Warum in der Großstadt zu leben auch für meinen Hund das Beste ist

Als unsere Autorin mit ihrer Hündin nach Berlin zog, sorgten sich viele um deren Wohl. Auch sie selbst hatte Bedenken. Hier angekommen weiß sie aber: Die Ängste waren unbegründet.

Stadthund: Warum leben in der Großstadt für meinen Hund das Beste ist

Glückliche Großstadtbewohnerin mit glücklicher Besitzerin © Caroline Schmitt

Der Umzug von einem Dorf mit rund 3.500 Einwohner*innen in eine Großstadt war weder für mich noch für meinen Retriever-Labrador-Mischling Luna ein leichtes Vorhaben. Mir war klar, dass ich eingeschränkt sein werde und dass ich die Verantwortung für ihr Hundeleben nicht mehr mit meinen Freund*innen und meiner Familie teilen kann. Zu Hause haben wir uns alle um sie gekümmert. Hatte ich zu tun oder war auf Reisen, nahmen oft meine Eltern Luna in ihre Obhut. Ich musste mir nie Sorgen machen, dass es ihr nicht gut gehen würde. Solche Kontakte hatte ich in einer 600 Kilometer entfernten Stadt nicht.

Ich war mir nicht sicher, ob Luna den Wechsel in ein schnelllebigeres und lauteres Umfeld gut annehmen würde. Ich merkte aber schnell, dass es viele gute Gründe für ein Leben mit Hund in der Großstadt gibt und sie zahlreiche Möglichkeiten bietet, den Alltag angenehm zu gestalten.

An Menschenmengen und Geräusche gewöhnt sich auch der Hund

Das Offensichtlichste zuerst: Es gibt viel mehr Menschen in Berlin. Neben denen, die keine Hunde mögen, gibt es auch umso mehr, die Hunde lieben und froh sind, ihnen zu begegnen. Unzählige Passant*innen lächeln Hunden einfach zu, wenn sie ihnen in der Bahn und auf der Straße begegnen.

Zum Beispiel in der U-Bahn. Als ich letztens auf dem Weg nach Hause war, begann eine telefonierende Frau, Luna zu streicheln. Davor lächelte sie mir kurz zu, als wollte sie fragen, ob das in Ordnung sei. Ich lächelte zurück und nickte. Es war ein stilles Abkommen, das mir in unterschiedlichen Formen häufig im Alltag passiert. Ich habe in Berlin gelernt, dass Leute mit bestimmten Blicken und Gesten meine Bestätigung erfragen: Darf ich deinen Hund streicheln? Wird er brav bleiben? Muss ich Angst haben? Als einige Stationen später ein betrunkener Mann in die U-Bahn stieg, begann die fremde Frau sogar, Luna gut zuzureden und sie zu besänftigen.

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Ja, die höhere Geräuschkulisse kann zwar manchmal stören, hat aber auch positive Auswirkungen: Luna wird geistig gefordert und lernt, unwichtige von wichtigen Geräuschen und Stimmen zu unterscheiden. Seitdem sie sich daran gewöhnt hat, bleibt sie entspannt, auch wenn es mal etwas voller und lauter ist. Anfangs schreckte sie noch auf, wenn die Müllabfuhr oder ein Krankenwagen mit Blaulicht an uns vorbeifuhr. In solchen Situationen kam sie näher zu mir und drückte sich so lange an meine Beine, bis ich sie wieder beruhigt hatte. Diese Erfahrungen bewirkten Wunder in ihrem Selbstvertrauen. Heute weiß sie, dass ihr auch in vermeintlich stressigen Situationen nichts passieren wird. Sie trottet dann weiterhin gelassen neben mir her.

Hundebesitzer*innen vereinen sich

In meinem Heimatdorf waren fremde Hunde etwas Besonderes, man war ihnen gegenüber eher ängstlich eingestellt. Viele Besitzer*innen machten einen weiten Bogen um andere Hunde. Sie wechselten die Straßenseite, bestanden auf Feldwegen auf die Leinenpflicht, um keine zu nahen Begegnungen zu riskieren. Es war bereits ungewöhnlich, wenn ich vor dem Supermarkt auf einen Hund traf.

In Berlin hingegen begegnen mir täglich Hunde, sowohl freilaufend als auch an der Leine, und noch nie hatten Luna oder ich Probleme. Hunde gehören hier zum Alltag dazu, denn die Berliner*innen nehmen ihre Vierbeiner nach Möglichkeit überall hin mit. Durch diese ständigen Begegnungen ist ein fremder Hund für Luna nun kein Mysterium mehr. Wo sie früher manchmal zu knurren und bellen begann, spielt sie heute gelassen mit Hunden in allen Größen.

In der Großstadt wollen eigentlich alle Besitzer*innen dasselbe: Ihr Hund soll ausgelastet sein und Spaß haben. Wenn sich die Vierbeiner also gut miteinander verstehen, ist es den meisten nur recht, wenn auch Hunde untereinander Freundschaften bilden und nicht wie Eigenbrötler nur im eigenen Garten leben.

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Auch ich versuche, meine Hündin im Alltag immer mitzunehmen. Selbst zur Arbeit begleitet sie mich. Auch das ist in der Großstadt praktisch: Hundebesitzer*innen und -liebhaber*innen finden sich nicht nur in den Parks, sondern auch in den Büros. Ich hatte Glück: Mein Chef ist selbst Hundeliebhaber und versteht, dass ich meine Hündin nicht zu lange alleine lassen möchte.

Sicherheit und Auslauf

Trotz der Hektik bietet die Großstadt für den hündischen Auslauf viele ruhige Orte im Umkreis. Es gibt Parks, Wälder oder offene Felder. Wenn nur wenig Natur in der Nähe ist, kann man leicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln einen weniger belebten Ort außerhalb der Stadtmitte aufsuchen, wo sich der Hund austoben kann.

Eingezäunte Hundeparks in der Stadt sind sicher, ermöglichen freien Auslauf und den Kontakt mit Artgenossen. Sollte es zeitlich mal doch nicht hinhauen, hilft es zum Beispiel schon, auf dem Heimweg eine S-Bahn-Station früher auszusteigen und die Strecke mit dem Hund zu Fuß zu gehen. Dabei lernt der Hund auch die Umgebung besser kennen und wird sich zurechtfinden, falls er mal entlaufen sollte.

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Insgesamt ist Luna also so oft es geht mit mir unterwegs, was auch anderen Menschen eine Freude bereitet. Am Ende des Tages habe ich das Gefühl, dass nicht nur ich ausgelastet bin, sondern dass auch sie einen abenteuerlichen Tag hatte und nun froh ist, in der Wohnung ihre Ruhe zu finden, bevor es wieder auf Entdeckung der großen Welt geht.