Warum ihr das Remake von „Charmed“ ganz aufmerksam anschauen solltet

Die Neuauflage der 1990er-Kultserie sieht vielversprechend aus. Die Hexen sind diverser und wollen politischer sein. Hoffentlich verfällt die Serie nicht in die Klischees des Originals.

Warum ihr das Remake von Charmed ganz aufmerksam anschauen solltet

Charmed kehrt mit einem neuen Schwesterntrio zurück! Screenshot: The CV Television Network / YouTube

Drei Schwestern kämpfen gegen die Dämonen der Unterwelt – und müssen trotz Hexenkräfte noch irgendwie im Alltag klarkommen. Ende der Neunziger und Anfang der 2000er war Charmed die Kultserie für Fans von Zauberei und Badass-Hexen. Im Herbst kommt eine Neuauflage ins Fernsehen. Der US-Sender The CW hat den Start der ersten Staffel für den 14. Oktober angekündigt. Eine gute Nachricht für Fans: Das Remake soll diverser und politischer werden.

„Es ist eine neue Zeit“, sagte Darstellerin Melonie Diaz in dieser Woche auf der Comic-Con in einem Interview. „Es gibt jetzt soziale Medien, es gibt #MeToo, die Serie wird sich damit beschäftigen.“ Diaz, die die mittlere Schwester spielt, ist Latina, die Darstellerin der Ältesten, Madeleine Mantock, ist schwarz. Außerdem wird es eine lesbische Storyline geben. The CW hat also gemerkt, dass selbst das Remake einer Kultserie nicht mehr so weiß und hetero sein sollte wie das Original.

Die früheren Schauspielerinnen kritisierten das Charmed-Remake

Aber nicht alles, was auf den ersten Blick nach Fortschritt aussieht, ist es auch durch und durch. Die Schauspielerinnen der ursprünglichen Serie jedenfalls waren im Vorfeld alles andere als glücklich über das Remake. Shannen Doherty und Holly Marie Combs ärgerten sich öffentlich, dass ihre Figuren einfach ersetzt werden sollten.

Die neuen zauberhaften Schwestern haben zwar andere Namen, ansonsten sind sie aber ziemlich eng an die Vorbilder angelehnt. Macy, die älteste, beherrscht Telekinese wie Prue. Mel kann wie Piper die Zeit anhalten und Maggie, die jüngste Schwester, liest Gedanken – was Phoebes hellseherischen Fähigkeiten sehr nahe kommt.

Holly Marie Combs (Piper) kritisierte auf Twitter: „Ich weiß nicht, was daran feministisch sein soll, zu sagen, dass die ursprünglichen Schauspielerinnen zu alt sind für einen Job, den sie vor zwölf Jahren gemacht haben.“

Ups, das sitzt. Combs und Kollegin Doherty sind im Großen und Ganzen nicht glücklich damit, dass ihr Charmed durch eine diversere, zeitgemäßere Kopie mit besseren Special-Effects überschrieben werden soll.

Aber an einem Reboot mit über 40-jährigen Hexen hatte The CW offenbar kein Interesse.

Dabei hätte man die Original-Schwestern zusätzlich zu den neuen in das Drehbuch einbauen können. Immerhin sind zwei von ihnen, Alyssa Milano und Rose McGowan, Mit-Initiatorinnen der #MeToo-Bewegung, die für die neue Serie angeblich so wichtig sein soll.

Das Charmed-Original war voller Stereotype

Aber gut, The CW möchte eben eine Generalüberholung. Dann aber hoffentlich auch richtig. Denn so großartig die Serie war, nicht alles war superfortschrittlich im Original-Charmed. Die Schwestern der 190er-Version hingen in Stereotypen fest, die heute schwer zu ertragen wären. Prue war die kühle Karrierefrau, Piper das Mauerblümchen und Phoebe die Naive. Diese engen Rahmen verließen die Figuren nie wirklich.

Das hat damit zu tun, dass damals Serien einmal pro Woche angeschaut wurden. Das Publikum musste sich nach sieben Tagen schnell wieder erinnern können, wofür die Charaktere stehen. Onlinestreaming und Bingewatching erlauben heute komplexere Charakterentwicklungen.

Und dann war da noch Leo. Wenn es ernst wurde, mussten die Schwestern immer ihren männlichen Beschützer-Engel rufen. Leo kam dann herbeigebeamt und erklärte irgendetwas Wichtiges oder heilte jemanden im letzten Moment. Auch in der neuen Version, so viel ist aus dem Trailer schon klar, wird es wieder so einen magischen Erklärbär geben.

Hoffentlich können die neuen Schwestern ihre Probleme ohne ihn lösen. Immerhin geht es in Charmed darum, dass der Zusammenhalt zwischen Schwestern alles Böse besiegt.

Es ist wichtig, dass nicht nur die Besetzung sich ändert und alles andere so bleibt wie bisher. Auch die Figuren müssen den Ansprüchen von 2018 gerecht werden. Die Welt der Magie bietet jede Menge Möglichkeiten, mit Klischees, Stereotype und Geschlechterrollen zu spielen. Das ist nicht zuletzt, was viele Fans an dem Genre schätzen.

[Außerdem auf ze.tt: #MeToo: Es geht um sexuelle Belästigung, nicht um einen Geschlechterkampf]

Es würde auf jeden Fall schon mal helfen, wenn es dieses Mal nicht zu einer Dämonenbaby-Schwangerschaft kommt wie in Staffel vier, als Phoebe vor lauter Hormonen ihre Kräfte nicht mehr kontrollieren kann.

Und ganz nebenbei wäre es auch eine gute Idee, sich vielleicht von den Begriffen weiße und schwarze Magie zu lösen.