Warum das Meer in der Bretagne seit über 30 Jahren Garfield-Telefone ausspuckt

An Frankreichs Atlantikküste werden seit Jahrzehnten Garfield-Telefone angespült. Das Rätsel darum, woher sie stammen, konnte nun zumindest teilweise gelöst werden.

Garfield Telefone

Seit über dreißig Jahren werden diese Garfield-Telefone an Frankreichs Atlantikküste geschwemmt. Jetzt weiß man, woher sie kommen. Foto: Pixabay; Illustration: Elif Kücük / ze.tt

Auch an diesem Märztag werden wohl wieder Einheimische und Tourist*innen die Gelegenheit für einen Spaziergang nutzen, um am Strand vor der Küste des Iroise-Seegebiets im äußersten Nordwesten Frankreichs frische Seeluft zu schnappen. Dort lässt sich allerhand finden. Statt die Hoffnungen auf den Fund einer geheimnisvollen Flaschenpost oder wenigstens einer Muschel zu legen, konzentrieren sich Hobby-Schatzsuchende in den vergangenen Jahren dabei auf die Lösung eines Rätsels, das nun zumindest in Teilen gelüftet werden konnte. Seit den frühen 1980er-Jahren werden immer wieder Telefone im Look des Comic-Katers Garfield an den Strand der Bretagne gespült.

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Ein typisch steiniger Strand der Bretagne. Foto: Pixabay

Im letzten Jahr waren es über 200 gut erhaltene echte Telefone aus Plastik mit dem Konterfei des gefräßigen Katers, die an dem 27 Kilometer langen Abschnitt zwischen den Orten Plouarzel und Ploumoguer allein von Mitgliedern des lokalen Umweltschutzvereins Ar Viltansoù gesammelt wurden. Insgesamt sammelte die Präsidentin des Vereins, Claire Simonin-Le Meur, im letzten Jahr gemeinsam mit Freiwilligen mehr als zwei Tonnen Müll, die der Atlantik an dieser Stelle immer wieder ausspuckt.

Es war einmal im März

Simonin-Le Meur war es auch, die letztmalig auf das Mysterium der angespülten Garfields aufmerksam machte. Wie die französische Zeitung Le Monde berichtet, meldete sich auf eine von ihr und ihrer Arbeit handelnde Radiosendung René Morvan, ein Landwirt aus Porsmoguer, mit einem Hinweis, der dazu führte, dass das Rätsel zumindest teilweise gelöst werden konnte. Der Mann erzählte ihr, sich an einen stürmischen Märztag irgendwann Anfang der 1980er Jahre zu erinnern, an dem er gleich ein ganzes Dutzend der orangenen Telefone am gesamten Strand verteilt fand. Als sich die See wieder legte, erkundete er gemeinsam mit seinem Bruder die kantigen Küsten des Strandes, und entdeckte dabei eine schwer zugängliche Höhle, in die die Wellen einen Schiffscontainer pressten, der wohl während des Sturms von Bord eines Frachters gegangen sein muss.

Vermisst das wer?

Heute, etwa fünfunddreißig Jahre später, hat das salzige Wasser an mehreren Stellen große Löcher in die dicken Metallwände des Containers gefressen. Doch die orangenen Plastiktelefone waren noch nahezu intakt. Claire Simonin-Le Meur geleitete eine Gruppe von Journalist*innen in die Höhle, die nur bei Ebbe zu erreichen ist. Steigt das Wasser, spült es jedes Mal ein paar der Garfields zurück ins Meer. Bleibt noch die Frage: Woher stammt der Container? Die Vermutung lag bereits damals nahe, dass die Telefone aus einem Container stammen, der bei stürmischer See von einem Frachtschiff gefallen ist. Das Meer ist hier stark befahren – rund 40.000 Schiffe passieren die Route heute pro Jahr.

Die Rechte an Garfield, der ursprünglich der Feder des US-amerikanischen Comiczeichners Jim Davis entstammt, hält das Unternehmen Paws. Damals war Garfield um die sechs Jahre alt und äußerst populär. Logisch, dass es auch allerhand Merchandise mit dem Lasagne liebenden Kater gab, das rund um den Globus verschifft wurde. Doch während die Wirtschaftsorganisation World Shipping Council die Zahl der jährlich verloren gegangenen Container zwischen 2014 und 2016 weltweit auf durchschnittlich etwa 700 schätzt, will Paws, das auch für den Vertrieb der orangenen Telefone verantwortlich war, nichts von einer verloren gegangenen Ladung wissen. Ein Sprecher sagte dem Sender France Info, er habe keine Kenntnis von einem Schiffbruch mit Garfield-Fracht. Das Telefon selbst werde seit den 1980er-Jahren nicht mehr hergestellt.

Die Garfield-Telefone werden wohl jahrhundertelang ihre Spuren hinterlassen

Präsidentin Claire Simonin-Le Meur von Ar Viltansoù befürchtet, dass der Container mit dem durchaus sympathischen Comic-Kater-Inhalt nicht der einzige ist, der sich in den zahllosen Grotten und Höhlen entlang der Bretagneküste gequetscht hat. „Wenn man sich die Karte der Strömungen und die Lokalisation von manchen Stränden anschaut, wo Garfield-Telefone gefunden werden, kann man sich schon die Frage stellen, ob man überhaupt wissen kann, dass es nicht noch mehr als einen Container gibt, der gestrandet ist“, sagte sie gegenüber France Info. Fabien Boileau, Direktor des umliegenden Parc Marin d’Iroise, warnt: „Das ist Abfall, der über 30 Jahre alt ist und wir finden Teile, die quasi neu sind. Wenn wir vom Abbau von Plastik sprechen, gibt es da einen Teil, der sich in Mikroplastik verliert, aber es gibt auch noch ganze Teile. Es braucht wirklich Jahre und Jahre, bis das verschwindet.“

Die freiwilligen Helfer*innen bemühen sich nun darum, die Telefone einzusammeln. Doch das gestaltet sich aufgrund des schwer zugänglichen Geländes schwierig. So gern man den drolligen stets leicht schlecht gelaunten Kater Garfield auch mag: Für unser aller Ökosystem sind die Telefone, für die sich bisher niemand verantwortlich zeigt, äußerst schädlich.