Warum dir Glyphosat nicht egal sein sollte

Glyphosat ist seit dem Gerichtsurteil in den USA wieder in aller Munde. Doch welche Gefahren birgt das Pflanzenmittel, das in Gemüse und Tampons steckt?

Katharina Alexander Katharina Alexander 21. März 2019 Nach dem Gerichtsurteil gegen die Bayer-Tochter Monsanto in den USA ist die Diskussion um das Pflanzenschutzmittel Glyphosat neu entfacht. Die gesundheitliche Gefährdung des Pestizids ist nun, zumindest juristisch, bewiesen. Glyphosat wurde 1970 das erste Mal von dem US-Agrarunternehmen Monsanto als Pflanzenschutzmittel angemeldet. Es entzieht Pflanzen, der sogenannten Unkrautkonkurrenz, wichtige Nährstoffe: ein Unkrautvernichtungsmittel also. Durch den Fortschritt gentechnisch veränderter Pflanzen kann Glyphosat immer gezielter und wirksamer eingesetzt werden. Diese werden so entwickelt, dass sie gegen das Mittel resistent sind. ZE.TT GIBT'S JETZT AUCH ALS APP! Praktischer Weise entwickelt Monsanto selbst neben Pestiziden auch genau dieses gentechnisch veränderte Saatgut: Wie zum Beispiel für Sojapflanzen, die Enzyme gegen das Gift entwickeln. Win-Win also für den Großkonzern. Bier ohne Gift Die Diskussion über Glyphosat startete hierzulande, als es dem geliebten Bier an den Kragen ging. Das Umweltinstitut München fand 2016 in 14 deutschen Biersorten Glyphosatrückstände. Die Empörung und Verunsicherung waren groß. Wie konnte so etwas bei dem deutschen Reinheitsgebot passieren? Die Erklärung klingt relativ simpel: Es stimmt zwar, dass die Vorschriften für deutsche Braugerste sehr ausgefeilt sind, dennoch wird circa die Hälfte des verwendeten Getreides für das Bierbrauen aus dem Ausland importiert. Dort gibt es oftmals nicht solch strenge Regelungen. Ist das überhaupt gesund? 2015 stufte die Weltgesundheitsorganisation Glyphosat nach einem Bericht der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) als wahrscheinlich krebserregend ein. Auch von Unfruchtbarkeit, Missbildungen, Haut- und Magen-Darm-Erkrankungen ist die Rede. 2016 wurde zurückgerudert. Ein Fachgremium, an dem die WHO beteiligt war, kam zu dem Ergebnis, dass Glyphosat nicht krebserregend sei. Und doch bleiben berechtigte Zweifel. 2017 aufgetauchte internen Dokumente von Monsanto lassen vermuten, dass der Konzern Gefahrengutachten gefälscht hat, um bei den entsprechenden Überprüfungen besser abzuschneiden. Die französische Zeitung Le Monde enthüllte, dass Teile der Berichte von Monsanto-internen Autor*innen selbst geschrieben worden seien. Außerdem soll der Konzern Wissenschaftler*innen engagiert haben, um in Fachpublikationen positiv über Glyphosat zu berichten. Juristisch gesehen ist Glyphosat krebserregend Seit dieser Woche ist es nun offiziell: Glyphosat ist, juristisch belegt, krebserregend. Nachdem der Farmer Edwin Hardeman in den USA 25 Jahre lang das glyphosathaltige Pestizid Roundup von Monsanto eingesetzt hatte, erkrankte er an Lymphdrüsenkrebs. Ein Gericht in San Francisco gab ihm nun Recht, dass Roundup mitverantwortlich für die Erkrankung sei. Die Entscheidung des Gerichts ist zwar noch nicht bindend, jedoch handelt es sich bereits jetzt um einen Präzedenzfall, der viele ähnliche Urteile nach sich ziehen könnte. Die wissenschaftliche Risikobewertung von Glyphosat ist aber immer noch offen und bis heute nicht einstimmig belegt. Für die Jury in San Francisco ist jedoch klar: Glyphosat fördert Krebs. Was bedeutet das für Roundup und Bayer? Die Bayer-Aktie ist bereits jetzt drastisch gesunken, denn nach der Gerichtsentscheidung