Warum ihr als Paar unbedingt über Geld sprechen solltet

Wie man mit Geld umgeht, ist selten Thema in Beziehungen, kann aber zum ernsten Problem werden. Paare berichten und ein Paarberater gibt Tipps für das Gespräch über Geld.

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"Hast du Geld dabei?" Foto: Tanya Trofymchuk / Unsplash | CC0

Sirena* und Max* möchten ihre Erfahrungen im Umgang mit Geld als Paar zwar teilen, aber eben anonym. „Zu persönlich“ sei das Thema. Mit dieser Meinung sind die beiden nicht allein, denn nur wenige Menschen sprechen öffentlich über finanzielle Dynamiken in ihrem Leben, ob in einer Beziehung oder nicht.

Dabei ist es gerade für eine Beziehung besonders wichtig, offen über Finanzen zu sprechen. Das finden Sirena und Max auch. Geld ist bei ihnen beinahe wöchentlich Thema. „Wenn einer von uns mal wieder kein Bargeld in der Tasche hat“, sagt Max. Dann leihen sie sich gegenseitig etwas, ohne dies zu dokumentieren – und ohne das Geld tatsächlich zurückzuzahlen. „Außer wenn es sich um mehrere Hundert Euro handelt“, sagt Sirena. Seit sieben Jahren sind die beiden zusammen, drei davon verheiratet. Er arbeitet als technischer Projektleiter, sie ist Masterandin bei einem staatlichen Unternehmen. Das Paar fordert von sich gegenseitige Offenheit, was den Umgang mit Geld angeht.

„Die laufenden Ausgaben betreffen ja wiederum gemeinsame, zukünftige Unternehmungen wie beispielsweise Reisen. Geld für ein teures Auto, viele Schuhe oder übermäßig viel Alkohol auszugeben, wäre ein Abturner“, findet Max, und Sirena nickt zustimmend. Doch längst nicht alle Paare tauschen sich diesbezüglich mit ihrem*r Partner*in über Geld so aus wie Sirena und Max. Das ist das Ergebnis einer Studie, für welche die Datingplattform ElitePartner mehr als 9.000 in Deutschland lebende Internetnutzer*innen im Alter zwischen 18 und 69 Jahren befragt hat. Mehr Paare sprechen über sexuelle Wünsche als über Geld. „Inzwischen stehen Partner*innen mehr Begriffe für das Reden über Sex zur Verfügung als für das Reden über Geld“, erklärt der Paarberater Michael Mary.

Dein Geld, deine Entscheidung

Trotz allen Einklangs haben auch Max und Sirena Punkte, an denen ihre Vorstellungen vom Umgang mit Geld auseinandergehen. „Sirena neigt generell dazu, viel zu große Geschenke zu machen“, findet Max. Sirena hingegen würde nie eine risikoreiche Investition tätigen. „Deshalb ist es gut, wenn jeder auch sein Geld hat, um sich Dinge leisten zu können, die der oder die andere nicht unterstützt“, findet Sirena.

Greifen Sie das Thema auf und fechten es aus! Wenn die Beziehung das nicht aushält, taugt sie ohnehin nicht viel.

Paarberater Michael Mary

So besitzen beide ihr eigenes Konto, von dem sie auch Ausgaben wie Miete und andere Fixkosten begleichen. Andere Kosten teilen sie grob untereinander auf. Max übernimmt die Versicherungen, Sirena dagegen Telefon und Internet sowie Einrichtungsgegenstände wie das Gästebett. „Für das Zusammenleben sollten die Kosten entsprechend der Einnahmen verteilt werden. Wer mehr verdient, übernimmt auch mehr Ausgaben“, sagen die beiden. Eine andere Möglichkeit, die Paare mit gemeinsamer Wohnung nutzen können, ist das Drei-Konten-Modell. In diesem Szenario überweist jede*r Partner*in das volle Gehalt auf ein Konto. Von diesem werden die Ausgaben wie die Miete und Lebensmitteleinkäufe gezahlt. Am Ende bleibt nach Abzug aller gemeinsamer Kosten Betrag X, der je zur Hälfte auf die privaten Konten der Partner*innen überwiesen wird.

Nicht reden gefährdet die Beziehung

Ob Geld zum Konfliktthema wird, hängt vor allem damit zusammen, wie gut Paare kommunizieren. „Es kommt auf die vermeintliche Vereinbarung an, die getroffen wurde. Vermeintlich sage ich, weil jeder etwas Bestimmtes gemeint hat und nicht geklärt wurde, ob beide das gleiche meinen“, sagt Paarberater Mary.

Ein klassisches Beispiel für so eine Situation ist die folgende: Eine Person in einer Paarbeziehung verdient weniger als die andere. Letztere möchte dennoch nicht auf den teuren Strandurlaub verzichten. Sie bietet kurzerhand an, den finanziellen Mehraufwand für die andere Person zu übernehmen. Bei der nächsten Diskussion über das ungewaschene Geschirr wird allerdings dieses Entgegenkommen auf einmal zum Totschlagargument: Ich habe ja den großen Teil des Urlaubs gezahlt, da kannst du doch mal den Abwasch machen! Und fertig ist der hausgemachte Streit.

Diese können auch im Kleinen entstehen, beispielsweise wenn im Café immer nur dieselbe Person zahlt, jemand allein kostspielige Hobbys betreibt oder nur eine*r die Reisekosten einer Fernbeziehung trägt. Denn die vermeintlich beschenkte Person freut sich zuerst über die Großzügigkeit und Liebe des Partners oder der Partnerin. Sie empfindet die Urlaubsfinanzspritze oder die großzügigen Kaffeeeinladungen als emotionales Geschenk. Mit der indirekten Forderung nach beispielsweise der Übernahme von mehr Hausarbeit tritt eine Kränkung auf emotionaler Ebene ein.

