Warum wir nicht feiern müssen, dass Mark Wahlberg seine Gage spendete

Für einen Nachdreh des Films Alles Geld der Welt erhielt der Schauspieler 1,5 Millionen Dollar, seine Kollegin Michele Williams weniger als 1.000 Dollar. Dass er das Geld spendete, macht ihn noch lange nicht zum Gönner. Ein Kommentar

Mark Wahlberg neben Michelle Williams auf der Premiere des Films "Alles Geld der Welt" © Kevin Winter/Getty Images

First Things First: Um diese Diskussion überhaupt kommentieren zu können, muss ich zunächst die Ausgangssituation erläutern. Die Schauspielerin Michelle Williams und ihr Kollege Mark Wahlberg sind ab Februar in dem Film Alles Geld der Welt von Ridley Scott zu sehen. Und Geld spielt nicht nur im Film eine Rolle, sondern auch im echten Leben: Wie der Sender ntv berichtet, bekam Wahlberg für einen Nachdreh 1,5 Millionen US-Dollar, seine Kollegin Williams weniger als 1.000 Dollar.

Zu dem Nachdreh kam es, weil Ridley Scott den in der Kritik stehenden Schauspieler Kevin Spacey durch Christopher Plummer ersetzte. Im Interview erklärte der Regisseur der Zeitung Die Welt: „Ich durfte nicht zulassen, dass die Einstellung einer einzelnen Person die Arbeit von so vielen Menschen ruiniert, daher habe ich diese Entscheidung getroffen.“ Michelle Williams unterstützte dieses Vorhaben laut Telegraph mit folgenden Worten: „Sie können meine Bezahlung haben, sie können meinen Urlaub haben, sie können haben, was immer sie wollen. Denn ich schätze es so sehr, dass sie diesen Aufwand betreiben.“ Anscheinend haben sich die Filmemacher diese Worte zu sehr zu Herzen genommen. Wie ist es sonst zu erklären, dass der gefeierte Schauspieler mehr als tausendmal soviel Gage bekommt wie seine Kollegin?

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Die Reaktion

Nachdem diese Ungerechtigkeit öffentlich wurde, äußerte sich auch Wahlberg selbst. Auf Twitter schrieb er: „In den vergangene Tagen war meine Nachdreh-Gage für Alles Geld der Welt ein wichtiges Thema. Ich unterstütze den Kampf für faire Bezahlung und spende 1,5 Millionen Dollar im Namen von Michelle Williams an den Rechtsschutz-Fonds von Times Up.“

Times Up ist eine im Rahmen der #MeToo-Debatte ins Leben gerufene Initiative mit dem Ziel, der Belästigung von Frauen ein Ende zu setzen. Williams reagierte erfreut über Wahlbergs Geste und ließ, wie eine Hollywood-Reporterin auf Twitter mitteilte, verlauten: „Heute geht’s nicht um mich. […] Wenn wir uns ernsthaft eine gleichberechtigte Welt vorstellen, dann braucht es auch gleichen Einsatz und Aufopferung. Heute ist einer der unglaublichsten Tage meines Lebens  – wegen Mark Wahlberg, WME und einer Gemeinschaft von Frauen und Männern, welche diesen Verdienst teilen.“

Können wir bitte aufhören, Wahlberg als den großen Gönner zu glorifizieren?“

Der reiche Gönner

Es ist löblich, dass Mark Wahlberg auf die öffentliche Debatte reagiert. Dass er seine Stimme nutzt. Dass er sich öffentlich für den „Kampf für faire Bezahlung“ ausspricht. Dass er das Geld , welches er für den Nachdreh erhalten hat, spendet. Dass er sich für diese Spende auch noch die Initiative Times Up ausgesucht hat. Aber können wir bitte aufhören, Wahlberg als den großen Gönner zu glorifizieren?

Allein der Fakt, dass es im Jahr 2018 noch immer möglich ist, einer Frau so viel weniger für dieselbe Arbeit zu zahlen als einem Mann, macht mich fassungslos. Wie kann das passieren? Wie kann es sein, dass Mark Wahlberg die Forbes-Liste der bestbezahltesten Schauspieler 2017 mit einer Jahresgage von 68 Millionen Dollar anführt, während Emma Stone auf Platz Eins der bestbezahltesten Schauspielerinnen mit nur knapp einem Drittel, nämlich 26 Millionen Dollar, landet?

Für mich sah es auf den ersten Blick nach einem genialen PR-Stunt aus: ungerechte Gagen in Millionen-Höhe für einen Film mit dem Titel Alles Geld der Welt? Das hört sich nach dem Traum jeder Kreuzköllner Werbeagentur an, getreu dem Motto: Any Press Is Good Press. Auch für Wahlberg scheint diese Debatte gut auszugehen: Er steht jetzt da wie der reiche Gönner, der ohne mit der Wimper zu zucken seine Gage spendet – und dann auch noch im Namen der Schauspielerin, die so viel weniger für ihre Rolle bekam als er. Natürlich tut ihm das finanziell nicht weh. Es fördert vielmehr seine Popularität. Mich stört daran, dass es überhaupt dazu kommen konnte – zumal die beiden Hollywoodstars laut einer Promi-News-Website von ein- und derselben Agentur vertreten werden. Die Vermutung liegt also nahe, dass man von den Gagen wusste.

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Und sind wir mal ehrlich: Es ist doch eine absolute Frechheit, Williams eine Gage von weniger als 1.000 Dollar anzubieten, und ihrem Kollegen dann eine Millionen Dollar zu zahlen. Wir kennen die Umstände nicht, aber: Selbst wenn Wahlberg für den Nachdreh vielleicht in Zeitnot kam, rechtfertigt das diese klaffende Lücke in keinster Weise. Versteht mich nicht falsch: Ich finde es gut und lobenswert, dass er öffentlich Stellung bezieht und das Geld an eine wichtige Inititative wie Times Up spendet. Ich bin nur kein Fan davon, dass dieses aus einer vorherrschenden Ungerechtigkeit entstandenes Verhalten jetzt dafür sorgen wird, dass Wahlberg als der große Gönner da steht. Hätte er die 1,5 Millionen auch dann gespendet, wenn der Fall nicht publik geworden wäre?

Ein wichtiges Thema

Dennoch kann man in der Diskussion etwas Gutes sehen: Wir sprechen wieder darüber. Wir sprechen über die Ungleichbehandlung von Männern und Frauen. Wir sprechen über Themen wie die Gender-Pay-Gap: Denn sei es die unbereinigte Zahl von 21 Prozent oder die bereinigte Zahl von 6 Prozent – Frauen verdienen auch in Deutschland noch immer weniger Geld als Männer. Darüber müssen wir reden und eine Lösung finden. Allein die Reaktionen, welche die Diskussion um Williams und Wahlberg in sozialen Netzwerken wie Twitter erzielte, zeigen, dass dieses Thema viele Menschen beschäftigt.

Anmerkung: Leider hatten wir in diesem Text zunächst einen kleinen Rechenfehler. Diesen haben wir nun korrigiert.