Warum Serien-Revivals uns enttäuschen

Gilmore Girls, Full House, Akte X: Wenn alte Serienhits aus der Vergangenheit zurückkommen, ist das Ergebnis oft ernüchternd.

Wir müssen Kultserien wie Gilmore Girls ruhen lassen © Saeed Adyani/Netflix

Als ich klein war, wollte ich von Schokolade leben. Machen wir uns nichts vor: Ich würde auch heute noch gerne von Schokolade leben. Tatsache ist aber, dass mir statt eines 24/7-Zuckerrausches eine ausgewogene Ernährung natürlich besser tat. Meine Eltern wussten das: Anstatt mir also das zu geben, was ich wollte, haben sie mich mit dem versorgt, was ich brauchte.

Wir haben uns eine Fortsetzung unserer Lieblingsserien gewünscht

Was hat das mit Serien-Revivals zu tun? Akte X, Full House, Gilmore Girls: Großartige Serien, mit denen wir viel Zeit in unserer Kindheit und Jugend verbracht haben. Wie viele andere Fans dieser Klassiker haben wir uns eine Fortsetzung gewünscht. Wir wollten neue Fälle mit Scully und Mulder lösen, witzige Familienabenteuer mit den Tanners erleben und endlich in die sympathische Kleinstadt Stars Hollow zurückkehren.

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Als die Fortsetzungen dann da waren und wir das bekommen haben, was wir uns gewünscht hatten, stießen wir statt eines begeisterten Juhus ein unbeeindrucktes Meh aus. Wir haben bekommen, was wir wollten, aber gleichzeitig auch nicht.

Warum können uns die Neuauflagen nicht begeistern?

Zum einen verklären wir die Vergangenheit. So ist Full House in der Erinnerung vieler eine clevere Familienserie, in der ein Gag den nächsten jagte. Als die Fortsetzung Fuller House raus kam, waren wir dann schockiert von platten Witzchen à la Mario Barth und Handlungssträngen, die so vorhersehbar waren wie der Regen in Hamburg. Kurzum: Fuller House war keine überragende Serie. Wir hatten verdrängt, dass auch Full House kein Meisterwerk war. Aber wir verbanden sie mit unserer Kindheit und dem damaligen Geborgenheitsgefühl – und das wollten wir zurückgewinnen.

Ein anderer Grund, warum Serien-Revivals nicht so begeistern: Ideen, die vor Jahrzehnten innovativ waren, sind heute abgenutzt. Bestes Beispiel: Akte X. Verschrobener Humor und mysteriöse Kriminalfälle machten die Serie populär. Sieht man sich die neuen Folgen an, stellt man aber fest: Was einen früher staunen ließ, lässt einen heute unbeeindruckt. Special Effects, Witzeleien und Ermittlerduos unterschiedlichen Geschlechts hat man mittlerweile in anderen Fernsehserien auch schon und teilweise besser erlebt.

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Eigentlich der beste Grund überhaupt, warum man manche Serien ruhen lassen sollte: weil ihre Geschichte fertig erzählt ist. Gilmore Girls hat die Irrungen und Wirrungen im Leben der beiden Protagonistinnen in sieben Staffeln zu Ende erzählt. Eigentlich. Dann kam aber eine Mini-Staffel oben drauf, die außer Nostalgie wenig zur Handlung beizutragen hatte. Daran ändern auch die letzten vier Worte nichts, die einen vermeintlich schockieren sollten.

Großartige Serien der Vergangenheit waren großartig, weil viele Faktoren glücklich zusammengespielt haben. Die Macher*innen hatten damals neue, frische Ideen. Zudem haben wir sie in einem Teil unseres Lebens gesehen, wo wir noch wenig anderes kannten: in unserer Kindheit und Jugend. Dass wir die Serien auch noch auf das Früher-war-alles-so-schön-Podest gestellt haben, hat die Überhöhung komplett gemacht. Kein Wunder also, dass die Fortsetzungen alter Lieblingsserien nicht an diese idealisierten Vorstellungen heranreichen.

Was bleibt für Fans alter Serien jetzt zu tun?

Heißt das nun, es bleiben nur noch Wiederholungen und die DVD-Boxen der alten Serien? Nein. Die richtig guten Produktionen haben ihre Spuren hinterlassen. Nicht nur in unseren Köpfen, sondern in neuen Fernsehserien. Ohne Akte X gäbe es kein Stranger Things. Ohne Full House kein Modern Family. Ohne Ren and Stimpy kein Rick and Morty. Ohne Twin Peaks kein Riverdale.

Statt uns darüber zu ärgern, dass eine Fortsetzung uns nicht so glücklich macht wie das Original, sollten wir uns an einen Grundsatz unserer Kinderzeit zurückerinnern: Nicht immer ist das, was wir wollen, auch das, was wir brauchen. Statt uns also immer mehr vom selben zu wünschen, sollten wir offen sein für Abwechslung. Nicht nur im Bezug auf unseren Speiseplan.