Warum nach der Tötung des iranischen Generals Soleimani viele Angst vor einem Krieg haben

Das US-Militär hat einen iranischen General getötet, in den sozialen Netzwerken wird deswegen vor einem Krieg zwischen den USA und Iran gewarnt. Was ist genau passiert?

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Nach dem Tod von General Soleimani kam es zu Protesten gegen die USA und Israel. Foto: © Aamir Qureshi / AFP Getty Images

Wer war Kassem Soleimani?

Für die USA war er einer der gefährlichsten Feinde. Für den Iran war Soleimani „das internationale Gesicht des Widerstands“, wie ihn der geistliche Führer des Landes, Ajatollah Ali Khamenei, nannte. Der 62-jährige Soleimani war Anführer der Al-Quds-Brigaden, einer Eliteeinheit der iranischen Armee.

Was sind die Al-Quds-Brigaden genau?

Die Brigaden sind vor allem im Ausland aktiv, unter anderem im Irak, Syrien und im Libanon. Ihr Auftrag ist es, die Ziele der iranischen Revolution von 1979 zu verbreiten. Dazu gehört die gewaltvolle Zurückdrängung sunnitischen Einflusses in der arabischen Welt sowie letzten Endes die Eroberung Jerusalems (der Name Quds leitet sich von Jerusalem ab) und die Zerstörung Israels.

Ein Bild des Generals:

Wie wurde Soleimani getötet?

Soleimani wurde mit einem gezielten Drohnenangriff getötet. Eine sogenannte Sensenmann-Drohne des US-Militärs hatte bei einem Raketenangriff auf den Flughafen in Bagdad Soleimanis Auto getroffen. Insgesamt sollen bei dem Angriff acht Menschen getötet worden sein. Nach Angaben des Pentagon gab US-Präsident Donald Trump den Befehl zu dem Anschlag.

Wie hat Iran reagiert?

Sehr direkt und sehr erbost. Der Oberste Führer des Landes, Ajatollah Ali Khamenei, schwor im iranischen Staatsfernsehen Vergeltung:

Soleimanis Weg wird auch ohne ihn weitergeführt, aber die Kriminellen erwartet eine schwere Rache.

Ajatollah Ali Khamenei

Der iranische Außenminister Javad Zarif schrieb auf Twitter von einem „Akt des Terrorismus“ und machte die USA für alle Konsequenzen verantwortlich:

In der iranischen Hauptstadt Teheran protestierten nach den Freitagsgebeten mehrere zehntausend Menschen auf den Straßen, sie hielten Bilder des getöteten Generals hoch und skandierten „Tod den USA“.

Die Regierung rief eine dreitägige Staatstrauer aus.

Was sagt die US-amerikanische Regierung?

Die USA stellen den Angriff als Verteidigung dar. Verteidigungsminister Mark Esper hatte gestern getwittert, dass die USA keine weiteren Attacken auf ihr Militär in der Region akzeptieren und andernfalls „mit Reaktionen nach unserem zeitlichen und örtlichen Belieben“ kontern werde:

Die US-Botschaft im Irak hat unterdessen alle US-Bürger*innen dazu aufgerufen, das Land schnellstmöglich zu verlassen.

Was sagen die Demokrat*innen?

Demokratische Politiker*innen verurteilen die Tötung Soleimanis. Der ehemalige US-Vizepräsident Joe Biden kritisierte den Angriff und verglich ihn mit einer Stange Dynamit, die an ein Pulverfass gehalten werde. Die demokratische Vorsitzende des US-Kongresses, Nancy Pelosi, stellte zudem die Rechtmäßigkeit des Angriffes in Frage, da er ohne Absprache mit dem Repräsentantenhaus erfolgt sei.

In den sozialen Netzwerken ist nun von einem neuen Krieg zwischen den USA und Iran die Rede – kann das wirklich sein?

Die ARD-Korrespondentin Natalie Amiri bestätigte in einem Interview die Sorge, dass es zu einem Krieg kommen könne: „Neben Revolutionsführer Ali Khamenei ist Soleimani der wichtigste Mann im iranischen Staat gewesen“, der Angriff sei daher nicht einfach nur eine Provokation, sondern eine Kriegserklärung gewesen. Dazu passen auch die Meldungen iranischer Medien, dass Staatsführer Ali Khamenei an einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates teilgenommen habe. Im Sicherheitsrat sollen mutmaßlich auch Entscheidungen über Terroranschläge im Ausland getroffen werden. Der Vizekommandeur Mohammed-Resas Naghdi erklärte: „Das Weiße Haus kann jetzt schon für seine Truppen in der Region die Särge bestellen.“

Wie reagieren andere Länder auf die Situation?

Das israelische Militär soll laut Berichten des Armeeradios in erhöhter Alarmbereitschaft sein, Präsident Netanjahu hat seinen Griechenland-Besuch abgebrochen. Auch die Briten und die Bundeswehr haben verstärkte Sicherheitsvorkehrungen in der Region getroffen. Ein russischer Außenpolitiker, Konstantin Kossatschow, erklärte: „Kriege lassen sich leicht beginnen, aber nur schwer beenden.“ Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes warnte ebenfalls vor einer weiteren Eskalation und den „gefährlichen Konsequenzen„, die diese mit sich bringen könne.

Und was sind WWIII-Memes?

Seitdem die ersten Kommentator*innen Sorge wegen des Ausbruchs eines Krieges geäußert haben, machen WWIII-Memes auf den sozialen Netzwerken die Runde. User*innen machen sich dabei auf unterschiedliche Art und Weise über den Ausbruch eines dritten Weltkrieges lustig. Es werden dabei hauptsächlich Memes gepostet, die auf eine mögliche Einberufung von Zivilist*innen Bezug nehmen. Es sind Spielzeugwaffen zu sehen mit der Unterschrift „Das nehme ich mit, wenn ich einberufen werde“, „Lass nach Kanada ziehen“ oder „Ich sage einfach, ich bin psychisch krank, damit ich nicht einberufen werde.“ Eine ziemlich zynische bis menschenverachtende Art und Weise, Likes zu erhaschen.

Auf TikTok finden sich zig Videos zu dem Thema, mit mehr als 150 Millionen Aufrufen.

Bild von iOS
Screenshot: TikTok

 

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