werden ähnliche Urteile in mehreren Tausend Prozessen erwartet.Aktuell liegen 11.200 Klagen gegen Monsanto in den USA vor, die unmittelbar mit dem Einsatz von Glyphosat in Verbindung stehen. Das könnte für Bayer sehr teuer werden. Schon als der Pharmariese mit Monsanto im letzten Jahr übernahm, musste der deutsche Konzern erhebliche Einbuße an der Börse hinnehmen. Dass sich Monsanto dabei in der eigenen Firmendarstellung grotesker Weise als besonders nachhaltig und innovativ darstellt, hilft dem angekratzten Image nicht. Warum benutzen Landwirt*innen überhaupt ein so gefährliches Unkrautvernichtungsmittel? Die Antwort darauf ist erschreckend einfach. Die Gefahren von Glyphosat werden, meist ignoriert oder kleingeredet. Denn Glyphosat bietet im Vergleich zu anderen Unkrautvernichtungsmittel enorme Vorteile, spart viel Zeit und lässt die Betriebe dadurch effizienter wirtschaften. Gerade der wirtschaftliche Faktor wird in der Landwirtschaft immer wichtiger. Denn die Preise für ihre Produkte sinken. In Frankreich sind Landwirt*innen sogar auf die Straße gegangen, um für den Einsatz von Glyphosat zu demonstrieren. Super-Unkräuter auf dem Vormarsch Glyphosat wird in Deutschland nicht so stark eingesetzt wie beispielsweise in den USA oder Brasilien – überall dort, wo vor allem gentechnisch veränderte Pflanzen den Weg auf die Äcker finden. Das ist in Deutschland nicht der Fall, da gentechnisch verändertes Saatgut laut EU-Verordnung nicht erlaubt ist. Dadurch sind vor allem Ökosysteme in Mittel- und Südamerika bedroht, wo durch den gentechnisch veränderten Monokulturanbau wichtige, artenreiche Lebensräume des Regenwaldes und der Savannen gefährdet werden. Zudem werden immer mehr Pflanzen resistent Glyphosat, sodass sich sogenannte Super-Unkräuter entwickeln können. Die Folge? Noch mehr Pflanzengifte und höhere Gewinne für Unternehmen wie Monsanto Wie hoch ist die Bedrohung in Deutschland? Auch in der deutschen Landwirtschaft ist der Gebrauch von Glyphosat Standard. Erst im November 2017 verlängerte die EU-Kommission den Einsatz von Glyphosat in der Europäischen Union um weitere fünf Jahre. Es gibt 105 glyphosathaltige Mittel in Deutschland, die in unterschiedlicher Weise, auch abseits der Landwirtschaft zum Einsatz kommen. Allein 51 davon werden im Privatgebrauch im Haus- und Kleingartenbereich angewendet. Weitere Einsatzgebiete finden sich vor allem im Obstanbau, bei der Unkrautvernichtung auf Bahngleisen und im Anbau von Weihnachtsbäumen. Die politische Diskussion bleibt dabei überaus kontrovers. Während vor allem CDU und FDP einen weiteren Einsatz von Glyphosat befürworten, fordern Grünen-Politiker*innen ein Verbot des Pflanzenschutzmittels. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter gab gegenüber von RedaktionsNetzwerk Deutschland nach der US-Entscheidung zu Bedenke n: „Wie viele Urteile braucht die Bundesregierung noch, um die Menschen endlich vor dem giftigen Glyphosat zu schützen?“ Wie viele Urteile braucht die Bundesregierung noch, um die Menschen endlich vor dem giftigen Glyphosat zu schützen? Anton Hofreiter Glyphosat ist nicht nur Unkrautvernichter, sondern greift auch das Ökosystem an. Besonders gefährdet sind dabei Insekten, aber auch wirbellose Tiere sowie Fische. Das Herbizid reduziert die Artenvielfalt auf den Feldern, sodass indirekt auch Vögel betroffen sind, die nicht mehr genug Nahrung finden. Schon vor dem großen Erfolg des Volksbegehren Artenvielfalt in Bayern hatte die Bundesregierung