Was deutsche Promis von Beyoncé lernen können

Deutsche Promis lassen Geflüchtete bei sich wohnen und führen Facebook-Diskussionen mit Rassist*innen. Warum Popstar Beyoncé dennoch die viel klügere politische Aktivistin ist. Ein Kommentar

Beyoncé trat auch bei Wahlveranstaltungen der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hilary Clinton auf. | BRENDAN SMIALOWSKI/AFP/Getty Images

Beyoncé hat Anfang dieser Woche einen Preis an NFL-Quarterback Colin Kaepernick überreicht. Fragst du dich gerade, warum diese Nachricht einen Kommentar wert ist, wenn irgendeine Sängerin irgendeinem Sportler irgendeinen Preis überreicht?

Zunächst: Wir reden hier über Beyoncé. Sie ist eine jener Künstler*innen, die Millionen von Tonträgern verkauft hat, mehrere eigene Modelinien auf dem Markt hat und sehr, sehr vermögend ist. Außerdem hat sie den Begriff bootylicious bekannt gemacht.

Beyoncé: Erfinderin von Bootylicious und politische Aktivistin

Neben all ihren musikalischen Erfolgen hat Beyoncé aber gerade in den letzten Jahren auch klar politisch Stellung bezogen. Das Besondere: Neben Themen der Kategorie „Da sammeln sich die Spenden quasi von selbst“ wie etwa den Kampf gegen Übergewicht bei Kindern, positioniert sie sich auch klar bei Themen, welche die Gesellschaft in den USA spalten. Beyoncé ist etwa Unterstützerin der Black Lives Matter Bewegung, die sich gegen Gewalt gegen Schwarze einsetzt. Und der Kampf gegen Polizeigewalt gegenüber Schwarzen sowie Racial Profiling ist in den USA sehr umstritten.

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Kaum jemand weiß das wohl besser als der Sportler Colin Kaepernick , dem sie Anfang dieser Woche den Award überreicht hat. Die Hintergründe: Colin Kaepernick hat gewaltlos gegen Polizeibrutalität gegen Schwarze demonstriert. Traditionell spielt vor Beginn eines Spiels die US-amerikanische Nationalhymne und alle Spieler erheben sich. Kaepernick blieb aber aus Protest sitzen. Dieser Protestakt hatte für Kaepernick weitreichende Konsequenzen. Von Mitspielern über Sport-Kommentatoren hin zum US-amerikanischen Präsidenten Trump: Kaepernick hat viel, teilweise harsche Kritik einstecken müssen und wurde als Vaterlandsverräter oder Polizisten-Hasser diffamiert. Zwar erhält er immer wieder Ehrungen und Preise für sein Engagement. Fakt ist aber, er hat derzeit keinen Teamvertrag als Quarterback, denn keine Mannschaft der NFL möchte ihn derzeit einstellen.

Wenn also ausgerechnet Beyoncé den nach der Boxlegende und Bürgerrechtsaktivisten Muhammad Ali benannten Preis an Colin Kaepernick überreicht, dann ist das mehr als nur ein Auftritt für gute Presse – Beyoncé bezieht damit klar Stellung gegen die Diskriminierung von schwarzen Menschen und solidarisiert sich mit Kaepernick.

Wie engagieren sich deutsche Promis?

Bei so viel Einsatz stellt man sich in Deutschland die Frage: Wie sieht es eigentlich mit den deutschen Prominenten aus? Beziehen sie politisch Stellung abseits von unverfänglichen Finden-sowieso-alle-wichtig-Themen? Spätestens seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien gibt es ein polarisierendes Thema mehr in Deutschland. Wie gehen deutsche Stars damit um? Sprechen Showstars in Deutschland etwa aus, dass es ist richtig scheiße ist, dass fast jeden Tag ein Anschlag auf eine Asylbewerberunterkunft verübt wird oder singen deutsche Sänger*innen in ihren Liedern darüber, dass Asyl ein Grundrecht ist?

Noch vor einigen Jahren haben ein paar deutsche Promis gerne ihr Engagement für Geflüchtete in den Medien gezeigt. Veronica Ferres hat syrische Geflüchtete in ihre Villa aufgenommen, Til Schweiger hat sich im Internet mit „Flüchtlingsgegnern“ gezankt und allerlei Musiker haben für Geflüchtetenhelfer*innen Konzerte gegeben.

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Seit die Stimmung aber gegenüber Geflüchteten aber immer öfter ins Negative kippt, sucht man in den Illustrierten vergeblich nach Fotos von prominenten Damen und Herren, die sich zu ihrem Engagement für Kriegsgeflüchtete bekennen. Böse Zungen würden behaupten, dass so manche deutsche Prominente auf einen Trend aufgesprungen sind, der wenig mit persönlicher Überzeugung und mehr mit dem Bedürfnis nach guter Presse zu tun hatte. Noch bösere Zungen würden sogar sagen, dass diese bekannten Personen das auch noch schrecklich plump und unklug gemacht haben.

Integrität statt PR-Stunts

Während die großen deutschen Stars es derzeit vermeiden, sich für Themen stark zu machen, die ihnen negative Reaktionen einbringen könnten, setzt Beyoncé sich bewusst auch für polarisierende Anliegen ein. Sie steht zu ihrem Engagement für die Black Lives Matter Bewegung, egal ob ihr das Anfeindungen und negative Publicity einbringt. Das zeugt von viel Integrität.

Zudem nutzt sie ihre Privilegien gezielt. Beyoncé streitet beispielsweise nicht in Facebook-Kommentaren mit Rassist*innen, sondern postet auf ihren sozialen Kanälen über Todesfälle durch Polizeigewalt. Und Beyoncé nimmt niemanden in ihr Haus auf, sondern spendet stattdessen gemeinsam mit ihrem Ehemann Jay-Z 1,5 Millionen Dollar für Bürgerrechtsorganisationen.

Wenn Beyoncé also einen Preis überreicht, dann tut sie das nicht um ein paar Klatschzeitschriften neues Bildmaterial zu liefern. Sie tut es um eine politische Botschaft zu senden, an die sie glaubt. Diese Integrität würde einigen deutschen Promis auch gut tun.