Warum Stefan es liebt, ein Haussklave zu sein

Stefan bringt den Müll raus, leckt Schuhe ab und bespaßt seine Herrin in jeder Hinsicht. Dominante Frauen törnen ihn an. Davon wissen jedoch nur wenige in seinem Umfeld.

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Dass Stefan darauf steht, von Frauen sexuell dominiert zu werden, wissen nur wenige. Vor allem vor Männern hält er seine Neigung geheim. Foto: Ian Dooley / Unsplash | CC0

Stefan* zieht sich einen schwarzen Nylonstrumpf über seine rechte Hand. Lea* tropft etwas Honig darauf, dann noch etwas grobkörnigen Sand. „Jetzt hol dir einen runter“, sagt sie. Stefan macht es – ohne Widerworte. 20 Minuten lang. Lea und drei ihrer Freundinnen bestimmen das Tempo, mit dem Stefan seine Hand bewegen soll. Dann kommt er. Das Sperma spritzt in ein Glas, das Lea vor Stefan gestellt hat. „Jetzt trink“, sagt Lea. Stefan nimmt das Glas und schluckt das Sperma herunter.

Stefan macht solche Dinge freiwillig, denn er ist ein Haussklave. „Das ist das Schlimmste, was ich mal machen musste“, sagt er. Sechs Jahre ist das schon her. Lea ist schon lang nicht mehr seine Herrin, er hat eine Neue: Franziska*. Vor rund fünf Jahren haben sich die beiden auf der Arbeit kennengelernt. „Privat hat sie mich unter ihre Fittiche genommen”, sagt Stefan.

Stefan ist heute 29, 1,79 Meter groß und hat eine durchschnittliche Statur. Mit 17 Jahren hat er zum ersten Mal gemerkt, dass er anders tickt als die meisten Männer in seinem Alter. Sex war ihm zu langweilig. „Die Vorstellung, mit einer dominanten Frau zu schlafen, hat mich irgendwie angetörnt.“ Das erste Mal in einer Beziehung mit einer dominanten Frau war er dann drei Jahre später, mit 20. Erst war seine Freundin nur beim Sex dominant. „Das war echt frustrierend.“ Stefan hat ihr von seinen Vorlieben erzählt und das Paar hat die Dominanz in den Alltag eingebaut. Zwei Jahre später war Schluss und Stefan hat sich zum ersten Mal mit dem Thema Haussklave beschäftigt.

Der damals 22-Jährige meldete sich auf einem Online-Erotikportal an und lernte dort seine erste Herrin kennen. Als Haussklave muss Stefan alles machen, was seine Herrin von ihm verlangt: Die Wohnung putzen, die Herrin massieren oder sich eben vor ihr und ihren Freundinnen einen runterholen. Während sich andere Menschen in solchen Situationen erniedrigt fühlen würden, macht Stefan es gerne. „Ich bin in einer Rolle und genieße es, wenn ich mich für sie lächerlich mache und sie sich darüber amüsiert.“  

Mit anderen Frauen darf Stefan nicht schlafen

Franziska ist seit 2014 seine Herrin. Als Haussklave und Herrin führen Stefan und Franziska keine klassische Beziehung und leben in getrennten Wohnungen. Beide arbeiten im gehobenen Dienst. Auf der Arbeit sehen sie sich aber nur selten. Anfang des Jahres ist Franziska umgezogen, ein paar Stunden Autofahrt entfernt von Stefan. Deswegen haben sie nun feste, abgemachte Tage für die Treffen. Die Begrüßung läuft immer gleich ab: Stefan geht auf die Knie, küsst Franziskas Schuhe und zieht sich aus. Wenn Franziska einen guten Tag hat, darf Stefan sie massieren – das macht der Haussklave am liebsten. Aber es gibt auch schlechte Tage. “Bestimmt drei Mal im Monat muss ich wieder meine eigene Wichse schlucken, das gefällt ihr besonders gut.”

