Warum Netflix gerade mit Pablo Escobars Bruder aneinander gerät

Ein Mitarbeiter des Streaminganbieters wurde kürzlich bei den Vorbereitungen zur vierten Staffel von Narcos erschossen. Jetzt meldete sich Roberto Escobar zu Wort – mit einer Warnung.

Wagner Moura als Pablo Escobar in der Netflix-Serie "Narcos". © Netflix

Die Geschichte von Narcos ist eine über organisierte Kriminalität, Rache, Sühne und Gewalt. Darin wird immer wieder offensichtlich: Mit den Drogenkartellen gibt es keine Kompromisse. Die Menschen, die sich nicht ihren Regeln unterwerfen, sterben.

Am Wochenende dürfte den Verantwortlichen von Netflix schmerzlich bewusst geworden sein, von welcher brutalen Welt sie erzählen. Carlos Muñoz Portal, ein Netflix-Mitarbeiter, der gerade in Mexiko nach geeigneten Drehorten für die vierte Staffel suchte, war tot in seinem Auto gefunden worden. Er wurde erschossen.

Die nahezu dokumentarische Netflix-Serie behandelt in den ersten zwei Staffeln das Leben von Pablo Escobar und seinem Medellín-Kartell. In der aktuellen dritten Staffel, die seit Kurzem verfügbar ist, dreht sich alles um das sogenannte Cali-Kartell. Es wurde in den 1970er-Jahren gegründet und kontrollierte am Zenit seiner Macht rund 80 Prozent der kolumbianischen Kokainexporte in die USA. Die vierte Staffel der Serie soll unter anderem in Mexiko spielen.

Ob Portals Tod unmittelbar mit der Serie zusammenhängt, ist nicht bestätigt. Dennoch steckt darin eine bittere Ironie: Ein Netflix-Mitarbeiter begibt sich auf der Suche nach Drehplätzen in ein gefährliches Gebiet, in dem auch heute noch reale Drogenkartelle agieren und morden – und wird dabei erschossen. Das entging auch Pablo Escobars Bruder Roberto nicht. Er meldete sich diese Woche bereits zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit bei Netflix.

Roberto Escobar warnt Netflix

Während eines Gesprächs mit dem Hollywood Reporter hat Escobar Netflix am Montag gewarnt, nicht zu leichtfertig mit den Dreharbeiten zu Narcos umzugehen. In der Vergangenheit verwaltete der Kolumbianer das Imperium seines Bruders, machte Buchhaltung und arbeitete als Auftragsmörder. Als Pablo 1993 von Agenten aus Kolumbien und der US-Drogenvollzugsbehörde (DEA) erschossen wurde, saß Roberto längst im Gefängnis. Er wurde zu 14 Jahren Haft verurteilt.

Heute verdient der 71-jährige Rentner sein Geld vor allem mit Tourismus: Für 100.000 Pesos, etwa 30 Euro, kann man Escobars Haus besuchen und mit ihm über seinen Bruder sprechen. Außerdem leitet er die Escobar Inc. – eine Investmentfirma. Ein Sprecher dieser Firma teilte mit, dass es absolut nicht sicher sei, Filme über Drogenbarone zu drehen, weil Menschen dabei sterben würden.

Escobar selbst betont ebenfalls die Risiken der Dreharbeiten: „Man muss alle Gefahren beseitigen. Wenn man das intelligent macht, braucht man dazu keine Waffen. Wenn nicht, dann schon.“ Er empfiehlt Netflix daher, Profikiller einzusetzen, welche die eigenen Leute schützen sollen.

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Generell scheint Escobar nicht erfreut über die Verfilmung seiner Familiengeschichte zu sein: „Ich möchte nicht, dass Netflix oder irgendeine andere Filmgesellschaft ohne meine Erlaubnis Filme oder Serien in Medellín oder Kolumbien über meinen Bruder oder mich dreht. Das ist sehr gefährlich. Speziell ohne unseren Segen.“

Das ist mein Land.“ – Roberto Escobar

Laut Escobar hat Netflix bisher nicht auf seine Warnung reagiert. Im Juli 2016 trat er schon einmal per Brief in Kontakt mit den Verantwortlichen. Er drohte dem Unternehmen mit einer Milliardenklage, weil er der Meinung war, die Rechte an der Geschichte seines Bruders lägen bei ihm. Zusätzlich warf er dem Unternehmen vor, Lügen über Pablo zu verbreiten und verlangte Einsicht in die Drehbücher zur zweiten Staffel.

Zu ze.tt hieß es von Seiten des Streaminganbieters, dass man derzeit keine genauen Informationen zur Sache herausgeben könne. Im Hollywood Reporter legt Escobar bezüglich der Milliarden-Forderung nach: „Sollten sie (Anm.: Netflix) unserer Forderung nicht nachkommen, werden wir ihre kleine Show beenden.“