unter Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) zugesichert, dass bis 2020 Maßnahmen ergriffen werden sollen, die Insekten besser schützen. Glyphosat soll nur noch dort zum Einsatz kommen „wo und soweit dies absolut nicht anders geht“. Sollte das konsequent umgesetzt werden, wäre es ein großer Erfolg für den Naturschutz. Ist Glyphosat für mich gefährlich? Es ist nicht abschließend wissenschaftlich erwiesen, ob Glyphosat eine gesundheitliche Gefährdung für die Konsumierenden darstellt. Bisher ist lediglich bekannt, dass die Anwender*innen, also vornehmlich Landwirt*innen, die tagtäglich mit dem Unkrautvernichtungsmittel in Kontakt kommen, gesundheitliche Schäden davontragen können. Vor allem Lymphdrüsenkrebs scheint in direktem Zusammenhang mit dem Pestizid zu stehen. Oft werden Glyphosat-Mischungen auch sogenannte Tallowamine beigefügt, die noch giftiger als das Glyphosat selbst sein sollen und in Kombination die Giftigkeit des Pflanzenschutzmittels deutlich erhöhen. Glyphosat auf deinem Teller Glyphosat kann in vielen getreidehaltigen Lebensmitteln vorkommen. Ja, auch im Bier. Und letztendlich auch im Fleisch, in Eiern und der Milch, da viele Tiere mit Gen-Getreide und Gen-Soja gefüttert werden, die mit Glyphosat behandelt wurden. Bei Kühen wurden mittlerweile diverse Erkrankungen nachgewiesen, die im Verdacht stehen, durch Glyphosat hervorgerufen zu werden. Auch Nutzpflanzen, die in Ländern angebaut werden, in denen gentechnisch veränderte Pflanzen problemlos eingesetzt werden dürfen, sind betroffen. So zum Beispiel Baumwolle, welche in der konventionellen Herstellung durchaus Schadstoffe in die Kleidung bringt. Und nicht nur dorthin: auch Produkte wie Tampons, Wattestäbchen, Verbandsmaterial und Pflaster sind betroffen. Glyphosat als solches wurde außerdem bereits im Urin und Blut von Menschen und Tieren nachgewiesen. Was du tun kannst, um Glyphosat zu vermeiden Da man als Konsument*in nicht mit Sicherheit sagen kann, welche Lebensmittel von Glyphosat behandelten Pflanzen kommen, ist das einzige hilfreiche Mittel komplett auf Bio-Lebensmittel auszuweichen. Nur bei deren Anbau ist Glyphosat wirklich verboten. Gleiches gilt für die Kosmetik- und Hygieneartikel. Gerade bei Tampons und anderen Produkte, die unmittelbar mit unseren Schleimhäuten oder Blut in Kontakt kommen, sollte man auf Bio-Baumwolle achten. Monsanto und andere Agrar-Riesen haben ihre Ziele bereits erreicht. Die weltweite Landwirtschaft ist maßgeblich abhängig von ihnen. Es gibt wenige bis keine Alternativen für Glyphosat und die wachsenden Resistenzen machen Farmer*innen zusätzlich abhängig von dem genmanipulierten Saatgut der Konzerne. Somit ist der Einsatz von Glyphosat nicht nur ein gesundheitliches und ökologisches Problem, sondern längst eine gesellschaftliches geworden. Katharina Alexander Katharina Alexander Katharina Alexander ist in Hamburg geboren, inzwischen schreibt sie in Berlin. Ihr Masterplan für eine bessere Welt setzt auf intersektionalen Feminismus und die Erkenntnis, wie sexy Nachhaltigkeit ist. Außerdem sucht sie nach einer Möglichkeit, ihre Zimmerpflanzen langfristig am Leben zu erhalten. Erreichbar per E-Mail unter katharina.alexander@ze.tt und via Twitter unter @Katlexander. ALLE ARTIKEL VON KATHARINA ALEXANDER Tags: Bayer, Genmanipulation, Gift, Glyphosat, Landwirtschaft, Monsanto, Nachhaltigkeit Schick diesen Artikel deinen Freund*innen! 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Im Bier, im Essen und in Pflastern: Glyphosat. Foto: Polina Rytova / Unsplash | CC0

