Warum Freibäder Schmelztiegel der Gesellschaft sind

In Freibädern treffen Menschen mit den unterschiedlichsten Hintergründen aufeinander, die eines vereint: der Spaß an der Abkühlung.

Wenn die Sonne vom Himmel brennt, haben es die Stadtbewohner*innen schwer. Umgeben von zu viel Beton, zu vielen Autos und zu vielen schwitzenden Menschen plagen sie sich durch ihren Alltag. Hin zur Arbeit, womöglich noch in offiziellem Outfit, Aufgaben erfüllen, Termine wahrnehmen, Besorgungen erledigen, im Hinterkopf ständig das lechzende Bedürfnis nach Abkühlung. Hitze macht die Tage träge und die Nächte rastlos.

Kühle Nässe bietet zumindest kurzfristig Erleichterung. Wer nicht über den Luxus eines eigenes Pools verfügt, wem eine kalte Dusche zu wenig hilft, wem schlicht zu heiß für die Anreise zum nächstgelegenen See ist, der begnügt sich mit dem Besuch eines Freibads. Dort gibt es zu den Becken auch einzigartige Begegnungen als Bonus obendrauf. Mit Menschen, die man sonst in seinem Alltag wohl nicht treffen würde. Öffentliche Frei- und Schwimmbäder sind kleine Soziotope, gefüllt mit Menschen verschiedener Milieus, Kulturen und Lebensweisen, allesamt für einen kurzen Zeitraum vereint durch das gemeinsame Verlangen nach Abkühlung. Mitten in der Stadt erfüllen sich so die unterschiedlichsten Menschen ihren Wunsch nach Auszeit von den erhitzenden Alltagspflichten.

Im Schwimmbad erfährt man eine besondere Freiheit

Gregg Segal widmet sein Projekt The Public Pool dieser ganz besonderen Schwimmbadkultur. Der US-amerikanische Fotograf, der laut eigener Aussage mit der „Sensibilität eines Soziologen“ arbeitet, schießt nicht nur Porträts von Badegästen, sondern fängt auch die typisch-eigenartige Stimmung in öffentlichen Bädern ein: diese Mischung aus privater Freizeit und Massenveranstaltung, das suggerierte Urlaubsgefühl bei gleichzeitigem Wissen, dass ringsum der Autolärm der Großstadt tobt.

„In unserer zunehmend polarisierten Gesellschaft vermischen wir uns selten mit Menschen außerhalb unseres unmittelbaren Kreises und ziehen es vor, uns mit vertrauten Gesichtern in unseren Social-Media-Echokammern zu umgeben“, sagt Segal. Öffentliche Institutionen wie Schwimmbäder seien daher wichtig, um Gemeinsamkeiten zu bewahren. Denn es seien Orte, an denen alle willkommen und Labels irrelevant seien. In Schwimmbädern finde sich ein Querschnitt der Gesellschaft.

Seine Fotos schoss Segal alle in den USA. Er reiste von Bundestaat zu Bundesstaat und fotografierte Hunderte Badegäste in Dutzenden Schwimmbädern. Er beschreibt sie als Schmelztiegel zwischen Integration und Gentrifizierung, als unverzichtbaren Zufluchtsort. Damit feiert er öffentliche Bäder als die kleinen Paradiese der Großstadt, in denen sich Menschen jenseits ihrer politischen und sozialen Grenzen bewegen. Denn in der Schlange zum Sprungbrett, zum Pommesstand oder zur Wasserrutsche müssen sie alle stehen.