Warum ihr es euch zweimal überlegen solltet, eine neue Daunenjacke zu kaufen

Ihr denkt darüber nach, euch eine neue Winterjacke zuzulegen? Dann lest bitte vorher diesen Text.

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Wenn es kalt ist, muss die Jacke sitzen. Foto: Johanna Dahlberg / Unsplash | CC0

Keine Frage, eine gute Winterjacke sollte vor allem warm halten. Besonders mit Daunen gefüllte Jacken und Mäntel haben sich bei kalten Temperaturen bewährt. Auf den ersten Blick bringen Daunen als Füllmaterial alle wichtigen Eigenschaften mit: schön leicht, völlig plastikfrei und leicht abbaubar. Sie sehen aus wie kleine, weiche Schneeflocken, können Luft gut speichern und sorgen so für wohlige Wärme. Außerdem besitzen sie eine hohe Elastizität. Selbst wenn man sie zusammendrückt, finden sie schnell in ihre ursprüngliche Form zurück.

Doch ganz so einfach ist es nicht: Denn Daunen sind das feine Untergefieder von Wasservögeln wie Gänsen und Enten – und damit ein tierisches Produkt, welches häufig alles andere als tierfreundlich gewonnen wird.

Schlachtrupf vs. Lebendrupf

Für eine Jacke wird ungefähr die Daunenmenge von zwanzig Tieren benötigt. Bestenfalls stammen diese Daunen aus dem sogenannten Tod- oder Schlachtrupf. Sie sind damit ein Nebenerzeugnis der Geflügelproduktion und, ähnlich wie Leder, ein Produkt, das bei der Schlachtung sowieso anfällt. Wie die Tiere bis zu diesem Zeitpunkt gelebt haben, kann allerdings ganz unterschiedlich aussehen. Mitunter waren sie bis dahin grausamen Bedingungen ausgesetzt, etwa weil sie zur Produktion von Stopfleber (französisches Foie gras) gemästet, beengt oder ohne Tageslicht gehalten wurden.

Während die Federn und Daunen bei Enten ausschließlich nach der Schlachtung gerupft werden, kommen die Federn von Gänsen auch von lebendigen Tieren. Obwohl der sogenannte Lebendrupf in der EU seit 1999 verboten ist, lässt sich nicht komplett ausschließen, dass in Deutschland verkaufte Daunen so gewonnen wurden. Denn es gibt ein juristisches Schlupfloch: Während der Zeit, in der die Tiere sowieso ihr Gefieder abwerfen, dürfen ihnen die Federn abgestrichen werden, das sogenannte Raufen. Doch Tierschützer*innen kritisieren schon länger, dass sich gerade in großen Betrieben nicht überprüfen lasse, wann welches Tier gerade in der Mauser sei. Sie gehen davon aus, dass auch in Deutschland etwa eine halbe Million Vögel lebend gerupft wird. In den vergangenen Jahren wurde diese Prozedur außerdem mehrfach in ungarischen Betrieben nachgewiesen und auch in China ist sie weit verbreitet. Für die Züchter*innen bedeutet der Lebendrupf mehr Profit, da sie den Gänsen so mehrmals im Jahr die Federn rupfen können.

Die Industrie geht laut Nachhaltigkeitsmagazin Utopia davon aus, dass unter fünf Prozent der Daunen auf dem Markt aus Lebendrupf stammen. Tierschützer*innen und auch die Verbraucherzentrale Hamburg vermuten höhere Zahlen, vor allem, da ein Großteil der Daunen, etwa 70 Prozent, aus Ostasien importiert wird, insbesondere China. 30 Prozent kommen aus Osteuropa, etwa aus der Ukraine, Ungarn, Polen oder Russland. Nur 150 Tonnen werden hierzulande produziert.

Was können die Siegel?

Wer größtmögliche Sicherheit sucht, dass bei der Herstellung auf Lebendrupf und Stopfmast verzichtet wurde, kann sich mittlerweile an diversen Siegeln orientieren. Ein gesetzliches Gütesiegel fehlt allerdings weiterhin.

Responsible Down Standard

So hat The North Face zusammen mit der Non-Profit-Organisation Textile Exchange das Siegel Responsible Down Standard (RDS) entwickelt. Es zertifiziert, dass die Daune einzig aus Schlachtrupf stammt und die Tiere zuvor artgerecht und leidfrei gehalten wurden, was jährlich unangekündigt kontrolliert wird. Es bekommen nur Hersteller, die außerdem keine weitere Daune aus anderen Quellen untergemischt haben. Auch die Marken Berghaus, Sea to Summit, Black Diamond, Vaude und Mammut verwenden RDS-zertifizierte Daune.

Global Traceable Down Standard

Der aktuell strengste Standard in der Daunenindustrie ist laut Deutschem Tierschutzbund der Global Traceable Down Standard, den das Outdoor-Unternehmen Patagonia mit anderen Firmen, Tierschutzorganisationen und NGOs entwickelt hat. Das Siegel garantiert, dass die Daunen weder aus Lebendrupf noch aus Stopfmast stammen, auch die Elterntierfarmen werden – anders als beim RDS – regelmäßig kontrolliert. Auch die Marken Montane und Haglöfs arbeiten mit Global TDS-zertifizierten Daunen.

Down Promise

Das sogenannte Daunenversprechen der schwedischen Outdoor-Marke Fjällräven steht für eine transparente und hundertprozentige Rückverfolgbarkeit der Daune. Auch hier sind Lebendrupf und Stopfmast verboten.

Bei anderen Zertifizierungen gilt es, noch einmal genau hinzuschauen. Häufig bescheinigen sich Marken tierfreundliche Daunenprodukte, was allerdings keine unabhängige Instanz prüft. Das kritisiert auch die Verbraucherzentrale Hamburg. Sie könne derzeit die meisten Bettenhersteller und Modefirmen nicht explizit empfehlen, heißt es auf der Webseite: „Obwohl viele Händler öffentlich behaupten, dass sie keine Daunen aus Lebendrupf und Stopfmast verkaufen, also ’sauber‘ sind, bleiben Beweise und Kontrollen auf den Höfen weiter aus und die Branche beruft sich nach wie vor auf Zertifikate oder Aussagen von Zulieferern.“

Was sind die Alternativen?

Wer nicht ganz auf Daunen verzichten, aber den Markt auch nicht weiter befeuern möchte, kann entweder Second-Hand-Jacken kaufen oder nach Jacken aus recycelten Daunen Ausschau halten. Der H&M-Ableger Arket etwa hat vergangenes Jahr eine Kollektion herausgebracht, für die ausschließlich Daunen aus alten Schlafsäcken und Bettdecken aufgearbeitet wurden. Auch der Outdoor-Hersteller Vaude bietet bereits Jacken mit recycleten Daunen an.

Wer allerdings ganz sichergehen will, dass er*sie mit seiner Winterjacke keine Tierquälerei unterstützt, verzichtet komplett auf Daunenprodukte. Eine Alternative könnten Jacken mit Kapokfüllung (der Kapokbaum wächst wild in den tropischen Zonen Asiens), aus Baumwolle oder mit recyceltem Polyester sein.

Fragen, die man sich beim Kauf von Daunenjacken stellen kann:

  • Gibt es das Produkt auch aus anderem Material?
  • Wenn es Daune sein muss: Ist das Produkt durch eines der bekannten und zuverlässigen Systeme zertifiziert?
  • Wenn nicht: Informiert euch selbst eingängig darüber, woher die Daunen stammen, um Lebendrupf und Stopfmast auszuschließen.