Die Diskussion über Glyphosat startete hierzulande, als es dem geliebten Bier an den Kragen ging. Das Umweltinstitut München fand 2016 in 14 deutschen Biersorten Glyphosatrückstände. Die Empörung und Verunsicherung waren groß. Nach dem Gerichtsurteil gegen das Bayer-Tochterunternehmen Monsanto in den USA ist die Diskussion um das Pflanzenschutzmittel Glyphosat neu entfacht. Die gesundheitliche Gefährdung des Pestizids ist nun, zumindest juristisch, bewiesen

Glyphosat wurde 1970 das erste Mal von dem US-Agrarunternehmen Monsanto als Pflanzenschutzmittel angemeldet. Es entzieht Pflanzen wichtige Nährstoffe. Ein Unkrautvernichtungsmittel also. Durch den Fortschritt gentechnisch veränderter Pflanzen kann Glyphosat immer gezielter und wirksamer eingesetzt werden, denn sie werden so entwickelt, dass sie gegen das Mittel resistent sind. Praktischerweise entwickelt Monsanto neben Pestiziden auch genau dieses gentechnisch veränderte Saatgut, wie zum Beispiel für Sojapflanzen, die Enzyme gegen das Gift entwickeln. Win-Win also für den Großkonzern. 

Ist das überhaupt gesund?

2015 stufte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Glyphosat nach einem Bericht der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) als wahrscheinlich krebserregend ein. Auch von Unfruchtbarkeit, Missbildungen, Haut- und Magen-Darm-Erkrankungen war die Rede. 2016 wurde zurückgerudert. Ein Fachgremium, an dem die WHO beteiligt war, kam zu dem Ergebnis, dass Glyphosat nicht krebserregend sei.

Und doch bleiben berechtigte Zweifel. 2017 aufgetauchte interne Dokumente von Monsanto lassen vermuten, dass der Konzern Gefahrengutachten gefälscht hat, um bei den entsprechenden Überprüfungen besser abzuschneiden. Die französische Zeitung Le Monde enthüllte, dass Teile der Berichte von Monsanto-internen Autor*innen selbst geschrieben worden seien. Außerdem soll der Konzern Wissenschaftler*innen engagiert haben, um in Fachpublikationen positiv über Glyphosat zu berichten.

Juristisch gesehen ist Glyphosat krebserregend

Seit dieser Woche ist es nun offiziell: Glyphosat ist krebserregend. Nachdem der Farmer Edwin Hardeman in den USA 25 Jahre lang das glyphosathaltige Pestizid Roundup von Monsanto eingesetzt hatte, erkrankte er an Lymphdrüsenkrebs. Ein Gericht in San Francisco gab ihm nun recht, dass Roundup mitverantwortlich für die Erkrankung sei.

Die Entscheidung des Gerichts ist noch nicht bindend. Es handelt sich aber schon jetzt um einen Präzedenzfall, der viele ähnliche Urteile nach sich ziehen könnte. Die wissenschaftliche Risikobewertung von Glyphosat ist aber immer noch offen und bis heute nicht einstimmig belegt. Für die Jury in San Francisco ist jedoch klar: Glyphosat fördert Krebs.

