Warum die Pubertät immer früher stattfindet und was Kosmetika damit zu tun haben

Das Alter, in dem Kinder in die Pubertät kommen, sinkt. Eine aktuelle Studie zeigt, dass die Nutzung von einigen Pflegeprodukten ein Grund dafür sein kann.

Warum die Pubertät immer früher stattfindet und was Kosmetika damit zu tun haben

Die Konservierungsstoffe in Kosmetika können den Beginn der Pubertät bei Mädchen vorverlegen. Foto: Stephany Lorena / Unsplash | CC0

„Ja, ich habe auch das Gefühl, dass früher alle ein bisschen später dran waren“, sagt meine Mama, als ich mich mit ihr über die Pubertät unterhalte. Klar, sagt sie, habe es auch früher schon frühreife Kinder gegeben, aber die seien eher die Ausnahme gewesen. Mädchen und Jungen, bei denen die Pubertät bereits mit elf oder zwölf Jahren einsetzt, sind heute nichts Ungewöhnliches mehr.

Pubertät heute fünf Jahre früher als vor 150 Jahren

Nicht nur Eltern, sondern auch Mediziner*innen beobachten, dass die Pubertät immer früher beginnt. Eine der größten Studien zu diesem Thema stammt von der University of Carolina.  Die Untersuchung mit 17.000 Probandinnen ergab, dass Mädchen vor 150 Jahren ihre erste Regelblutung im Schnitt mit knapp 17 Jahren bekommen haben. Laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts liegt das Alter heute im Schnitt bei 12,8 Jahren. Die amerikanische Studie zeigt auch, dass der Beginn der Pubertät in den letzten 50 Jahren weniger stark sank als in den 100 Jahren davor.

Zusammenhang zwischen Pflegeprodukten und früher Pubertät

Eine mögliche Erklärung für eine frühe Pubertät könne die Nutzung von Pflegeprodukten sein – das zeigt eine aktuelle Studie in der Fachzeitschrift Human Reproduction. Vor allem die Konservierungsstoffe in Kosmetika können den Beginn der Pubertät bei Mädchen vorverlegen. Bei Jungen zeigt sich ein solcher Effekt nicht. Die Studie untersuchte 338 Mütter und deren Kinder von Beginn der Schwangerschaft bis zum Einsetzen der Pubertät. Der Effekt zeigt sich nicht nur, wenn Mädchen selbst solche Produkte nutzen, sondern auch nach einer Verwendung durch die Mütter während der Schwangerschaft.

Zu den Stoffen, die über die Nutzung der Mütter einen Einfluss auf die Pubertät ihrer Töchter hatten, gehören Triclosan und Monoethylphthalath. Phthalathe sind Weichmacher, die in Europa seit 2006 in Kinderspielzeug verboten sind. Ein Grund: Sie binden an die Rezeptoren der natürlichen Sexualhormone und beeinflussen dadurch Prozesse, die eigentlich durch natürliche Hormone ausgelöst werden sollten. Beispielsweise die Pubertät.

Hauptproblem: Weichmacher und Konservierungsstoffe

Als Indikatoren für Pubertät gelten in der Studie die Schamhaarentwicklung der Mädchen, das Einsetzen der Menstruation und die Entwicklung der Brustdrüsen. Die Schamhaarentwicklung der Mädchen aus der Studie begann durchschnittlich etwa sechs Monate früher, wenn das Urin der Mütter einen hohen Anteil Monoethylphthalat (Weichmacher) aufwies. Enthielt das Urin der Mütter eine hohe Konzentration Triclosan (Desinfektion- und Konservierungsstoff), setzte die erste Regelblutung ebenfalls ungefähr ein halbes Jahr früher ein.

Als Grund für die immer früher einsetzende Pubertät in den letzten 150 Jahren gilt neben chemischen Stoffen die Zunahme des Körpergewichts. Leptin ist ein Hormon, das in den Fettzellen des Körpers gebildet wird und unter anderem für die Pubertät verantwortlich ist. Es teilt dem Gehirn mit, wann genügend Fettreserven für die sexuelle Reifung des Körpers vorhanden sind, also wann die Pubertät beginnen kann. Da übergewichtige Kinder einen erhöhten Leptinwert haben, vermuten Forscher*innen, dass der frühere Pubertätsbeginn auch mit der steigenden Zahl von übergewichtigen Kindern zusammenhängt.

Auswirkungen einer verfrühten Pubertät noch unklar

Ob das frühe Einsetzen der Pubertät langfristige psychische Folgen hat, ist bisher noch nicht ausreichend erforscht. In einer amerikanischen Studie befragten Forscher*innen mehr als 7.000 Mädchen, um herauszufinden, ob ein Zusammenhang zwischen psychischen Krankheiten und der Pubertät besteht. Laut dieser Studie zeigen Mädchen, deren Periode verfrüht einsetzt, öfter Symptome einer Depression. Viele deutsche Erziehungsexpert*innen halten eine frühe Pubertät aber für unproblematisch.

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