Warum ein Sabbatical gut für deine Karriere ist

Eine längere Auszeit vom Job? Für die meisten noch immer unvorstellbar. Lässt man so nicht die Kolleg*innen und das Unternehmen im Stich? Zeit umzudenken.

Warum ein Sabbatical dich weitaus mehr bereichern kann als zwei Wochen Urlaub.

Warum ein Sabbatical dich weitaus mehr bereichern kann als zwei Wochen Urlaub. © rawpixel.com | Unsplash

30 Tage Urlaub und nicht mehr?

30 Tage, das ist wohl das Maximum an Urlaubstagen, die man in einem traditionellen Unternehmen hat. Auch in Start-ups, die die Angestellten selbst über ihre Urlaubstage bestimmen lassen, ist die Anzahl pro Person nur unweit höher. Eine längere Auszeit im Stile eines Sabbaticals ist für die meisten immer noch ein exotischer Gedanke, fast undenkbar – schließlich ist das weder üblich, noch will man die Kolleg*innen im Stich lassen, oder unmotiviert wirken und damit den Job in Gefahr bringen.

Wer diese Gedanken mit sich herumträgt, sollte versuchen, gedanklich umgekehrt an die Sache heranzugehen: Denn ein Sabbatical kann auf eine Weise bereichern und weiterbringen, wie es zehn Tage in Frankreich zwischendrin garantiert nicht können. Und davon profitiert dann auch das Unternehmen und das Team.

Wann es Zeit ist für eine Pause vom Alltag

Die Motivation für eine solche Auszeit kann sehr unterschiedlich sein. Xing-Chef Thomas Vollmoeller, der sich 2016 ein dreimonatiges Sabbatical genommen hat, erklärt seine Beweggründe folgendermaßen:

„Ich will mich bewusst für einen begrenzten Zeitraum aus dem Tagesgeschäft herausziehen. Zeit mit meinen Lieben verbringen. Reisen und neue Eindrücke gewinnen. Dem Teil des Lebens Raum geben, der im Alltag fast immer zu kurz kommt. Nachzudenken, Bücher zu lesen, Abstand zu bekommen, Vertrautes aus der Distanz neu zu betrachten, sich selbst zu hinterfragen, eine andere Sicht auf die Dinge zu entwickeln – oder auch mal einen Text wie diesen hier zu schreiben (was ich übrigens am Tisch eines Cafés in Sydney tue).“

Zufriedenheit und das Gefühl, nicht mehr das eigene Leben zu verpassen, sind schließlich ziemlich gute Gründe für eine Auszeit. Manchmal ist man aber auch schon einen Schritt weiter, wie David Noël, der insgesamt acht Jahre bei SoundCloud gearbeitet hat, und sich nach sechs Jahren für ein Sabbatical entschied, erzählte in einem Interview:

„Ich war schon an dem Punkt, an dem ich gesagt habe: Ich kann nicht mehr. Und der einzige Ausweg wäre für mich gewesen zu kündigen – nach sechs Jahren im Unternehmen. Ich wusste, egal was ich mache, ich brauche eine Pause.“

Mehr Selbstbewusstsein, weniger Stress

Wer Angst hat, man ließe damit das Unternehmen und seine Kolleg*innen im Stich, kann sich von dem Gedanken beruhigt verabschieden. Denn Untersuchungen, wie Harvard Business Review berichtete, zeigen deutlich: Wer ein Sabbatical macht, kommt meist mit vielen neuen Ideen, mit einem gestärkten Selbstbewusstsein, einem größeren Reflexionsvermögen und einer Ausgeglichenheit zurück, von der das Unternehmen nur profitieren kann. Worauf also noch warten?

