ze.tt gr.een Was ist das?

Deshalb wollen wir unsere*n Ex neidisch machen

„Wenn er dich in diesem Kleid sieht, wird er es bereuen“ oder „Wenn sie dich mit der Jacke sieht, wird sie dich zurückwollen“ – solche Sprüche hört man öfter. Aber ist Neidischmachen eine gute Strategie?

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Liebe ist ein Kampf, auch wenn sie längst vorbei ist. Foto: freestocks.org / Unsplash | CC0

Love Fight„, „Love is a battlefield„, „Fight for this love“. Dass Liebe Kampf ist, wollen uns Popsänger*innen immer mal wieder klarmachen. Die Liebe: ein Schlachtfeld, auf dem es Überlebende und Tote, Verlierer und Siegerinnen gibt. Tja. Manchmal ist der Pop schon weiter als das Leben, manchmal ist das Leben aber auch weiter als der Pop. Und manchmal weiß man nicht, ob es noch einen Unterschied gibt.

Wenn es um die Liebe als Kampf geht, kann man das regelmäßig beobachten. In Songtexten, in den Medien. Auf der Straße, im Freund*innenkreis oder in der Bar. Gespräche wie dieses zum Beispiel:

‚Ich habe neulich meinen Ex in der Mensa getroffen.‘

‚Oh nooo! Und?‘

‚Ich hatte mein neues Kleid an.‘

‚Sehr gut. You win.‘

Was dahintersteckt ist die scheinbar gesetzte Annahme, dass, wer einem*r Ex über den Weg läuft, dabei tunlichst herausragend aussehen sollte. Unwiderstehlich, bestenfalls besser als je zuvor: Eifersucht inspirierend, Reue provozierend. Der*die andere soll neidisch werden und sich denken: „Mist, was ist mir da für ein Prachtexemplar von Mensch durch die Lappen gegangen!“

Wem es gelingt, diese Botschaft lookmäßig erfolgreich rüberzubringen, der*die hat gewonnen: „You win!“

Kulturgeschichtlich auffällig wurde dieses Phänomen übrigens erstmals so richtig in den 1990er-Jahren. Wer sich nicht mehr erinnert: Damals trennte sich das britische Thronfolger*innenpaar, Prinz Charles und Prinzessin Diana. Und Diana gilt bis heute als die Taufpatin des sogenannten revenge dresses. Des Rache-Outfits. An dem Tag, als Prinz Charles im Fernsehen seine Affäre mit Camilla Parker-Bowles gestand, ließ seine Ex sich zur Eröffnung einer Ausstellung in der Londoner Serpentine Gallery chauffieren. Und dort präsentierte sich keine niedergeschmetterte Diana mit angezogener Fashion-Handbremse, sondern eine selbstbewusste Frau mit Ausschnitt, Bling und einer „War was?“-Attitude. Die Leute klatschten. Und die Presse hatte das Aufmacher-Bild für den nächsten Tag.

Das revenge dress war geboren:

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The straight up savage revenge look #FyouCC

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Diana kann als Taufpatin des Phänomens gelten, aber durchgesetzt hat es sich auch außerhalb der Welt der Promis. Es ist mittlerweile zur Standardformel geworden. Wer einmal nach revenge dress oder vergleichbaren Suchbegriffen googelt, wird schnell Inspiration finden. Fast jedes Mode- und Lifestylemagazin hat schon Ratschläge zum Ex-neidisch-machen publiziert.

Worum es geht? Darum, so beneidenswert fabulös zu erscheinen, dass man sich als Sieger*in fühlen kann. Als jemand, der*die noch attraktiver aus der Beziehung hervorgegangen ist. Neben dem Großartigaussehen gibt es allerdings noch eine Hürde, die beim Neidischmachen gemeistert werden muss. Denn es gilt nicht nur, phänomenal auszusehen, sondern auch, dies als total absichtslos erscheinen zu lassen. Als wäre einem der Top-Look in den Schoß gefallen und man hätte sich eben nicht die Mühe gemacht, den*die andere*n zu beeindrucken. Mode-Influencerin Chiara Ferragni beschreibt es so: „Du willst selbstsicher erscheinen; die Message, die du verbreiten willst, ist, dass du nur fünf Minuten gebraucht hast, um fertig zu werden (yeah, right!)“

Doch das Problem am revenge dress: Hier wird die Aufwertung an den*die Ex-Partner*in geknüpft.

Puh. Wem da nicht wieder Bilder aus der Rhetorikschmiede des „Liebe ist ein Kampf“ einfallen, der*die ist vermutlich schon zu abgebrüht für diese Welt. Wobei der Wunsch hinter dem revenge-dress-Phänomen ja durchaus nachvollziehbar ist: Eine Trennung kann das Selbstwertgefühl ganz schön zerrupfen. Verständlich also, wenn wir das Bedürfnis verspüren, uns – wie auch immer – wieder aufzuwerten.

Doch das Problem am revenge dress: Hier wird die Aufwertung an den*die Ex-Partner*in geknüpft. Doch wem der Selbstwert durch eine Trennung flöten gegangen ist, der*die sollte die Aufwertung nicht wieder an Bestätigung von außen knüpfen. Nicht von außen, aber auch nicht an Konsum. Denn auch Konsum ist eine beliebte Selbstwert-Stabilisierungsmaßnahme. Wie nachhaltig – im doppelten Sinne – diese Maßnahme ist, wird jedem*r klar sein, der*die schon mal in einem „Liebe dich selbst“-T-Shirt geheult hat. Oder wer im schicken Outfit den*die Ex beeindrucken wollte, sich dabei aber gefühlt hat wie Falschgeld.

Auch ohne revenge dress gelingt es, den Selbstwert zu steigern

Den oder die Ex neidisch machen zu wollen, ist nachvollziehbar. Aber wer über eine Trennung hinwegkommen will, der*die sollte die Ex-Beziehung nicht mehr zum Gradmesser des eigenen Wohlergehens machen. Und schon gar nicht des eigenen Triumphs. „You win“ in Liebesdingen? Bitte nicht.

Aber ein Hinweis zur Güte: Sich nach einer Trennung styletechnisch neu zu erfinden oder ordentlich aufzubrezeln, kann tatsächlich etwas für den Selbstwert tun. Dinge loszuwerden, die an die Ex-Beziehung erinnern, ist zum einen ein wichtiger Schritt gegen den Trennungsschmerz und zum anderen können uns die richtigen Klamotten auch in unseren Gefühlen bestärken, uns also stärker und selbstbewusster machen.

Und letzten Endes kann es doch nur darum gehen: Sich selbst besser zu fühlen, auf eigene Kosten.

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