„Der Partner oder die Partnerin hat es als Geschenk deklariert, in Wirklichkeit aber eine Gegenleistung erwartet“, sagt Mary. Im schlimmsten Fall können diese Konflikte zur Trennung führen: weil die Gefühle einer oder beider Personen zu sehr verletzt wurden, weil sich ähnliche Situationen häufen und klärende Gespräche ausbleiben. Emotionale Verletzungen zu glätten, kann dauern und fordert von beiden Partner*innen aufmerksames Agieren. In manchen Fällen können die verursachten Schäden auch irreparabel sein, sodass die Möglichkeiten, sich in Sachen Geld anzunähern, mit Vorbehalten belastet oder gar völlig verbaut sind. Dass in Konflikten über Geld die Vermischung von Ebenen stattfindet, erkennen die Konfliktbeteiligten oft spät oder gar nicht.

„Wenn es um partnerschaftliche Bereiche der Beziehung geht – also um gegenseitige Verpflichtungen –, muss man schriftliche Verträge schließen. Wenn es um freundschaftliche Aspekte der Paarliebe geht, muss man sich gegenseitig an Ressourcen – egal ob materiell oder immateriell – teilhaben lassen. Wenn es um emotionale Aspekte der Beziehung geht, muss man sich gegenseitig Geschenke machen, und zwar bedingungslos“, sagt Mary.

Auf der gleichen Wellenlänge

So richtig in die Haare haben sich Sarah* und Lars* wegen Geld noch nicht bekommen. „Vielleicht weil uns beiden das Thema Geld einfach grundsätzlich nicht so wichtig ist“, vermutet Sarah. Die ElitePartner-Studie untermauert das entstehende Bild: Nur zehn Prozent der Befragten gaben an, regelmäßig über Geld zu streiten; 18 Prozent tun es hin und wieder. Neun Monate sind Sarah und Lars ein Paar, sie arbeitet im Bildungswesen, er ist Tätowierer.

Sie wohnen getrennt, und über Geld sprechen sie nicht wirklich oft, außer es stehen akute Probleme oder Sorgen an. Was der oder die andere jeweils verdient, wissen sie dennoch. „Lars kann mit unglaublich wenig Geld auskommen“, sagt Sarah. „Wohingegen Sarah super schlecht mit Geld umgehen kann und nicht in der Lage ist, zu sparen“, findet Lars. Während er kein Geld für Wohnungsdeko ausgeben würde, gibt Sarah kein Geld für Junk Food aus. Jede*r hat ein eigenes Konto und verwaltet dieses selbstständig. „Meistens kaufe ich nach der Arbeit ein, da Lars in der Regel immer zu mir kommt. Er bringt dafür Schokolade mit“, sagt Sarah.

So können Paare entspannt über Geld sprechen

Damit das Thema Geld nicht zum Problem wird, sollte es bewusst thematisiert werden, nicht erst, wenn es sich ergibt. „Geld ist nicht alles im Leben, aber solltet ihr finanzielle Probleme haben, sprecht unbedingt mit eurem Partner oder eurer Partnerin darüber. Eine offene Kommunikation ist super wichtig, um eine solide Beziehung auf Augenhöhe führen zu können“, sagen Sarah und Lars. Darüber hinaus sollten Partner*innen sich vergewissern, dass beide die gleichen Erwartungen und Voraussetzungen an beispielsweise eine hohe Ausgabe knüpfen.

Michael Mary legt Partner*innen nahe, sich mit den verschiedenen Ebenen zu beschäftigen, die sich in solchen Gesprächen verbergen können. „Sogenanntes Partnergeld muss eingefordert werden, Freundesgeld kann erwartet werden, Liebesgeld kann nur ersehnt werden. Das klingt kompliziert, die Unterscheidung zu begreifen, erfordert vielleicht ein paar Stunden Aufwand“, sagt Mary. Demnach kann

– Partnergeld als Währung für den Austausch von Leistungen bezeichnet werden. Im Mittelpunkt stehen dabei die jeweils eigenen Interessen. Wird über Partnergeld gesprochen, können Verträge geschlossen und die Einhaltung derselben eingefordert werden.

– Freundesgeld hingegen wird für das Wohl des*der Partner*in gegeben. Auch in diesem Bereich ist die Formulierung konkreter Abmachungen (Urlaubsfinanzspritze im Ausgleich für mehr Geschirrspülen) sowie deren Einhaltung möglich.

– Liebesgeld drückt das tiefe Empfinden für den*die Partner*in aus. Abmachungen, Verträge sowie die Forderung deren Einhaltung sind hier fehl am Platz.

Und Paare tun gut daran, sich über Finanzielles auszutauschen. Gespräche über Geld sind eben auch immer ein Stück weit eine Investition in die Langfristigkeit einer Beziehung. So kann das vollständige Schweigen über das Thema nämlich ebenso schwelende Konflikte heraufbeschwören. Beispielsweise wenn ein Paar zusammenzieht und eine*r von beiden den größeren Teil der Miete übernimmt und dieses Entgegenkommen nicht offen angesprochen, sondern als selbstverständlich hingenommen wird.

Missfällt der anderen Person im Laufe der Zeit etwas am gemeinsamen Zusammenleben, kann er*sie sich schnell als finanzieller Gast fühlen, der nicht über das gleiche Stimmrecht verfügt wie der*die Partner*in. Auch in solch nonverbalen Situationen braut sich ein Konflikt zusammen, nur eben leise und meist auch unreflektiert. Deshalb hilft laut Michael Mary am Ende doch nur eins: „Greifen Sie das Thema auf und fechten es aus! Wenn die Beziehung das nicht aushält, taugt sie ohnehin nicht viel.“

* Name geändert