Warum die globale Aids-Epidemie auch eine Krise der Selbstbestimmung ist

Laut einer neuen Studie des Kinderhilfswerks Unicef ist die Anzahl bei Aids-Todesfällen stark gestiegen. Besonders gefährdet sind heranwachsende Mädchen.

Laut Unicef befinden wir uns in einer globalen Aids-Epidemie. © STR/AFP/Getty Images

Alleine im vergangenen Jahr infizierten sich weltweit jede Stunde 30 Teenager*innen mit dem HI-Virus. Zwei Drittel davon entfallen auf Mädchen, vor allem aufgrund erzwungener Sexualkontakte; alle drei Minuten infiziert sich also eine Jugendliche mit dem Virus. Das ist eines der alarmierenden Ergebnisse eines neuen Reports zu den Folgen der globalen Aids-Epidemie für Kinder und Jugendliche, die das Kinderhilfswerk Unicef kürzlich auf der Welt-Aids-Konferenz in Amsterdam vorstellte.

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„In den meisten Ländern haben Mädchen und Frauen schlechteren Zugang zu Informationen, Gesundheitsdiensten oder schlicht nicht genug Macht, Nein zu ungeschützten Sex zu sagen“, sagt Unicef-Exekutivdirektorin Henrietta Fore auf der Konferenz. „HIV-Infektionen verbreiten sich unter den verletzlichsten und am stärksten marginalisierten Menschen. Deshalb stehen Mädchen im Teenageralter im Zentrum der Krise.“ Fore bezeichnet diesen Zustand daher nicht nur als Gesundheitskrise, sondern auch als eine Krise der Selbstbestimmung.

Weitere Ergebnisse des Reports

  • Mädchen und Jungen im Alter von zehn bis 19 Jahren machen zwei Drittel der rund drei Millionen minderjährigen HIV-Infizierten aus.
  • 130.000 Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren starben alleine im vergangenen Jahr an den Folgen der Immunschwächekrankheit, 430.000 infizierten sich neu.
  • Seit 2010 sank die Zahl der Aids-Toten insgesamt. Bei den Jugendlichen war allerdings kein Rückgang der Todesfälle zu beobachten.
  • Weltweit lebten 2017 rund 1,2 Millionen Jugendlichen zwischen 15 und 19 Jahren mit dem HI-Virus – die Mehrzahl davon Mädchen, nämlich 720.000 Fälle.

„Wir müssen dafür sorgen, das Mädchen und Frauen wirtschaftlich für sich selbst sorgen können, damit sie sich nicht prostituieren müssen. Wir müssen dafür sorgen, dass sie wissen, wie HIV übertragen wird und wie sie sich schützen können“, sagte Angelique Kidjo, Sängerin und Unicef-Botschafterin. Des Weiteren fordert sie einen besseren Zugang zu Medikamenten und Hilfsangeboten.

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Unicef hat daher gemeinsam mit dem Aids-Programm der Vereinten Nationen (Unaids) und zahlreichen weiteren Organisationen eine Reihe von Initiativen gestartet, um die Epidemie einzudämmen. Unter anderem sollen spezielle Programme zum Stopp der HI-Virusübertragung von schwangeren und stillenden Müttern auf ihre Kindern die Neuinfektionen im Mutterleib oder nach der Geburt auf 100.000 im Jahr 2020 senken. Und strukturelle Hindernisse bei der Prävention, wie Strafverfolgung oder fehlende Beratungsangebote, sollen abgebaut werden.

Auch Unicef-Exekutivdirektorin Henrietta Fore sagt, dass Frauen weiterhin im Zentrum des Kampfs gegen Aids stehen müssen. „Dieser Kampf ist noch lange nicht vorbei“, sagt sie auf der Konferenz.