Warum es Tampons und Co. endlich kostenlos geben sollte

Werden die Preise für Periodenprodukte nun trotz Steuersenkung erhöht oder nicht? Fest steht: Der Zugang zu Artikeln wie Tampons und Binden muss einfacher werden. Ein Kommentar

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Tampons kosten immer noch zu viel. Foto: Josefin / Unsplash | CC0

Dass sie ihre Periode bekommen, können sich Menstruierende nicht aussuchen. Trotzdem geben sie im Jahr mehrere hundert Euro für Tampons, Binden und Menstruationstassen und weitere Dinge, die sie für ihre Periode brauchen, aus. Seit Anfang des Jahres zahlen sie in Deutschland zumindest keine 19 Prozent Mehrwertsteuer mehr auf Periodenprodukte. Diese sind nun nur noch mit den ermäßigten sieben Prozent besteuert, die für wichtige Güter des täglichen Bedarfs vorgesehen sind. Endlich sind wir in Sachen gender pricing der Gleichberechtigung einen kleinen Schritt näher. Und trotzdem fühlt es sich nur wie ein Teilsieg an. Ein Teilsieg, der jetzt sogar schon wieder bedroht scheint.

Steuer gesenkt, Preise erhöht?

Denn in den vergangenen Tagen kursierte die Meldung, dass die Hersteller*innen ihre Preise teilweise wieder erhöhen wollen. Als Grundlage diente ein Artikel der Lebensmittelzeitung. Darin heißt es recht schwammig, dass „in der Branche“ und in „gut informierten Kreisen“ von Erhöhungen im zweistelligen Prozentbereich die Rede sei. So soll unter anderem der ob-Hersteller Johnson & Johnson höhere Abgabepreise planen, begründet mit einer verbesserten Qualität der Produkte. Der Tagesspiegel berichtet ebenfalls von Preiserhöhungen pünktlich zur Steuersenkung und zitiert die Supermarktkette Kaufland: „Auch wir haben Preiserhöhungen für Monatshygieneprodukte erhalten.“ Man wolle diese nicht akzeptieren und sei in Verhandlungen. Auch die Handelsketten dm und Rewe betonten, die Preise würden nicht erhöht.

Ist es also nur ein Gerücht? Der Nachrichtenagentur dpa gegenüber bekräftigte Johnson & Johnson, keine Preiserhöhungen zu planen. Dem schloss sich der Always-Hersteller Procter & Gamble an und sagte, in den Monaten vor der Mehrwertsteuerumstellung ebenfalls keine Preisänderung vorgenommen zu haben.

Was an der Meldung dran ist, wird sich also erst in Zukunft zeigen. Nichtsdestotrotz spiegelt auch diese Debatte wider, was immer noch falsch läuft: Das Verständnis dafür, was Periodenprodukte sind und wer sie benutzt. Niemand sucht sich aus, zu menstruieren. Die Periode ist unausweichlich. Dem Körper ist egal, ob du finanziell gut oder schlecht aufgestellt bist.

Schafft die Steuer doch ganz ab

Dank einer erfolgreichen Petition im vergangenen Jahr werden Tampons und Co. zumindest nicht mehr besteuert wie Trüffel oder Lachskaviar. Die Senkung der Mehrwertsteuer ist ein netter Move, aber eben nur ein Anfang. Länder wie Kanada, Schottland und Indien haben die Steuer auf Periodenartikel bereits ganz abgeschafft. Da sollten wir hinkommen. Oder noch besser: Tampons und Co. für bestimmte Bevölkerungsgruppen direkt kostenlos zugänglich machen. Für Schüler*innen und Studierende, Geringverdiener*innen, sozial schwache und obdachlose Menschen. Viele Menstruierende können sich aktuell keine Periodenprodukte leisten. Stichwort: Periodenarmut.

In England können staatliche Schulen und Colleges seit Kurzem kostenfreie Periodenprodukte bestellen. Damit soll vor allem Kindern aus finanzschwachen Verhältnissen geholfen werden. Sie sollen keine Schulstunde mehr verpassen, weil ihnen Tampons, Binden oder Menstruationstassen fehlen. Auch in Schottland gibt es bereits ein ähnliches System. Können wir in Deutschland da bitte nachziehen? Und am besten gleich noch größer denken. Denn nicht nur in der Schule, sondern auch in anderen öffentlichen Einrichtungen wäre das wünschenswert, wie einige deutsche Politiker*innen es bereits fordern.

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