Was bedeutet das für Roundup und Bayer?

Die Bayer-Aktie ist bereits jetzt drastisch gesunken, denn nach der Gerichtsentscheidung werden ähnliche Urteile in mehreren Tausend Prozessen erwartet. Aktuell liegen 11.200 Klagen gegen Monsanto in den USA vor, die unmittelbar mit dem Einsatz von Glyphosat in Verbindung stehen.

Das könnte für Bayer sehr teuer werden. Schon als der Pharmariese Monsanto im letzten Jahr übernahm, musste der deutsche Konzern erhebliche Einbußen an der Börse hinnehmen. Dass sich Monsanto dabei in der eigenen Firmendarstellung groteskerweise als besonders nachhaltig und innovativ zeigt, hilft dem angekratzten Image nicht. 

Warum benutzen Landwirt*innen überhaupt ein so gefährliches Unkrautvernichtungsmittel? Die Antwort darauf ist erschreckend einfach. Die Gefahren von Glyphosat werden meist ignoriert oder kleingeredet. Denn Glyphosat bietet im Vergleich zu anderen Unkrautvernichtungsmitteln enorme Vorteile, spart viel Zeit und lässt die Betriebe dadurch effizienter wirtschaften. Gerade der wirtschaftliche Faktor wird in der Landwirtschaft immer wichtiger, denn die Preise für ihre Produkte sinken. In Frankreich sind Landwirt*innen sogar auf die Straße gegangen, um für den Einsatz von Glyphosat zu demonstrieren.

Super-Unkräuter auf dem Vormarsch

Glyphosat wird in Deutschland nicht so stark eingesetzt wie beispielsweise in den USA oder Brasilien – überall dort, wo vor allem gentechnisch veränderte Pflanzen den Weg auf die Äcker finden. Das ist in Deutschland nicht der Fall, da gentechnisch verändertes Saatgut laut EU-Verordnung nicht erlaubt ist. 

Dadurch sind vor allem Ökosysteme in Mittel- und Südamerika bedroht, wo durch den gentechnisch veränderten Monokulturanbau wichtige artenreiche Lebensräume des Regenwaldes und der Savannen gefährdet werden. Zudem werden immer mehr Pflanzen resistent gegen Glyphosat, sodass sich sogenannte Super-Unkräuter entwickeln können. Die Folge? Noch mehr Pflanzengifte und höhere Gewinne für Unternehmen wie Monsanto

Wie hoch ist die Bedrohung in Deutschland?

Auch in der deutschen Landwirtschaft ist der Gebrauch von Glyphosat Standard. Erst im November 2017 verlängerte die EU-Kommission den Einsatz von Glyphosat in der Europäischen Union um weitere fünf Jahre. Es gibt 105 glyphosathaltige Mittel in Deutschland, die in unterschiedlicher Weise, auch abseits der Landwirtschaft, zum Einsatz kommen. Allein 51 davon werden im Privatgebrauch im Haus- und Kleingartenbereich angewendet. Weitere Einsatzgebiete finden sich vor allem im Obstanbau, bei der Unkrautvernichtung auf Bahngleisen und im Anbau von Weihnachtsbäumen.

Die politische Diskussion bleibt dabei überaus kontrovers. Während vor allem CDU/CSU und FDP einen weiteren Einsatz von Glyphosat befürworten, fordern Grünen-Politiker*innen ein Verbot des Pflanzenschutzmittels. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter gab gegenüber des RedaktionsNetzwerks Deutschland nach der US-Entscheidung zu Bedenken: „Wie viele Urteile braucht die Bundesregierung noch, um die Menschen endlich vor dem giftigen Glyphosat zu schützen?“

Wie viele Urteile braucht die Bundesregierung noch, um die Menschen endlich vor dem giftigen Glyphosat zu schützen?

