Warum wir künftig zweimal überlegen sollten, bevor wir ein Wildtier-Selfie posten

Keine Frage, Selfies mit Wildtieren wie Koalas oder Faultieren sind toll. Allerdings nicht für die Tiere. Instagram will jetzt das Bewusstsein dafür schärfen.

Koalas sind leider ein beliebtes Foto-Requisit. © Vita Vilcina/Unsplash

Keine Reise ohne Erinnerungsfotos: In Paris macht man die obligatorischen Selfies vorm Eiffelturm, in New York post man auf dem Empire State Building. Wer den weiten Weg nach Australien auf sich nimmt, will meist unbedingt ein schönes Koala-Selfie einsacken. Die Tiere stehen schließlich symbolisch für das Land, sind zudem so süß – und machen sich gut im Instagram-Feed. Was die Koalas davon halten, herumgereicht zu werden? Darüber machen sich wohl die wenigsten Gedanken.

Seit Montag hat Instagram deshalb eine Warnung in das Netzwerk eingebaut. Wer beispielsweise nach Bildern mit dem Hashtag #koalaselfie sucht, bekommt zunächst eine Meldung zum Tier- und Umweltschutz auf Instagram angezeigt: „Tierquälerei sowie der Verkauf gefährdeter Spezies oder deren Körperteile ist auf Instagram untersagt. Du suchst gerade nach einem Hashtag, der möglicherweise zu Tierquälerei oder zur Zerstörung der Umwelt ermutigt.“

Ein Link verweist auf eine Unterseite, die noch mal dazu aufruft, bei Interaktionen mit Wildtieren im Blick zu behalten, ob die Tiere geschmuggelt, gewildert oder anderweitig für den Tourismus missbraucht werden.

© Screenshot Instagram

Tierselfies nehmen zu

Darauf, dass der Social-Media-Dienst endlich solche Hinweise in seine Nutzungsbedingungen aufnimmt, drängen Tierschutzorganisationen wie World Animal Protection schon länger. Die internationale Organisation kämpft in Form eines Wildlife Selfie Codes gegen den Trend der Wildtier-Selfies, die zu Lasten der Tiere gehen. Viele der Tiere, mit denen Tourist*innen für Fotos posierten, würden ihrem natürlichen Lebensraum entrissen und in beengten Bedingungen gehalten, schreibt World Animal Protection auf ihrer Website. Das Herumreichen bedeute für die Tiere puren Stress.

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Laut der Tierschutzorganisation hat sich die Zahl der Wildtier-Selfies in den sozialen Netzwerken zwischen 2014 und 2017 fast vervierfacht. Am häufigsten tauchen Fotos mit Elefanten, Faultieren und Schildkröten auf, in Australien und den USA entstehen die meisten Selfies mit wilden Tieren. Über 40 Prozent der Fotos seien „schlechte“ Selfies, also Fotos in denen jemand das Tier umarmt oder festhält.

Mit dem Wildlife Selfie Code gibt World Animal Protection Tipps, wie sich Tourist*innen stattdessen verhalten sollten: Beim Fotos machen Distanz wahren und darauf achten, dass die Tiere sich in ihrem natürlichen Lebensraum befinden, sprich sich frei bewegen können.

Inwiefern diese Anleitung oder die Maßnahme von Instagram wirklich verhindert, dass „schlechte“ Tier-Selfies weiterhin entstehen, ist fraglich – aber die Warnung schärft bestenfalls schon mal unser Bewusstsein. Die Beiträge unter #koalaselfie kann man sich mit einem Klick auf „Beiträge anzeigen“ allerdings immer noch ansehen. Ein Hinweis zum Thema Tier- und Umweltschutz an anderer Stelle wäre womöglich viel wichtiger: und zwar dann, wenn man gerade ein solches Foto hochladen möchte.