Warum sind so viele Männer immer noch überfordert, wenn Frauen ihre Tage haben?

Selbst für erwachsene, reflektierte Männer scheint es schlichtweg ein Mysterium zu sein, was da einmal im Monat bei ihren Freundinnen abgeht. Wieso? Ein Kommentar

Auch reflektierte Männer haben mitunter ein Problem, offen über die Periode zu sprechen.

Auch reflektierte Männer haben mitunter ein Problem, offen über die Periode zu sprechen. © Sara Lorusso, aus der Reihe „I’m on my period“

Dass viele Männer ein ziemlich seltsames Verhältnis zu der Tatsache haben, dass die meisten Frauen ungefähr einmal im Monat aus ihrer Vagina bluten, wurde mir mit etwa 14 Jahren bewusst. Damals erklärte ich meinem Sportlehrer, ich könne beim Volleyball nicht mitmachen, weil ich meine Tage habe. Dass ich den Schulsportunterricht im Allgemeinen bis auf den Tod verabscheut habe und es sich daher wahrscheinlich hauptsächlich um eine Ausrede handelte, um auf der Bank sitzen bleiben zu dürfen, tut an dieser Stelle nichts zur Sache.

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Vor allem ist mir nämlich die Reaktion meines Sportlehrers im Gedächtnis geblieben: Er wurde augenblicklich knallrot, stotterte, dann solle ich mich halt hinsetzen, und wendete sich hastig von mir ab. Ein erwachsener Mann, vermutlich Ende 30, schien ganz schön peinlich berührt davon, dass ich nicht gesagt hatte: „Ich habe Bauchschmerzen“ oder „Mir geht es heute nicht so gut“, sondern einfach, dass ich meine Tage habe. Sorry, aber, hä? Ist das so etwas Ungewöhnliches?

Die Periode ist ein Tabu im Alltag

Ein paar Jahre und einige geschwänzte Sportstunden später: Wir schreiben das Jahr 2018 und ich habe immer noch den Eindruck, dass ein großer Teil der männlichen Bevölkerung, sagen wir mal, Berührungsängste mit der Thematik hat. Selbst für erwachsene, reflektierte Männer scheint es schlichtweg ein Mysterium zu sein, was da einmal im Monat bei ihren Freundinnen abgeht. Irgendwie ist das Ganze ein Tabu im Alltag – und das nicht nur von männlicher Seite. Ich kenne Frauen, denen es unglaublich peinlich ist, wenn ihnen unterwegs beim Wühlen nach dem Portemonnaie ein Tampon aus der Handtasche fällt.

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Ist es nicht absurd, dass die eine Hälfte der Bevölkerung scheinbar völlig überfordert mit dem Umgang mit etwas ist, das die andere Hälfte der Bevölkerung über Jahrzehnte ihres Lebens an mehreren Tagen in jedem Monat betrifft? Ganz zu schweigen davon, dass dieses Menstruationsding ja nun ziemlich elementar mit unserer Fortpflanzung – oder Nicht-Fortpflanzung, sprich Verhütung – zusammenhängt; beides Themen, von denen man meinen sollte, dass sie auch die männliche Seite betreffen.

Ich meine, na klar, wer sollte besser wissen, wie sich mein Unterleib alle vier Wochen anfühlt, als ein 39-jähriger Typ in hässlichen Turnschuhen?“

Jetzt ist es aber trotzdem so, dass über Menstruation selten offen und ohne Umschweife gesprochen wird. Das erklärt wohl die Unsicherheit einiger männlicher Zeitgenossen der Sache gegenüber. Wobei Unsicherheit natürlich noch die nette Variante ist – es gibt ja schließlich auch die Sportlehrer, die auf die Ich-hab‘-meine-Tage-Nummer, ob Ausrede oder nicht, nicht pikiert reagieren, sondern ihre fachmännische Einschätzung abgeben, dass man sich ja nicht so anstellen solle wegen des bisschen Periode. Ich meine, na klar, wer sollte besser wissen, wie sich mein Unterleib alle vier Wochen anfühlt, als ein 39-jähriger Typ in hässlichen Turnschuhen?

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Ich war neugierig und habe mehrere Männer gefragt, ob sie glauben zu wissen, wie sie mit ihrer menstruierenden Freundin, Arbeitskollegin oder sonst wem am besten umgehen. Die meisten fühlten sich tatsächlich recht hilflos und glaubten, eigentlich könne man alles nur falsch machen. Denn schließlich ist jede Frau anders – während die einen rein gar keinen Unterschied spüren, haben andere mit extremen Schmerzen bis hin zu Ohnmachtsanfällen zu kämpfen. Bei manchen werden die Hormone so durcheinander gewirbelt, dass sie monatlich unter extremen Stimmungsschwankungen bis hin zu depressiven Verstimmungen leiden. Eine Art Gebrauchsanweisung, die für alle weiblichen Wesen in eurem Umfeld gilt, gibt’s leider nicht.

Männer sollten keine Beschwerden kleinreden, die sie nicht kennen

Es gibt aber wohl ein paar Dinge, bei denen sich so ziemlich alle Frauen einig sind. Zum Beispiel, dass es nicht cool ist, jegliche emotionale Regung einer Frau auf ihren Zyklus zu schieben. Eure Freundin ist sauer, weil ihr schon wieder nicht den Müll rausgebracht habt, bestimmt hat sie nur ihre Tage? Eure Kollegin kritisiert etwas an eurer Arbeitsweise? Die hat sicher ihre „Erdbeerwoche“. Nein, eine Frau ist nicht unzurechnungsfähig, weil sie ihre Tage hat, und eine Frau kann auch schlechte Laune haben oder etwas berechtigt scheiße finden, ohne gerade ihre Tage zu haben.

Wenn eine Frau durch ihre Periode körperlich oder psychisch stark belastet wird, sollte man als Freund, Chef oder Kollege vielleicht auch nicht versuchen, Beschwerden kleinzureden, die man selbst nicht nachempfinden kann – und wenn eure Ex während ihrer Periode ohne Probleme in der Lage war, arbeiten zu gehen, einen Marathon zu laufen oder den Mount Everest zu besteigen, sagt das eben nichts darüber aus, ob eure neue Freundin das genauso kann.

Wenn man ein bisschen sensibel mit dem Thema umgeht und sich blöde Witze oder Vorurteile mal verkneift, kann man also eigentlich nicht so viel falsch machen. Und gerade, wenn es eure Freundin ist, kann man ja auch einfach mal nachfragen.

Von Marit Blossey auf Mit Vergnügen erschienen.
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