Anton Hofreiter

Glyphosat ist nicht nur Unkrautvernichter, sondern greift auch das Ökosystem an. Besonders gefährdet sind dabei Insekten, aber auch wirbellose Tiere sowie Fische. Das Herbizid reduziert die Artenvielfalt auf den Feldern, sodass indirekt auch Vögel betroffen sind, die nicht mehr genug Nahrung finden.

Schon vor dem großen Erfolg des Volksbegehren Artenvielfalt in Bayern hatte die Bundesregierung unter Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) zugesichert, dass bis 2020 Maßnahmen ergriffen werden sollen, die Insekten besser schützen. Glyphosat soll nur noch dort zum Einsatz kommen „wo und soweit dies absolut nicht anders geht“. Sollte das konsequent umgesetzt werden, wäre es ein großer Erfolg für den Naturschutz. 

Ist Glyphosat für mich gefährlich?

Es ist nicht abschließend wissenschaftlich erwiesen, ob Glyphosat eine gesundheitliche Gefährdung für die Konsumierenden darstellt. Bisher ist lediglich bekannt, dass die Anwender*innen, also vornehmlich Landwirt*innen, die tagtäglich mit dem Unkrautvernichtungsmittel in Kontakt kommen, gesundheitliche Schäden davontragen können. Vor allem Lymphdrüsenkrebs scheint in direktem Zusammenhang mit dem Pestizid zu stehen. Oft werden Glyphosat-Mischungen auch sogenannte Tallowamine beigefügt, die noch giftiger als das Glyphosat selbst sein sollen und in Kombination die Giftigkeit des Pflanzenschutzmittels deutlich erhöhen.

Glyphosat auf deinem Teller

Glyphosat kann in vielen getreidehaltigen Lebensmitteln vorkommen. Ja, auch im Bier. Und letztendlich auch im Fleisch, in Eiern und der Milch, da viele Tiere mit Gen-Getreide und Gen-Soja gefüttert werden, die mit Glyphosat behandelt wurden. Bei Kühen wurden mittlerweile diverse Erkrankungen nachgewiesen, die im Verdacht stehen, durch Glyphosat hervorgerufen zu werden.

Auch Nutzpflanzen, die in Ländern angebaut werden, in denen gentechnisch veränderte Pflanzen problemlos eingesetzt werden dürfen, sind betroffen. So zum Beispiel Baumwolle, welche in der konventionellen Herstellung durchaus Schadstoffe in die Kleidung bringt. Und nicht nur dorthin: Auch Produkte wie Tampons, Wattestäbchen, Verbandsmaterial und Pflaster sind betroffen. Glyphosat als solches wurde außerdem bereits im Urin und Blut von Menschen und Tieren nachgewiesen.

Was du tun kannst, um Glyphosat zu vermeiden

Da man als Konsument*in nicht mit Sicherheit sagen kann, welche Lebensmittel von Glyphosat behandelten Pflanzen kommen, ist das einzige hilfreiche Mittel, komplett auf Bio-Lebensmittel auszuweichen. Nur bei deren Anbau ist Glyphosat wirklich verboten. Gleiches gilt für Kosmetik- und Hygieneartikel. Gerade bei Tampons und anderen Produkten, die unmittelbar mit unseren Schleimhäuten oder Blut in Kontakt kommen, sollte man auf Bio-Baumwolle achten.

Monsanto und andere Agrarriesen haben ihre Ziele bereits erreicht. Die weltweite Landwirtschaft ist maßgeblich abhängig von ihnen. Es gibt wenige bis keine Alternativen für Glyphosat und die wachsenden Resistenzen machen Farmer*innen zusätzlich abhängig vom genmanipulierten Saatgut der Konzerne. Somit ist der Einsatz von Glyphosat nicht nur ein gesundheitliches und ökologisches Problem, sondern längst ein gesellschaftliches geworden.