frauen als unabhängige, vollständige menschliche Wesen zu zeigen. Es geht um das klatschnasse V-Wort.“

Klar, das Video ist obszön und kann auch gerne schlecht gefunden werden. Jede*r wie sie*er mag. Problematisch ist, dass hier zwei Frauen verurteilt werden, weil sie von konsensualem Sex fantasieren, und zugleich unzählige Rapper, die Frauen in ihren Songs textlich erniedrigen, nicht mal als problematisch erkannt werden. Insbesondere angesichts der Tatsache, dass die Sexualität Schwarzer Frauen so oft auf einen Objektstatus reduziert wird.

Wer hier also frauenfeindlich ist, zeigt nicht das Video, sondern die Debatte.

gw