Warum das Schiff „Open Arms“ so lange vor Lampedusa lag

Seit Tagen wartet ein spanisches Rettungsschiff mit fast 100 Menschen an Bord vor der italienischen Insel. Einige Geflüchtete ertrugen die Situation nicht mehr und sprangen ins Wasser.

Warum die „Open Arms“ noch immer vor Lampedusa liegt

„Die Situation beginnt der eines libyschen Lagers zu ähneln, allerdings in italienischen Hoheitsgewässern“, twitterte der Leiter der Organisation, Óscar Camps.Foto: Getty Images/ Alessandro Serrano

Update, 21.08.2019: In der Nacht auf Mittwoch durfte das Rettungsschiff im Hafen von Lampedusa anlegen. „Endlich hat der Albtraum ein Ende, und 83 Menschen an Bord werden an Land sofort Hilfe erhalten“, twitterte die Hilfsorganisation Proactiva Open Arms. 

Seit fast drei Wochen ist ein Rettungsschiff mit über 90 Menschen an Bord unterwegs. Das Schiff hängt nun seit Tagen kurz vor Lampedusa fest, da Italien es nicht anlegen lässt.

Die Situation gerät immer mehr außer Kontrolle: Konflikte und Verzweiflung machen sich breit. Óscar Camps, der Gründer der Organisation, beschreibt die Umstände an Bord in einem Video als „unerträglich“. Die Menschen haben ihr Ziel direkt vor Augen, müssen aber weiter an Bord verharren. Mehrere Geflüchtete gefährden ihr Leben, springen trotz starkem Wellengang ins Wasser und versuchen so die italienische Insel zu erreichen.

Was ist passiert?

Seit 19 Tagen ist das spanische Rettungsschiff der Organisation Proactiva Open Arms auf hoher See. Italien verbot ihnen das Anlegen im Hafen. Die Regierung in Madrid schlug zuerst den andalusischen Hafen Algeciras vor, jedoch sah sich die NGO nicht in der Lage, in der prekären Lage an Bord noch tagelang quer über das Mittelmeer zu fahren. Dann bot Spanien Häfen auf den Balearischen Inseln an. Auch das sei zu weit, heißt es von Óscar Camps, dem Gründer der Organisation. Sie könnten bei den Strecken die Sicherheit der Menschen nicht mehr gewährleisten.

Während der Diskussionen und internationalem Tauziehen müssen die Menschen an Bord verharren und warten. Bereits am Wochenende ertrugen fünf Menschen die Situation nicht mehr und sprangen ins Wasser. Die Organisation konnte sie zurückholen. Am Dienstag sind nun wieder Menschen ins Wasser gesprungen und Richtung Land geschwommen. Sie wurden von der italienischen Küstenwache gerettet.

Warum darf das Schiff in Italien nicht anlegen?

Der italienische Innenminister Matteo Salvini sagt, dass sich sein Hartbleiben auszahlen würde: „Spanische NGO, spanisches Schiff, spanischer Hafen: richtig so. Die italienische Kohärenz und die Standhaftigkeit zahlen sich aus, wir sind nicht länger das Flüchtlingslager Europas.“

Derzeit befinden sich noch 98 Geflüchtete an Bord. Zuletzt durften neun Menschen das Schiff verlassen und auf Lampedusa an Land gehen. Wie die Hilfsorganisation auf Twitter mitteilte, handelt es sich dabei um acht medizinische Notfälle und eine Begleitperson. Zuvor waren bereits 40 Menschen in die Obhut der italienischen Behörden übergeben worden, darunter 24 unbegleitete Minderjährige.

Die spanische Verteidigungsministerin Margarita Robles nennt das eine „Schande für die Menschheit“ und wirft Salvini vor, dass er Menschenleben für Wahlkampfzwecke gefährde.

Was passiert jetzt?

„Die Situation beginnt der eines libyschen Lagers zu ähneln, allerdings in italienischen Hoheitsgewässern“, twitterte der Leiter der Organisation, Óscar Camps. Am Dienstag kündigt die spanische Regierung eine Lösung an, was genau, ist noch unbekannt. Die Hilfsorganisation plädiert für einen Transport per Flugzeug nach Spanien.

Bis zu einer Entscheidung bleibt den Menschen an Bord nichts anderes übrig, als kurz vor der italienischen Küste weiterhin auf dem Boot zu bleiben.