Warum es richtig ist, dass eine niederländische Uni nur noch Frauen einstellt

Die Technische Universität Eindhoven wird in Zukunft alle Stellen, die frei werden, mit Frauen besetzen. Damit setzt sie ein wichtiges Zeichen für die Gleichberechtigung. Ein Kommentar

Universität-Eindhoven-Parität-Feminismus-Gleichberechtigung

Die Zukunft der Universität Eindhoven ist weiblich. Foto: Amplitude Magazin / Unsplash | CC0

Eine 100-Prozent-Frauenquote? Klingt nach einem erfrischend radikalen Ansatz zur Überwindung ungleicher Geschlechterverhältnisse. Genau den verfolgt die Technische Universität Eindhoven in den Niederlanden seit Anfang Juli 2019. Hier möchte man in den nächsten fünf Jahren alle frei werdenden Stellen mit Frauen besetzen. Sollte sich nach sechs Monaten keine für die Stelle finden, bekommen auch Männer die Chance, sich zu bewerben.

Eine gute Nachricht für alle Niederländerinnen in den MINT-Bereichen. Endlich packt mal jemand die Sache richtig an. Doch nicht bei allen kommt die Maßnahme gut an. Vielleicht wurde in diesen Fällen etwas missverstanden? Für alle, die jetzt beginnen zu hyperventilieren, kann man Entwarnung geben: Es geht nicht darum, nur noch Frauen an der Universität zu beschäftigen und alle Männer zu feuern. Sondern einen Ausgleich zu schaffen, der sonst Jahrzehnte dauern würde. Die Weltherrschaft der Frauen ist also auch mit dieser Maßnahme noch weit entfernt. Oder geht es hierbei am Ende etwa um Bestrafung?

Verängstigte Männer

Dieser Gedanke treibt Christian Weber, Autor der Süddeutschen Zeitung, tatsächlich um. Er schreibt, dass die 100-Prozentquote „Männer der Gegenwart für die Fehler der Vergangenheit“ bestraft. Eine merkwürdige Deutung, wenn es doch schlicht darum geht, eine Chancengleichheit der Geschlechter herzustellen. Und darum, dass das bisherige System korrigiert wird, von dem bislang vor allem Männer profitierten – und das nun aufgebrochen werden soll. Das scheint ein beängstigender Gedanke zu sein.

Statt sich über die Uni zu ärgern, sollte man den Vorstoß loben. Denn hier wird eingesehen, dass sich mit freiwillige Quoten wie bisher in Deutschland nichts erreicht lässt. Im Fall der TU Eindhoven kann sich niemand mehr hinter Ausreden verstecken. Frauen können nicht mehr übergangen werden, nur weil sie sich wie auf magische Weise nicht bewarben oder einfach kein Interesse hätten, wie es immer so schön heißt. Wie es zu den 100 Prozent kam? Das kommentiert Frank Baaijens, Rektor der TU Eindhoven, in einem Interview mit dem Spiegel schlicht damit:  „Alle Maßnahmen haben gar nicht oder nur zu langsam gewirkt. Deshalb brauchen wir eine neue Lösung.“

Diese Maßnahme macht Hoffnung

Richtig so. Denn wie man auch in Deutschland sehen kann, ändert sich ohne radikale Ansätze herzlich wenig. Das bayerische Landesamt für Statistik gibt an, dass sich der Anteil von weiblichen Professorinnen im Vergleich zum vergangenen Jahr um nur 0,6 Prozent gesteigert hat. Rechnet man das hoch, so kann es noch 50 Jahre bis zur Gleichstellung dauern. Parität in der Wissenschaft sieht anders aus.

Ob die Maßnahme erfolgreich ist, wird sich in eineinhalb Jahren zeigen. Dann möchte die TU Eindhoven sie überprüfen und bewerten. Bis es soweit ist, inspiriert sie vielleicht jetzt schon andere Universitäten oder Unternehmen dazu, sich auch abseits von politischen Maßnahmen mit Gleichstellung zu beschäftigen. Die TU Eindhoven gibt einen Impuls, über den hoffentlich viele nachdenken werden: Wofür stehen wir als Unternehmen? Wo haben wir noch andere blinde Flecken? Schließlich ist eine Geschlechterparität erst der Anfang, um ein wirklich diverses Unternehmen zu sein.

Die Maßnahmen der Universität lassen darauf hoffen, dass sich wirklich etwas verändern könnte. Vielleicht müssen Frauen doch kein halbes Jahrhundert warten, bis sie die gleichen Chancen bekommen wie Männer. Mit ihrer 100-Prozent-Quote setzt die TU Eindhoven ein starkes Zeichen: Wer Veränderung will, muss handeln, statt nur zu reden.


Von Denise Ott auf EDITION F.

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