Warum es sich lohnt, in Kirchen nach oben zu schauen

Religion hin oder her, aus architektonischer Sicht sind Kirchen und Kathedralen beeindruckend. Fotograf Peter Li zeigt, warum.

Architektur ist Teil der Menschheitsgeschichte. Über Jahrtausende und einzelne Stilepochen hinweg entwickelte sie sich gemeinsam mit dem Menschen weiter. Immer war sie expliziter Ausdruck eines Kulturkreises, oft abhängig von den jeweiligen religiösen Überzeugungen, technischen Entwicklungen und klimatischen Verhältnissen.

Wenige Gebäude zeigen das so gut wie Kirchen und Kathedralen. Seit Jahrhunderten stehen sie in unseren Städten und erinnern an eine vergangene Zeit. Peter Li, Fotograf aus London, hatte immer schon ein Faible für die architektonischen Besonderheiten von Kirchen. „Diese spezielle Art von Handwerkskunst und Dekor existiert in anderen zeitgenössischen Architekturforen kaum noch“, sagt er. Daher liebt es Li, in Kirchen und Kathedralen zu fotografieren. Die ornamentalen Ausschmückungen, die meist steinernen, aber immer prachtaufwendigen Stilelemente und Musterungen beeindrucken ihn. Vor allem an den Decken. Wenn Li also eine Kirche betritt, dann meist mit erhobenem Kopf. „Wenn ich nach oben schaue, fühle ich mich beinahe in eine andere Welt versetzt.“

Dass Kirchengewölbe und -decken dieses Gefühl vermitteln, ist kein Zufall. Seit Jahrhunderten gelten sie für gläubige Menschen als Abbild für Himmel und Paradies und wurden von den damaligen Baumeister*innen entsprechend pompös gestaltet. Um dieses weltferne Gefühl auch in seinen Fotos zu vermitteln, schießt Li von den Kirchendecken Panoramafotos. Das ermöglicht es ihm, mit der Wahrnehmung der Betrachter*innen zu spielen und fast schon kaleidoskopartige Muster zu erzeugen. Daher beschreibt der 37-Jährige seine Arbeit auch als „zwischen Realismus und Fantasie fließend“.

Er hofft, damit auch den Betrachter*innen seiner Fotos einen kurzen Moment in einer Fantasiewelt zu ermöglichen. Li empfielt daher, zu Hause wie auch auf Reisen immer Kirchen zu besuchen und vor allem ihre Decken und Gewölbe näher zu betrachten. Für einen Abstecher in eine andere Welt bräuchte es nämlich weder architektonisches Verständnis noch eine religiöse Überzeugung.

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