[Außerdem bei ze.tt: So macht ihr eine Job-Auszeit, ohne danach in ein Loch zu fallen]

Inspiriert von Tamara Schwartings Text für Forbes, haben wir hier vier erste Schritte zusammengefasst, die dir bei der Planung und Durchführung deines eigenen Sabbaticals helfen können:

1. Finde Antworten auf die W-Fragen

Bevor du mit deinem Anliegen auf deine Vorgesetzten zugehst, solltest du dir folgende Fragen stellen:

  1. Was ist der Auslöser für meinen Wunsch, eine längere Auszeit nehmen zu wollen?
  2. Was erhoffst du dir durch das Sabbatical zu erreichen beziehungsweise zu verändern?
  3. Und was ist deine Idee, wie du dein Sabbatical finanzieren willst und kannst?

Sprich dazu mit Leuten, die bereits ein oder mehrere Sabbaticals hinter sich haben – wenn du selbst keine Erfahrenen in deinem Umfeld hast, wirst du bestimmt in Foren oder Facebookgruppen fündig. Wenn du dir selbst über das Warum, Wann, Wie und Mit-welchem-Ziel im Klaren bist, kannst du deine Vorgesetzten auch leichter von deinen Argumenten überzeugen.

2. Plane deine Auszeit lange genug im Voraus

Gut möglich, dass die Phase der Planung letztlich länger dauern wird als deine Auszeit selbst, aber du weißt ja: Planung ist alles.

  1. Plane, was du in deinem Sabbatical machen willst, um dein im ersten Schritt definiertes Ziel zu erreichen.
  2. Sprich regelmäßig mit deinen Vorgesetzten, um auch alle bürokratischen Details zu klären, die Rahmenbedingungen klar zu haben und das auch schriftlich zu fixieren. Etwa, was die Sozialversicherung angeht, die nur für vier Wochen weiterhin von deinem Unternehmen gezahlt wird.
  3. Aber vor allem: Sprich mit deinen Kolleg*innen über dein anstehendes Sabbatical, schließlich sind sie diejenigen, die dein Fehlen ausgleichen werden, sollte deine Position in der Zeit nicht ersetzt werden. Daher ist es wichtig, sie von Anfang an über dein Vorhaben zu informieren, ihnen deine Beweggründe zu erklären und gemeinsam zu überlegen, wer welche deiner Aufgaben solange übernehmen kann.

3. Juhu, genieß deine freie Zeit – und nutze sie

So, willkommen in deinem Sabbatical! Jetzt ist es an der Zeit, Schritt eins und zwei zur Wirklichkeit zu machen. Auch wenn mal etwas schiefgehen oder nicht ganz so verlaufen wie du es dir vorgestellt hast, behalte die Ruhe und genieß deine Situation in vollen Zügen.

Vielleicht hilft es dir ja, eine Art Tagebuch zu führen, in dem du deine Gefühle, Erkenntnisse und Erfahrungen festhältst. Zeit hättest du jetzt jedenfalls dafür.

4. Lass andere an deinen Erfahrungen teilhaben

Wenn du aus deinem Sabbatical zurück bist, wirst du vermutlich mit Fragen bombardiert werden – vor allem dann, wenn du die erste Person in deinem Unternehmen bist, die sich eine längere Auszeit genommen hat. Jetzt kannst du sie an deiner Erfahrung teilhaben lassen, vielleicht startest du ja auch einen Blog oder eröffnest eine eigene Facebookgruppe. Schließlich wissen wir alle, wie sehr es bei neuen Abenteuern helfen kann, eine*n erfahrene*n Ansprechpartner*in zu haben.

Solltest du also an den Punkt kommen, an dem du schon über eine Kündigung nachdenkst – nicht, weil du in dem Unternehmen grundsätzlich unglücklich bist, sondern weil du so nicht länger weitermachen kannst oder eine Auszeit brauchst, die über einen klassischen Urlaub hinausgeht: Rede mit deinen Vorgesetzten. Wir sind alle nur Menschen und auch deine Chef*innen werden dieses Gefühl mit Sicherheit irgendwann schon mal gehabt haben. Sei ehrlich, offen und hab deine Argumente parat, dann wird sich garantiert eine Lösung finden.


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