Warum dieses Plakat am Berliner Moritzplatz Aufsehen erregt

Ein Tamponhersteller wirbt dafür, die Periode nicht mehr zu tabuisieren.

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Hinter dem Plakat am Moritzplatz steckt eine Firma, die biologische Menstruationsprodukte herstellt. Screenshot: Instagram/@thefemalecompany

Der Berliner Moritzplatz befindet sich an der Grenze zwischen den Bezirken Kreuzberg-Friedrichshain und Mitte. Ein vielbefahrener Kreisverkehr pumpt Autos und Fahrradfahrer*innen durch die breiten Straßen. Über einer urigen Eckkneipe am Rande des Platzes prangt seit Sonntag ein 200 Quadratmeter großes Plakat. Darauf zu sehen: Lippen. Lippen, die auf den ersten Blick ziemlich nach Vulvalippen aussehen, in Wirklichkeit aber ein vertikal dargestellter Mund sind.

Das erste Foto, das von dem Plakat auf Instagram hochgeladen wurde, hat inzwischen über 6.000 Likes. Beinahe 200 Menschen haben darunter kommentiert. Hinter dem Plakat steckt eine Firma, die biologische Menstruationsprodukte herstellt. Zuvor soll ein Aufsteller, auf dem ein Tampon mit roter Farbe zu sehen ist, auf Ablehnung gestoßen sein: „Unsere Aufsteller, auf denen ein Bio-Tampon in roter Farbe abgebildet ist, sorgten für wahre Empörung bei Uschi, Getrud und Gerlinde*, die sich über den aggressiven Angriff des blutrünstigen Tampons aus Pappe echauffierten. ‚Ekelhaft'“, schreibt das Unternehmen unter den Instagrampost. „Wir finden: Das Thema Periode sollte so natürlich über die Lippen gehen wie unsere Bio-Tampons.“

Das 200-Quadratmeter-Plakat am Moritzplatz soll ein Zeichen gegen die Tabuisierung der Menstruation darstellen, so der Tampon-Hersteller. Die Firma fordert Instagram-Nutzer*innen auf, unter dem Hashtag #Lippenbekenntnis Fotos von um 90-Grad-gedrehten Lippen zu posten. Etwa ein Dutzend beteiligte sich bislang, manche ließen dabei am unteren Ende einen weißen Faden aus dem Mund hervorluken, um die Metapher zu verdeutlichen.

Andere Instagramer*innen diskutieren unter dem Bild darüber, wie mit ablehnenden Reaktionen auf realistische Darstellungen der Periode umgegangen werden soll. Eine Nutzerin verteidigt dabei die Haltung älterer Generationen: „Sie haben es eben leider so gelernt oder von ihren Müttern so vorgelebt bekommen. Je älter man wird, desto schwieriger ist es, gesellschaftliche Umbrüche, die alles, was man bisher geglaubt und wonach man gelebt hat, in Frage stellen, zu verstehen und mitzugehen.“

Eine andere Nutzerin hält Alter für keine Ausrede: „Ekelhaft? Also bitte! Reicht ja schon, dass viele Männer das als etwas Ekelhaftes abstempeln, können wir Frauen uns da nicht wenigstens zusammenreißen und verbreiten, dass die Periode etwas Normales ist?“

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