Warum Dezember der schlimmste aller Monate ist

Dezember ist der stressigste Monat des Jahres. Selbst mit kluger Planung entkommt man dem Wahnsinn nicht. Da würde nur ein komplett irrer Vorschlag helfen. 

Lass es bitte einfach vorbei sein.

Lass es bitte einfach vorbei sein. Foto: Unsplash I CC0-Lizenz

Eigentlich müssten wir Freunde sein, der Dezember und ich. Schließlich habe ich in diesem Monat Geburtstag. Aber er macht es mir nicht leicht, ihn zu mögen. In Wahrheit bin ich jedes Jahr einfach nur froh, wenn er und ich fertig miteinander sind.

Es beginnt harmlos. Ende November hängen die ersten Lichter in den Fenstern, die Weihnachtsmärkte öffnen. Irgendjemand schlägt vor, hinzugehen. Der Glühwein, den mir ein Freund reicht, macht mir klar, warum ich diese Märkte meide. Am ersten Schluck verbrenne ich mir die Zunge, der dritte ist bereits so kalt wie es meine Füße schon seit Stunden sind.

Kommt gerne weihnachtlich gekleidet.“ – Text auf der Einladung zum Adventskaffee

Dann das Adventstreffen bei einer Freundin. In der Einladung steht: „Kommt gerne weihnachtlich gekleidet.“ Also irre ich im H&M umher und kaufe lächerliche Pullis, die den Rest des Jahres im Schrank vergammeln. Ich esse Lebkuchen, die so trocken sind wie die Gespräche. Meist gipfeln sie in dieser Frage: „Und, hast du deine Geschenke schon?“ Fuck, natürlich nicht. Kein einziges.

[Außerdem bei ze.tt: Weihnachten soll nach Hause gehen!]

Ab diesem Zeitpunkt werde ich Teil des Menschenstroms, der sich durch die Stadt schiebt, geblendet von Lichtern und Plakaten. „Fest der Liebe“, steht da oder „Mach’s dir schön mit deinen Lieben.“ Die wahre Botschaft ist: „Kauf mich oder dein Fest wird scheiße.“ Dazu plärrt Last Christmas von Wham aus allen Boxen, und ich spüre, wie sich die Schmerzen langsam in meinem Kopf ausbreiten.

Comment the Christmas song you’re tired of hearing! #945thebuzz

Posted by 94.5 THE BUZZ on Samstag, 16. Dezember 2017

Ihr könntet jetzt einwenden: Halt dich doch von den Weihnachtsmärkten fern und kauf deine Geschenke früher.

Ausnahmezustand bei der Arbeit

Aber selbst das ist keine Garantie für einen entspannten Dezember. Denn bei der Arbeit herrscht Ausnahmezustand. Nie ist in so wenig Zeit so viel zu tun wie im Dezember. Projekt X muss unbedingt noch in diesem Jahr fertig werden, nur leider ist die Hälfte der Kolleg*innen krank. Der Rest hat meistens ab dem 20. frei. Die Übriggebliebenen ackern also doppelt so viel. Um diese Arbeit zu erledigen, schleppen wir uns im Dunkeln ins Büro und im Dunkeln wieder zurück, denn: Dezember ist der Monat mit den kürzesten Tagen im Jahr.

Wenn ich die Geschenke endlich habe und die Arbeit erledigt ist, dränge ich mich ausgelaugt mit doppelt so viel Gepäck wie sonst in den Zug nach Hause. Auf der Fahrt mache ich Termine mit Leuten aus, die ich schon lange nicht gesehen habe. Ich freue mich tatsächlich darauf, sie zu sehen, aber die Entspannung der Feiertage und der Zeit nach Weihnachten ist somit auch dahin. Unvermeidlich ist es leider auch, beim Feiern in der alten Heimat jede Menge „Hi-na!“-Leute zu treffen, mit denen man nichts zu reden hat außer „Auch über die Feiertage hier?“ und „Wie lange bleibst du?“

Die Leute, die ich wirklich sehen möchte, wohnen mittlerweile in ganz Deutschland verstreut und sind nur für wenige Tage da. Nie reicht die Zeit, alle entspannt zu treffen. Das erzeugt natürlich Stress.

Und was machst du an Silvester?“

Nach den Weihnachtsfeiertagen holt der Dezember noch einmal kurz Luft, um dann zu seinem finalen Akt der Grausamkeit auszuholen: Silvester. So wie die Gespräche beim Adventskaffee um Geschenke kreisen, taucht nach Weihnachten zwangsläufig diese Frage auf: „Was machst du an Silvester?“ Schnell schiebt die Person hinterher, dass ihr der Tag ja vollkommen egal sei, sie sich ja rein gar nichts daraus mache und deshalb dieses Mal totaaaaaal entspannt auf einer Hütte in den Bergen mit vier weiteren Pärchen feiern würde. Gebucht haben sie natürlich schon vor fünf Monaten.

Ich liebe den mitleidigen Blick, wenn ich entgegne, dass ich leider keinen Schimmer hätte, was ich mache. Doch, ich habe Freund*innen, aber die meisten haben keine Pläne für Silvester. Gestresst sind trotzdem alle, weil sie eben doch nicht alleine zu Hause sitzen wollen. Wenn ich dann am 31. entscheide, ein Tiramisu auf eine Party mitzubringen, sind natürlich die Löffelbiscuits längst ausverkauft.

Dieses Gefühl zieht sich durch den gesamten Dezember: Stets einen Tick zu spät, oft unter Druck, schnell noch etwas machen zu müssen und trotzdem ist es nicht möglich, alles so hinzubekommen, wie ich es gerne hätte. Der Dezember ist einfach viel zu überladen mit Bedeutung, Terminen und Arbeit. Januar und Februar hingegen sind ehrliche Wintermonate: kalt, grau, ereignislos. Was der Dezember zu viel hat, fehlt diesen beiden Monaten.

Vielleicht sollten wir darüber nachdenken, Weihnachten in den Februar zu verlegen. Das würde alles entzerren und uns nicht in einem Monat so viel abverlangen. Bis es soweit ist, reiche ich erst mal Urlaub für nächstes Jahr ein. Der Zeitraum: 1. bis 31. Dezember.