Warum wir am Black Friday nichts kaufen sollten

Am Black Friday locken Geschäfte mit Rabatten. Wir sollten darauf nicht hereinfallen. Ein Kommentar

Menschenmengen - wie hier an einem englischen Bahnhof - sind charakteristisch für Black-Friday-Shopping © Anna Dziubinska / Unsplash.com

Black Friday, das klingt wie der Name eines Piratenschiffs. Tatsächlich steht dieser Tag jedoch im Zeichen des puren Konsums und läutet in den USA traditionell die Weihnachts-Shopping-Saison ein. Wie schon Halloween oder der Valentinstag, gibt es diesen Tag mittlerweile auch in Deutschland und auch hier locken Händler*innen und Geschäfte mit hohen Rabatten und Preisnachlässen.

Der Black Friday fällt immer auf den vierten Freitag im November, also den Brückentag nach Thanksgiving. Viele US-Amerikaner*innen nutzen diesen Tag für erste Weihnachtseinkäufe, manche Malls öffnen sogar schon nachts – und die Kassen klingeln. Laut einer Statistik gingen 2015 insgesamt 67,6 Milliarden Dollar beim Black Friday Shopping in den USA über den Tisch. Jede*r Kund*in gab durchschnittlich 403 Dollar aus.

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Der Marketingexperte Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU erklärt im Südkurier: „Black Friday und Cyber Monday sind heute schon sehr wichtig für den Handel – und sie werden immer wichtiger. Wir haben gesättigte Märkte in Deutschland. Da braucht man solche Anlässe, damit die Leute mehr kaufen.“ Er warnt, dass solche Rabatttage zwar für mehr Verkäufe sorgen, aber gleichzeitig auch den Trend zu einer Discount-Gesellschaft stärken würden. Er erklärt, Rabatte seien eine starke Droge.

Das ist doch absurd!

Der Black Friday lockt mit Rabatten, Aktionen, Vergünstigungen und auf einmal haben wir das Gefühl, dass wir Produkte brauchen, von denen wir nicht mal wussten, dass sie existieren. Wir sollen kaufen, kaufen, kaufen und uns am besten gar nicht erst fragen, ob wir die Dinge wirklich brauchen. Stattdessen häufen wir Besitztümer an, kaufen noch mehr Klamotten, obwohl der Kleiderschrank schon überladen ist, einfach weil es gerade so günstig ist.

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Dieser Tag ist nicht dafür da, um sich lang gehegte Wünsche zu erfüllen, um sich mal etwas zu gönnen. Es geht nur ums Geld, ums konsumieren. Wie absurd, wie brutal, wie beängstigend das enden kann, ist in diversen Videos zu sehen: Menschen stürmen Geschäfte, schreien, reißen sich um Waren, prügeln sich um Produkte, schreien sich an – Konsumwahnsinn im wahrsten Sinne des Worte.

Aktionstage wie der Black Friday führen dazu, dass wir unsere Käufe nicht mehr überdenken.“

Wir schaffen dann neue Dinge an, obwohl alte noch funktionsfähig sind; werfen lieber weg, statt zu reparieren. Und der Markt macht es uns einfach: Immerhin sind Reparaturen in vielen Fällen nicht unbedingt günstiger als Neuanschaffungen.

Und auch am Black Friday ist nicht alles günstig, was glänzt: Expert*innen warnen, dass viele Händler*innen die Preisnachlässe auf die unverbindliche Preisempfehlung der Hersteller*innen beziehen, welche oft über dem tatsächlichen Marktwert des Produktes liegen. Stichproben haben sogar ergeben, dass im vergangenen Jahr nur jedes zweite Angebot ein Schnäppchen war. Das beweist abermals, dass wir uns zu sehr von grellen Rabattschildern blenden lassen.

Der Kauf-nichts-Tag

Deshalb rufen Konsumkritiker*innen seit 1997 zum Buy-Nothing-Day auf: Einem Tag, an dem wir einfach mal nichts kaufen sollen. Dieser Kauf-nichts-Tag findet am letzten Freitag beziehungsweise Samstag im November als eine Gegenbewegung zum Black Friday. Es soll dabei darum gehen, der Wert der Dinge wieder schätzen zu lernen, abzuwägen, ob dieser oder jener Kauf wirklich sein muss oder wir uns vielleicht nur vom vermeintlichen Schnäppchenpreis verleiten lassen.

Auch wenn sich dazu dieses Jahr keine öffentlichen Aktionen finden lassen, ist dieser Tag doch eine schöne Gelegenheit, das eigene Konsumverhalten zu überdenken und sich selbst zu hinterfragen.