Warum sind auf Verkehrsschildern eigentlich nicht auch Frauen abgebildet?

Arbeiten auf Baustellen eigentlich auch Frauen? Und spielen Mädchen manchmal Fußball? Sicher! Aber müssten sie dann nicht auch auf die entsprechenden Straßenschilder?

Ein sieben Jahre altes Mädchen aus Neuseeland schaffte es kürzlich in die Schlagzeilen. Zoe war gerade zu Besuch bei ihren Großeltern in der Nähe von Wellington, als sie auf ein Verkehrszeichen aufmerksam wurde, das ihr irgendwie unfair vorkam. Auf dem Schild, das vor Leitungsarbeiten warnen sollte, stand in großen Buchstaben Linemen, zu deutsch: Leitungsmonteure. Seltsam. Was, wenn auch Frauen an den Stromleitungen arbeiteten, dachte sich Zoe.

Ein entsprechendes Schild gab es nicht. Zoe beschloss daher, einen Brief an den Geschäftsführer der New Zealand Transport Agency zu schreiben. „Warum steht auf dem Schild ,Leitungsmonteure‘, wenn Personen, die an den Leitungen arbeiten, sowohl Männer als auch Frauen sein könnten? Ich finde, das Schild ist falsch und unfair. Finden sie auch?“ steht da.

Zoes Brief hatte Erfolg. Geschäftsführer Fergus Gammie kündigte an, die Straßenschilder ändern zu lassen. In Zukunft solle dann die gendergerechte Bezeichnung Line crew darauf zu lesen sein.

Diversität auf deutschen Verkehrsschildern

Um unser Denken in Sachen Geschlechterrollen ein wenig aufzubrechen, hat ze.tt die deutschen Verkehrsschilder unter die Lupe genommen. Ja, die Figuren auf den meisten Schildern könnten geschlechtsneutral sein. Es gibt keine Merkmale, die diese Figuren einem eindeutigen Geschlecht zuordnen. Aber: Sehen wir nicht dennoch überwiegend Männer darauf? In unseren Köpfen ist es ein Männchen auf dem Baustellenschild, das gerade Sand schaufelt, ein Motorradfahrer auf dem Verbotszeichen, ein Junge, der einem Ball hinterläuft. Nicht umsonst trägt das Berliner Ampelmännchen seinen Namen.

[Außerdem auf ze.tt: Wir haben da mal 35 Fragen zum 470 Kilometer langen Stau in NRW]

Zoe hatte es richtig erkannt. Alle Menschen können auf Baustellen arbeiten oder mit einem Motorrad fahren, oder? Damit Diversität in unserem alltäglichen Leben prominenter wird und auch in der Welt der figurativen Piktogramme vertreten ist, haben wir Verkehrsschilder zunächst einmal mit weiblichen Hauptrollen entworfen. Einfach, um das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass Ver- und Gebote, Hinweis- und Warnzeichen, kurz: die gesamte Beschilderung, die unser Leben jeden Tag regelt, auch Teil der Lebenswelten aller Menschen sind. Denn erst Sichtbarkeit kann Umdenken schaffen.

Am liebsten wäre es uns natürlich, wenn alle Menschen sich in den Verkehrsschildern wiederfinden könnten.


Wenn du auch Lust hast, Verkehrzeichen zu diversivizieren, schicke uns gerne eine Mail mit deinen Kreationen.