Warum das Recht auf Homeoffice eine gute Idee ist

Die SPD versucht derzeit, ihr Parteiprofil zu schärfen. Dabei kommen dann Dinge wie ein Recht auf Homeoffice auf die Agenda. Politisches Kalkül oder nicht – die Idee hat ihre Berechtigung. Ein Kommentar

Das Recht auf Homeoffice ist eine gute Idee.

Das Recht auf Homeoffice ist eine gute Idee. Foto: Kinga Cichewicz / Unsplash | CC0

Von zu Hause aus arbeiten dürfen, ohne darum betteln oder sich schlecht fühlen zu müssen, sich den Arbeitstag flexibel einteilen und konzentriert zu Werke schreiten können – das klingt nach einem prima Konzept, richtig angesagt sogar. Findet offenbar auch die SPD, die das Recht auf Homeoffice durchsetzen will.

Bisher darf in Deutschland laut einer Studie des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales in Unternehmen mit über 500 Mitarbeitenden nur knapp ein Viertel im Homeoffice arbeiten. Dabei hat die gute alte Heimarbeit ziemlich viele Vorteile, die nicht von der Hand zu weisen sind.

Die Produktivität nimmt zu

Menschen, die ihren Job im Homeoffice erledigen, arbeiten länger und konzentrierter. Außerdem machen sie tatsächlich seltener Pausen als im Büro und sind nicht so häufig krank. All das wirkt sich positiv auf die Leistung aus, wie der Stanford-Professor Nicholas Bloom in einer Studie untersucht hat; demnach stieg die Produktivität der Mitarbeitenden im Homeoffice um 13,5 Prozent.

Logisch – wem das Geschwätz der Kolleg*innen im Großraumbüro auf Dauer das Nervenkostüm zersetzt, der*die kann zu Hause in aller Stille und Effizienz und mit höchster Konzentration die fälligen Aufgaben erledigen. Ohne Meetings, ohne „Kannst du mal eben …?“ Eine Untersuchung unter britischen Angestellten hat gezeigt, dass die reine Netto-Arbeitszeit an einem Vollzeit-Tag bei etwa drei Stunden liegt. Da geht im Homeoffice mehr.

Der Verkehr nimmt ab

Wir leben zweifelsohne in Zeiten des chaotischen Verkehrs. Die Deutsche Bahn ist zuverlässig unpünktlich, das Auto teuer und umweltschädlich, Straßen sind marode, Radwege häufig lebensgefährlich, der ÖPNV ist zu Stoßzeiten überfüllt oder – in ländlichen Gebieten – kaum vorhanden.

Wenn sich der Arbeitsweg im Homeoffice auf die überschaubare Strecke vom Bett zur Küche beschränkt, hat das mehrere begrüßenswerte Effekte: weniger verlorene Pendelzeit, weniger Gedrängel und Stau, weniger Abgase, weniger Angeniese, weniger Stress. Davon profitieren alle, auch die Umwelt.

Die Zufriedenheit steigt

In Deutschland sind die Angestellten im internationalen Vergleich in ihrem Job am unzufriedensten, wie der Engagement Report der dänischen Firma Peakon laut Manager Magazin unlängst gezeigt hat. Das hängt vor allem mit Führung zusammen – aber auch mit mangelnder Entscheidungsfreiheit und Flexibilität. Eine freiere Einteilung der Arbeitszeit gehört zu den Dingen, die sich viele Angestellte wünschen. Unter anderem, um ihre Work-Life-Balance zu verbessern; das Leben stellt nun mal oft seine eigenen Anforderungen.

Wer im Homeoffice arbeitet, kann sich die Zeit definitiv flexibler einteilen. Früher anfangen und früher fertig sein oder umgekehrt. Und laut der Studie von Nicholas Bloom arbeiten Menschen im Homeoffice sogar mehr als zum Beispiel im Büro.

Homeoffice geht nicht in jedem Job

Allerdings: So angenehm und produktiv das Arbeiten von zu Hause aus auch sein mag – es funktioniert leider nicht für alle. Es gibt Jobs, die nicht ohne physische Präsenz auskommen. Solo-Tätigkeiten wie Programmieren, Schreiben oder in Teilen Projektmanagement hingegen eignen sich hervorragend fürs Homeoffice.

Vorausgesetzt natürlich, es gibt eine entsprechende Infrastruktur mit schneller Internetverbindung. Und in diesem Punkt hat Deutschland in Teilen definitiv noch einiges aufzuholen.

Einsamkeit und Verwahrlosung

Arbeiten im Homeoffice birgt auch ein paar kleine Gefahren. Dazu gehört zum Beispiel Verzettelung. Wer sich und sein Zeitmanagement nicht im Griff hat und leicht abgelenkt ist, könnte das Arbeiten von daheim nach einer Weile recht anstrengend finden – ohne Selbstdisziplin läuft im Homeoffice nichts.

Andererseits versinkt man manchmal so schnell und tief in Arbeit, dass man erst gegen 16 Uhr bemerkt, noch gar nicht Zähne geputzt zu haben. Außerdem fehlt der professionelle und kreative Kontakt zu und Austausch mit Kolleg*innen – jedenfalls dann, wenn das Homeoffice eine Vollzeit-Angelegenheit ist. Da helfen selbst die schicksten digitalen Tools nicht.

Zurück zu den Wurzeln?

In der Zeit vor der Industrialisierung zum Beispiel, also Ende des 18. Jahrhunderts, war Heimarbeit gängig und hat die darauf folgende rasante technologische Entwicklung erst ermöglicht. Ganze Familien haben zusammen zu Hause Dinge hergestellt – teilweise unter unguten Bedingungen und zu Dumpingpreisen. Dennoch ist das Konzept, sich zwecks Arbeit zu festgelegten Zeiten an einem Ort zu versammeln, erst gute zweihundert Jahre alt.

Wir leben auch heute zweifelsohne in einer Zeit massiven Wandels. Einige Jobs wird es mittelfristig nicht mehr oder stark variiert geben; auch unsere Infrastruktur verändert sich rasant – analog wie digital.

Das Bedürfnis nach flexibleren Arbeitszeiten und Arbeiten im Homeoffice und die rechtlich verankerte Möglichkeit dazu sind also mehr als überfällig.