Anderen Sex hat Stefan kaum. Seine Herrin kontrolliert sein Sexleben, sagt er. Alle drei Monate schläft Franziska mit ihm. „Für einen Haussklaven ist es mit Abstand das größte Highlight, mit der Herrin schlafen zu dürfen.“ Wenn Stefan Sex mit Franziska hat, stellt er seine eigenen Bedürfnisse allerdings komplett zurück und sorgt dafür, dass Franziska befriedigt wird. „Wenn ich beim Sex sogar selbst kommen darf, laufe ich eine Woche lang mit dem breitesten Grinsen durch die Gegend“, erzählt Stefan. Aber meistens bevorzugt Franziska andere Männer. „Ich bin ja nur ein Sklave”, sagt Stefan. Stefan allerdings darf nicht mit anderen Frauen schlafen, das verbietet ihm Franziska. „Aber immerhin darf ich selbst Hand anlegen, das kann sie ja nicht kontrollieren“, sagt Stefan.

Wenn ich beim Sex sogar selbst kommen darf, laufe ich eine Woche lang mit dem breitesten Grinsen durch die Gegend.

Stefan

Franziska kontrolliert aber nicht Stefans ganzes Leben, denn ein Haussklave zu sein, ist ein Hobby für ihn – genauso wie Fußballgucken, zum Sport gehen oder mit Freunden feiern. Auch wenn die beiden feste Tage habe, kam es schon einmal vor, dass Stefan absagen musste. Schließlich arbeitet er Vollzeit. „Ich habe ihr dann geschrieben, dass ich wegen der Arbeit noch so viel zu tun habe“, sagt Stefan. Nach fünf Jahren hat sich eine Freundschaft zwischen den beiden entwickelt. Stefan merkt das unter anderem beim Sex, „dann entschuldigt sie sich auch mal, wenn es etwas härter wird“, sagt er. Das Codewort „Hollywood“, das er nutzen kann, wenn er Schmerzen hat, musste er aber noch nie sagen.

Vor seinen männlichen Freunden verheimlicht Stefan, dass er ein Haussklave ist

Trotzdem hat der 29-Jährige Grenzen. Stefan macht nichts, was gegen Gesetze verstößt, mit Minderjährigen zu tun hat oder ihn so verletzen würde, dass bleibende gesundheitliche Schäden entstehen. Über diese Tabus haben er und seine Herrin offen gesprochen. Und Stefan hat noch eine weitere Grenze: “Von meiner Vorliebe wissen nur drei Freundinnen und meine Herrin, sonst niemand. Andere Männer sollen nicht erfahren, dass ich mich von Frauen so erniedrigen lasse – auch keine anderen Haussklaven.” Es wäre ihm peinlich, denn ein Haussklave zu sein, ist immer noch ein großes Tabuthema unter Männern, findet Stefan. „Da ist eine Blockade in meinem Kopf. Auch bei meinen Kumpels. Keine Ahnung, warum. Viele Männer würden, glaube ich, einfach verständnislos reagieren“, so Stefan weiter. Nachvollziehen kann er das nicht: “Alle schauen sich Fifty Shades Of Grey an. Und im Internet lese ich dann, wie alle diese Vorlieben verurteilen und pervers finden.”

Stefan gefällt das Leben als Haussklave. Trotzdem wünscht er sich für die Zukunft eine Familie, ein eigenes Haus und Kinder. Dafür würde er sogar sein Leben als Haussklave in den Hintergrund schieben. Ganz aufgeben möchte er es aber nicht. Er wünscht sich eine dominante Frau und eine weiblich geführte Beziehung. „Ich muss nicht 24/7 ein Haussklave sein, ich bin nicht süchtig, aber ich fände es schön, wenn meine Neigung auch in einer Ehe berücksichtigt wird“, sagt Stefan. Er weiß, dass er mit diesem Hobby anders ist, aber das ist ihm egal: „Ich fände es langweilig, wenn alle Menschen gleich wären.”

*Namen geändert