Warum es keine gute Idee ist, einen Ventilator zu benutzen

Leider ist ein Ventilator nicht die beste Lösung gegen diese Affenhitze. Er kann sogar gefährlich werden.

Warum es keine gute Idee ist, einen Ventilator zu benutzen

Bakterienschleuder Foto: Michal Kulesza / Unsplash | CC0

Deutschland glüht. Bei Temperaturen von über 35 Grad ist es für urlaubslose Menschen nicht leicht, durch den Tag zu kommen. Die Kleidung klebt am feuchten Körper, jede Bewegung kostet einen Schweißtropfen, die Nächte sind von hitzigem Hin- und Herwälzen dominiert. Und so lange dein*e Vorgesetzte*r kein offizielles Hitzefrei beschließt, musst du auch die stehende Luft im Büro ertragen.

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Kein Wunder also, dass wir gerade heiß auf Ventilatoren sind. Oh ja, so gut fühlt sich die kühle Luft an, die sie uns ins Gesicht blasen. Wir lassen uns beim Arbeiten bewinden oder richten sie zu Hause auf unser Bett, um die Hitze wenigstens in der Nacht ein bisschen zu vertreiben. Klingt gut, scheint auch zu funktionieren, ist aber eigentlich keine so kluge Idee. Bei mehr als 30 Grad zum Ventilator zu greifen, kann sogar zum Gesundheitsrisiko werden.

Böser Ventilator

  • Ein Ventilator kühlt nicht Luft, sondern beschleunigt sie. Er funktioniert, indem er Luft am Körper vorbeibläst und damit das Schwitzen und die Wärmeabgabe an die Luft über die Haut erleichtert. Vor allem für ältere Menschen kann das ein Risiko sein, wenn sie deshalb mehr schwitzen und gleichzeitig nicht genügend Flüssigkeit zu sich nehmen.
  • Die durch den Ventilator beschleunigte Luft wirbelt Staub und Pollen auf. Sie fegen in unser Gesicht, wir atmen sie ein. Das verstopft die Atemwege und reizt die Nebenhöhlen. Vor allem für Menschen mit Allergien, Asthma und Heuschnupfen ist das ein Problem.
  • Im Sommer sind viele Menschen erkältet. Das liegt zum Teil daran, dass sie sich einem permanenten Luftzug aussetzen. Wenn die Luft des Ventilators auf den Hals trifft, senkt sie die Temperatur der Rachenschleimhaut und Viren, die dort sitzen, haben bessere Lebensbedingungen. Eine Erkältung ist dann selbst bei 35 Grad nicht mehr abwegig, erklärt Klimaärztin Angela Schuh gegenüber Spiegel Online.
  • Zugluft trocknet die Augen aus. Trockene Augen sind besonders reizbar, sie jucken und beißen. Vor allem Kontaktlinsenträger*innen sind davon betroffen. Wer trockene Augen hat, glaubt oft, besonders müde zu sein. Dabei steckt diese Müdigkeit bloß in den Augen.
  • Weil unserer Temperatursinn laut Schuh nicht auf Zugluft reagiert, können Muskelverspannungen die Folge sein. Wenn ein Ventilator permanent eine Stelle auf dem Rücken anweht, kühlen die darunter liegenden Muskel aus und der Körper lässt als Gegenreaktionen die Muskulatur verspannen.

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Ein Ventilator ist nicht der Teufel

Der Ventilator selbst ist kein Produkt aus der Hölle. Vor der in Südkorea verbreiteten Sage über den Ventilatorentod, nach der man wegen eines über Nacht laufenden Ventilators sterben könne (durch Erstickung, Vergiftung oder Unterkühlung), müssen wir keine Angst haben. Manche Menschen reagieren bloß empfindlicher auf Zugluft als andere, sie werden leichter krank. Ventilatoren sind dafür gedacht, kurzzeitig und in genügendem Abstand verwendet zu werden. Richtig eingesetzt können sie ein Gefühl von Frische vermitteln, zumal das monotone Laufgeräusch auf viele Menschen auch beruhigend wirkt. Egal, wofür man sich entscheidet: Bloß nicht vergessen zu trinken!


Transparenzhinweis: In einer früheren Version des Textes hieß es, dass Schwitzen entgiften würde. Das ist wissenschaftlich nicht belegt. „Schweiß besteht zu 99 Prozent aus Wasser. Der Rest setzt sich aus Salzen, Aminosäuren sowie geringe Mengen Harnstoff und Fettsäuren zusammen – aber nicht aus Giften“, erklärt Martin Schaller, Dermatologe an der Uniklinik Tübingen gegenüber Stern.de.