Warum man sich das Einzelkämpfertum im Job nicht erlauben kann

Ellenbogen raus ist total 80er. Wer im Job vorankommen will, arbeitet geschmeidig mit anderen zusammen. Der Schlüssel zum Erfolg ist Teamwork.

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Keinen Bock auf Teamwork? Denk besser noch mal darüber nach! Foto: rawpixel / Unsplash | CC0

Misanthrop*innen und Introvertierte müssen jetzt ganz stark sein: Mit Teamwork kommt man weiter. Eine Studie der Northwestern University in Illinois (USA) zeigt, dass Teams, die schon mal zusammen Erfolg hatten, mit höherer Wahrscheinlichkeit auch weiterhin erfolgreich sein werden – so positiv ist das Erlebnis der gelungenen Kollaboration. Dafür haben die Wissenschaftler*innen verschiedene Statistiken von Profi-Teamsportarten untersucht. Und die Variable, die fürs Gewinnen entscheidender war als Qualifikation oder Ruhm der Einzelsportler*innen, war Teamwork.

„Natürlich können Einzelsportler im Team einen Unterschied machen, aber andere Faktoren – wie zum Beispiel, ob Menschen gut miteinander auskommen oder sich vertrauen – legen nahe, dass Teams nicht nur eine reine Ansammlung von Individuen und deren Fähigkeiten sind, sondern dass es auch um die Beziehungen zwischen ihnen geht“, sagt der beteiligte Verhaltensforscher Professor Noshir Contractor.

Und neben dem Sport gibt es im Grunde ja nun mal nur ein Gebiet, auf dem Teamwork ähnlich ausschlaggebend ist: der Job.

Menschen sind für Teamwork geschaffen

Wir sind deshalb so weit gekommen, gerade weil wir soziale Wesen sind. Menschliche Intelligenz ist aus Teamwork entstanden. Unsere Gehirne wurden nachweislich größer und leistungsfähiger durch soziale Interaktion.

Und es ist ja auch logisch: Wer Ideen kombiniert und aufeinander aufbaut und sich gegenseitig inspiriert, entwickelt gemeinsam kreativere und bessere Lösungen. Dieses Prinzip steckt tief in unserer Biologie. Sogar die Neuronen im menschlichen Gehirn lieben Teamwork, wie Forscher*innen vom Salk Institute in San Diego unlängst herausgefunden haben. Sie werden dadurch wesentlich flexibler und anpassungsfähiger.

Und ja, sogar die bloße Vorstellung davon, Teil eines Teams zu sein, macht im Job produktiver und motivierter. Im Gegenzug bedeutet das logischerweise: Wer am liebsten alleine vor sich hinbrödelt, verpasst deutlich mehr als nur die blöden Witze der Kolleg*innen.

Netzwerke im Job sind vorteilhaft

Teamwork entscheidet aber nicht nur über kurzfristigen Erfolg am Arbeitsplatz, sondern mitunter auch über die ganze Karriere. Die richtig guten Jobs kommen häufig über Bekannte, lange bevor sie in den öffentlichen Bereich der Job-Anzeigen gelangen. Wer hervorragende Arbeit leistet und dabei umgänglich ist, wird eher empfohlen, hört bessere Angebote und bekommt Hinweise – genauso wie Tipps, von welchen Unternehmen man sich fernhalten sollte. Allerdings nur dann, wenn es ein entsprechendes Netzwerk gibt.

Dazu muss man gar kein Social Butterfly sein, aber ein grundsätzliches Interesse an Mitmenschen im erweiterten Job-Umfeld kann nicht schaden; Freundlichkeit zahlt sich aus. Manche übertreiben dabei allerdings auch und richten ihr gesamtes Sozialleben nach Wichtigkeit der Leute aus. Entscheidend ist aber, Menschen nicht als Mittel zum Zweck zu benutzen. Lieber authentisch und ehrlich bleiben und das Netzwerk nicht zum Selbstzweck werden lassen.

Eine Hand wäscht die andere

Es klingt vielleicht simpel bis naiv, aber wer anderen selbstlos hilft, hat größere Chancen, irgendwann selbst mal Hilfe zu bekommen. Auch im Job ist sozialkompetentes, freundliches und hilfsbereites Verhalten langfristiges Kapital auf mehreren Ebenen. Es gibt zudem ganze Regale voll mit Büchern zum Thema Innovation und Teamwork und das nicht ohne Grund.

Natürlich gibt es auch Menschen, die Hilfsbereitschaft und Offenheit ausnutzen. Es kann daher nicht schaden, sich entsprechend zu sensibilisieren; zum zwanzigsten Mal die Fehler der Kolleg*innen auszubügeln muss nicht sein. Doch auch, wenn sich faule Nüsse nie ganz vermeiden lassen – langfristig überwiegen die Vorteile.

Außerdem lernen Menschen durch Beobachtung und Anpassung. In einem Umfeld, in dem Hilfsbereitschaft und Zusammenarbeit vorgelebt werden, dehnt sich dieses Verhalten auch auf andere aus. Teamwork ist also ansteckend.

Mars oder Großraum? Hauptsache Teamwork!

Die Northwestern-Studie nützt übrigens nicht nur dem Profi-Sport oder im Job; Professor Contractor will mit den Ergebnissen auch der NASA helfen, das richtige Team für eine Mars-Expedition zusammenzustellen. „Ob es jetzt um den zukünftigen Arbeitsplatz auf der Erde oder im Weltraum geht, das Verständnis der Zusammenhänge von Teamwork wird dabei sehr wichtig sein“, sagt Contractor. Und was für den Mars recht ist, kann im Großraumbüro nicht schlecht sein. Also Schluss mit dem albernen Einzelkämpfer-Ding. Ellenbogen rein, Herz raus!