Warum diese Mutter monatlich 1.000 Euro Corona-Kindergeld fordert

In einer Onlinepetition fordert Katharina Mahrt finanzielle Unterstützung für Eltern. Ihre Forderung wiederholt sie auch im Fernsehen – wo sie ein Politiker kühl zurückweist.

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Katharina Mahrt mit ihrem 3-jährigen Sohn Jan: "Ich mache mir Sorgen um meinen Job." Foto: © Youme Won

Katharina Mahrt ist aufgebracht. Am Dienstagabend ist sie zu Gast in einer Talkshow des rbb und redet sich ihren Frust von der Seele. Sie ist Mutter eines dreijährigen Sohnes und unterstütze die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus, also auch die Kitaschließungen. Aber sie sei enttäuscht von der Politik, enttäuscht davon, dass Eltern für ihre Mehrarbeit nicht ausreichend finanziell unterstützt würden. „Plötzlich kommt die Krise und für mich als Mutter ist keine Lösung da“, sagt sie in der Sendung.

Seit acht Wochen versucht sie, Homeoffice und Betreuung unter einen Hut zu bringen. „Ich bin erschöpft und fühle mich von der Politik im Stich gelassen: denn momentan werde ich weder meiner Arbeit noch meinem Kind gerecht“, sagt Mahrt am Mittwoch im Interview mit ze.tt. „Bisher ist bei mir noch keine Unterstützung oder Hilfe von der Politik angekommen. Anscheinend denken die meisten Politiker, dass Mutti das schon alleine schafft und das Vereinbarkeitsproblem während der Krise Privatsache wäre. Unmöglich finde ich das.“

Katharina Mahrt und weitere Eltern, die sich bereits vor der Corona-Krise in der Initiative Kitakrise Berlin zusammengeschlossen haben, fordern deshalb finanzielle Unterstützung. In einer Onlinepetition bei Change.org ruft Marth die Politik dazu auf, ein Corona-Kindergeld von 1.000 Euro einzurichten. Bisher haben knapp 50.000 Menschen die Petition unterzeichnet. In der Petition schreibt sie: „Ich mache mir Sorgen um meinen Job, denn ich bin noch mitten in der Probezeit, habe keinen Anspruch auf Urlaub und die Erwartung ist, dass ich normal weiterarbeite. Das ist einfach nicht möglich.“ Mit dem Geld könnten „die schlimmsten Verdienstausfälle ausgeglichen und eventuell professionelle Einzelbetreuung organisiert werden“, begründet sie ihre Forderung.

In der rbb-Sendung trifft Mahrts Forderung jedoch nicht auf fruchtbaren Boden. Ihr gegenüber steht der Wirtschaftsminister Brandenburgs, Jörg Steinbach, der emotionslos reagiert: „Ein Kind ist kein Wirtschaftsfaktor, den man kompensiert.“ So groß sei die Krise noch nicht, sagt Steinbach außerdem. Und: Er würde sich freuen, „wenn die Eltern ihre Kinder auch mal wieder richtig kennengelernt haben“. Mahrt kontert, doch der Moderator stoppt sie, weil die Sendezeit nicht ausreiche.

„Das ist ein Schlag ins Gesicht, nicht nur für mich, sondern für jede Mutter und jeden Vater“, sagt Mahrt zu ze.tt über die Aussagen von Steinbach. „Ich bin absolut fassungslos, wie so eine Denkweise aus den 50er-Jahren noch immer in den Köpfen vieler Politiker verankert zu sein scheint.“

Auf Twitter berichten Eltern von ihrer schwierigen Lage

So wütend wie Katharina Mahrt sind zurzeit vielen Eltern. Unter den Hashtags #coronaeltern und #coronaelternrechnenab schildern viele von ihnen auf Twitter ihre Lage und ihre Enttäuschung und Wut. Zudem rechnen Eltern aus, was ihre Care-Arbeit für einen Wert hat. Der Tenor: Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie war schon immer eine Herausforderung – jetzt wird sie zur unmöglichen Nervenprüfung.

„Viele Eltern haben schon ihren Jahresurlaub aufgebraucht, sind arbeitslos geworden oder müssen mit großen Einkommensverlusten zurecht kommen“, sagt Mahrt. „Das bedeutet Stress für uns und am Ende leiden auch die Kinder darunter.“ Mit einem Corona-Kindergeld könnten Eltern ihre Stunden verringern, hofft sie. Dann könnten sie sich ihren Kindern widmen oder eine professionelle Kinderbetreuung einstellen, um weiterhin arbeiten zu können. „Eine Familie könnte damit an drei Tagen pro Woche einen Babysitter für zwölf Euro pro Stunde engagieren. Damit wird natürlich nicht die vollständige Arbeitszeit abgedeckt, aber es wäre schonmal besser als nichts.“ Für Alleinerziehende und Eltern mit Kindern mit Behinderung oder auch mit mehreren Kindern müsse es entsprechend mehr Geld geben, um für ausreichend Entlastung zu sorgen.

„Ein Corona-Kindergeld von 1.000 Euro im Monat ist der einfachste, schnellste und gerechteste Weg, um Familien in der Corona-Krise zu unterstützen“, findet Mahrt. Anders als ein Corona-Elterngeld müsse es nicht extra beantragt werden, was zeitfressende Bürokratie verhindere. „Uns ist klar, dass Geld allein nicht die Lösung für alle Probleme ist, aber es würde allen Familien wirklich helfen. Und vielleicht noch wichtiger: Es wäre ein Zeichen, dass die Politik die Familien in der Krise nicht alleine lässt.“

Wann die Kitas wieder vollständig öffnen, steht noch nicht fest. Zuletzt hatte sich Familienministerin Franziska Giffey in der Welt am Sonntag so geäußert: „Wenn das Infektionsgeschehen es zulässt, könnte die Rückkehr zum vollständigen Regelbetrieb vielleicht im Sommer möglich sein. Aber darüber entscheiden letztlich die Länder.“ Giffey wolle diese Woche in der Jugend- und Familienministerkonferenz über weitere Schritte sprechen. Zurzeit gilt eine erweiterte Notbetreuung in Kitas. Demnach können Eltern einen Anspruch auf die Kitabetreuung ihres Kindes geltend machen, wenn sie beispielsweise in systemrelevanten Berufen arbeiten oder alleinerziehend sind.

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