Warum „Love, Death & Robots“ optisch spannend, aber inhaltlich katastrophal ist

Love, Death & Robots ist visuell opulent. Wenn die Netflix-Serie allerdings gesellschaftskritisch sein will, geht das meist total daneben. Am schlimmsten ist allerdings das überkommene Frauen- und Männerbild. Eine Kritik

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Love, Death & Robots hält nur selten Lichtblicke für uns bereit. Foto: Netflix

Was würde passieren, wenn ein Joghurt die Weltherrschaft übernähme? Kann ein Putzroboter ein Künstler sein? Wie sehen alternative Tode aus, die Hitler hätte sterben können? Diese merkwürdigen Fragen stellt die Serie Love, Death & Robots, die seit Mitte März auf Netflix zu sehen ist.

18 Folgen nehmen die Zuschauer*innen mit auf einen Ritt durch dystopische Gesellschaftsvisionen, Paralleluniversen und Fantasiewelten. Die Episoden dauern zwischen sechs und 17 Minuten, keine ist wie die andere: Unterschiedliche Studios haben einen Mix aus Real-, Animations- und Zeichentrickfilmen produziert, die sich stilistisch lediglich das gleiche Intro teilen.

Science-Fiction, unser Spiegel der Wahrheit?

Die optische Vielfalt macht Love, Death & Robots einzigartig. Der inhaltliche Mix aus Sci-Fi, Horror und Dramödie ist für Netflix-Nutzer*innen hingegen nichts Neues: Mit der Anthologie-Serie Black Mirror gelang es Netflix bereits, Gesellschaftskritik in ein vielfältiges Unterhaltungsformat zu kleiden. Doch während die Settings in Black Mirror immer realistisch wirkten und man sich als Millenial leicht mit smartphone-süchtigen Figuren identifizieren konnte, gerät der gesellschaftskritische Bezug in Love, Death & Robots immer eine Spur zu abgedreht. Beim Pool-Roboter, der riesige Gemälde entwirft, um sich dann in einer Kunst-Performance im Wasser selbst zu demontieren, fällt das Mitfühlen und -leiden offensichtlich schwer. Der kritische Blick auf die Welt greift nur in wenigen Folgen.

Ein Beispiel: In der Folge Die Müllhalde geht es um einen Schrottplatz, auf welchem der sogenannte hässliche Dave wohnt, ein alter Einsiedler in schmutzigen Klamotten. Ein Großstädter stattet ihm einen Besuch ab, um Dave mitzuteilen, dass er enteignet werden wird. In einer Rückblende sieht man, wie Dave von einem Freund geraten wird, die Müllberge zu verlassen und etwas aus seinem Leben zu machen. Dave antwortet darauf: „Alles was ich brauche, landet doch sowieso irgendwann hier.“ Daraufhin werden sowohl Daves Freund als auch der Großstädter von einem Ungeheur verspeist, das sich aus den Abfällen gebildet hat.

Die Folge kann als Kritik am modernen Konsum und dem vermeintlichen Wert von Luxusartikeln und Alltagsgegenständen verstanden werden. Warum verprassen wir haufenweise Geld, wenn es am Ende in Form von riesigen Müllbergen die Umwelt und letztlich uns selbst schadet? Solche gut gemeinten Denkanstöße werden leider in fast allen Folgen von der klischeehaften Charakterzeichnung der Protagonist*innen überschattet. Lieber verwenden die Macher*innen ihre Zeit, den Großstädter als arroganten Kapitalisten und Dave als verrücktes und in Pornozeitschriften blätterndes Ekel darzustellen, als ihrer Botschaft etwas mehr Raum zu lassen. Obwohl hier Kapitalismuskritik stattfinden soll, lebt Dave vergnügt an der Seite des Müllmonsters weiter.

Körper werden zerstückelt, vor allem die von Frauen

Weitaus fragwürdiger ist allerdings das überkommene Frauen- und Männerbild, das die Love, Death & Robots-Episoden liefern. Männer sind meist starke Krieger, die den Tag retten. Frauen sind meist zum Opfer degradierte Figuren.

Die Folge Gute Jagdgründe erzählt vom Sohn eines Geisterjägers, der auf eine Gestaltenwandlerin trifft und sich mit ihr anfreundet. Jahre später begegnen sie einander wieder: Die Gestaltenwandlerin verliert zunehmend ihre magischen Kräfte und schlägt sich als Prostituierte durch die Welt. Ein Freier hat ihr die Gliedmaßen amputiert und durch Maschinenteile ersetzt, weil ihn das sexuell stimuliert. Die Frau, verkommen zur Jagdtrophäe. Die Gestaltenwandlerin ist auf die Hilfe des Geisterjägersohnes angewiesen: Nur mit seiner technischen Versiertheit wird die Frau ermächtigt, Rache zu nehmen.

Die Entmachtung der Frau zieht sich wie ein roter Faden durch die Serie. In den wenigsten Folgen spielen Frauenfiguren die Hauptrolle. In den Nebenrollen sind sie nackt zu sehen, beim Sex oder in der Opferrolle. In einer Folge wird ein Frauenkörper während eines satanistischen Rituals zwischen zwei Holzpfähle gespannt und ausgeweidet. Dass die Macher*innen hier Männerfantasien Spätpubertierender verfeuern, in denen Frauen überwiegend die Funktion haben, zu Männern aufzuschauen, diese zu fürchten oder zu beglücken, ist man von Netflix zum Glück nicht gewohnt.

Insgesamt halten die Universen von Love, Death & Robots nur selten Lichtblicke für uns bereit. Gerade die Folgen, die besonders viel Blut und stumpfe Macho-Sprüche umherschleudern, geben zu denken. Dass man die Serie auch als Zeugnis unserer realen Gegenwart und Zukunftsprognose deuten kann, macht das Ganze nicht besser.