Warum diese Bilder aus dem polnischen Nationalmuseum verschwinden mussten

Der Museumsdirektor ließ die Werke von zwei feministischen Künstlerinnen entfernen – angeblich auf Druck des Kultusministeriums. Dagegen formiert sich kreativer Protest.

Polish Art

"Let me hear you say, this shit is bananas, B-A-N-A-N-A-S!" hat schon Gwen Stefani gesungen. Foto: Carmen Jaspersen / dpa

Die Ausstellung würde Jugendliche ablenken“. Eltern und andere Gäste hätten sich empört an das Museum gewandt. Das Kultusministerium habe gefordert, die Ausstellung von „skandalösen Arbeiten zu säubern“. So begründete Prof. Dr. Jerzy Miziołek, neuer Direktor des polnischen Nationalmuseums in Warschau, gegenüber polnischen Medien seine Entscheidung, Werke von zwei Künstlerinnen aus der Ausstellung zu entfernen.

Während das Kultusministerium die Behauptung Miziołeks von sich wies, etwas mit dem Vorgang zu tun zu haben, sind die Arbeiten der Künstlerinnen Natalia LL und Katarzyna Kozyra bereits aus der Ausstellung verschwunden. Erst 2018 wurde die international bekannte Künstlerin Natalia LL mit dem renommierten Rosa Schapire Art Prize ausgezeichnet. Nun musste eine ihrer bekanntesten Fotoserien weichen: Consumer Art, aus den Jahren 1970 bis 1973. Zu sehen ist eine Frau, die Bananen isst. Der Bildausschnitt reicht nur bis zum Ansatz ihrer Brüste. Doch das Model ist augenscheinlich nackt. Offenkundig erzeugt das bei Betrachter*innen erotische Assoziationen, obwohl faktisch nur der banale Akt des Essens dargestellt wird. Natalia LLs Ansatz wurde als eine Dekonstruktion von Frauenrollen in popkulturellen Erzählungen von Konsumgesellschaften und der Objektifizierung weiblicher Erotik begriffen.

Bananen essen gegen die Zensur feministischer Kunst

Was von Natalia LL tatsächlich als künstlerische Provokation gedacht wurde, hat sich die Leitung des Nationalmuseums wohl etwas zu sehr zu Herzen genommen. Nur dass diese daraus eine Konsequenz zog, die LL im Jahre 2019 nicht erwartet haben dürfte. Ähnlich dürfte es ihrer Kollegin Katarzyna Kozyras gehen. Beseitigt wurde auch ihre Videoinstallation Die Erscheinung von Lou Salomé. Darauf zu sehen sind Schauspieler, die in Nietzsche- und Rilke-Masken an der Leine geführt werden. Der Erzählung nach sind das zwei von vielen Männern, die der Philosophin Lou Salomé verfallen waren. Der Mythos von Salomé als gnadenloser Femme Fatale und zugleich Projektionsfläche für männliches Begehren hält sich unnachgiebig.

Der Schritt des Museumsdirektors, den viele Menschen als Zensur verstehen, blieb natürlich nicht lange ohne Reaktion. Für Montagabend wird auf Facebook bereits zum kollektiven Bananenessen vor dem Nationalmuseum eingeladen – frei nach dem Vorbild der entfernten LL-Fotografien. Rund 24.000 Menschen zeigen sich auf der Plattform interessiert an der Veranstaltung. Tatsächlich hat sich das Bananenessen bereits als Protestform etabliert. In den sozialen Medien zeigen Politiker*innen, Künstler*innen und andere Bananen essend, was sie von Jerzy Miziołeks Entscheidung halten.


 

 

 

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