Warum diese Menschen in den Roben aus „Handmaid’s Tale“ gegen Mike Pence protestierten

Demonstrant*innen haben beim Protest gegen die Politik des US-Vizepräsidenten Mike Pence rote Roben getragen. Dabei handelte es sich um eine Anspielung auf die Serie The Handmaid’s Tale.

Vor dem Alexander Hamilton Custom House in New York bot sich Passant*innen am Dienstag ein seltsames Spektakel: Eine Gruppe Menschen versammelte sich vor dem US-amerikanischen Zollhaus, sie alle trugen blutrote Roben mit weiten Kapuzen und tief ins Gesicht gezogenen weißen Hauben. Dabei handelte es sich nicht etwa um Dreharbeiten: Die Menschen protestierten gegen die Politik des US-Vizepräsidenten Mike Pence – in dem Kostüm, das auch die Schauspielerinnen in der preisgekrönten Hulu-Serie The Handmaid’s Tale tragen.

Bei den verkleideten Personen handelte es sich um Mitglieder der Protestbewegung Refuse Facism. Die Bewegung ist davon überzeugt, dass die Trump-Pence-Regierung eine Bedrohung für die Menschheit und den Planeten darstelle, heißt es auf der offiziellen Webseite. „Der Alptraum muss aufhören: Das Trump-Pence-Regime soll abhauen!“, lautet die Forderung der Gruppe. Dieser Bedrohung wollen sie mit gewaltlosen Protesten entgegenwirken.

Parallelen zwischen The Handmaid’s Tale und Realität

Bei ihrem jüngsten Protest hat die Gruppe mit ihren Roben einen Popkulturbezug zur US-Serie The Handmaid’s Tale hergestellt. Die Serie basiert auf dem Roman Der Report der Magd der kanadischen Autorin Margaret Atwood und zeichnet ein dystopisches Bild von der Zukunft: Ein militarisiertes und fanatisches Regime lenkt die Geschicke des Landes. Die meisten Frauen können keine Kinder mehr bekommen. Die wenigen fruchtbaren Frauen werden gezwungen, Kinder von Familien auszutragen. Sie tragen rote Roben: als Zeichen der Unterdrückung und Entmenschlichung.

Warum die Wahl auf diese Kostümierung gefallen ist, erklärt eine der Demonstrant*innen von Refuse Facism dem der Online-Plattform Refinery29: „Wir sind heute hier, weil Mike Pence Amerika zu einem echten Handmaid’s Tale macht!“ Eine weitere Demonstrantin, Emma Kaplan, gibt der Boulevardzeitung New York Post im Gespräch zu verstehen: „In der Serie sieht man die Parallelen. Es ist zwar eine Fiktion, aber es ist gar nicht so weit von der Welt entfernt, die Mike Pence versucht, zu erschaffen.“

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Der US-amerikanische Politiker Mike Pence ist Mitglied der Republikanischen Partei und seit Januar 2017 Donald Trumps Vizepräsident. Pence ist für seinen Kampf gegen die Rechte von Minderheiten bekannt, vertritt erzkonservative Ansichten, machte Stimmung gegen die Ehe für alle und unterstützt die Konversionstherapie, also eine Art Umpolung Homosexueller, wie unter anderem Zeit Online und der Tagesspiegel zusammenfassend berichten.

Refuse Facism will die Menschen aufwecken

Die Organisatorin des Protest, Samatha Goldman, erklärt der New York Post, warum die Aktionen von Refuse Facism gegen Pence und Trump so wichtig seien: „Sie wecken die Menschen auf, machen auf die Gefahren dieser Regierung aufmerksam und helfen, dass das nicht zur Normalität wird. Und wenn die Menschen das erkennen, fangen sie an, Verbindung zu ziehen und verstehen, dass es eine Bewegung gibt, der sie sich anschließen können.“

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Bei dem Protest am 31. Juli vor dem Zollhaus, in dem Pence an diesem Tag am Homeland Security’s Cybersecurity Summit teilnahm, verteilten die Demonstrant*innen laut Refinery29 außerdem Kinderschuhe auf dem Fußboden. Damit wollten sie auf die Kinder aufmerksam machen, die aufgrund von Trumps Einwanderungspolitik von ihren Familien getrennt wurden. Laut der Online-Plattform hat der Vizepräsident die Protestaktion bisher noch nicht kommentiert.

Rote Robe als Zeichen einer Protestbewegung

Die Aktion der Protestbewegung war übrigens nicht die erste dieser Art: Ein ähnlicher Protest in roten Roben fand bereits in Philadelphia statt. Die Kostümierung hat durchaus Potenzial, ein Zeichen des Protests gegen Trump und Pence zu werden – ähnlich wie schon die Guy-Fawkes-Masken aus dem Film V wie Vendetta zum Zeichen der Anonymous-Bewegung wurden.