Was du gegen Eifersucht in Freund*innenschaften tun kannst

In vielen Freund*innenschaften gibt es Gefühle, die dort eigentlich keinen Platz haben sollten: Neid und Eifersucht. Zwei Expert*innen geben Tipps, wie man damit umgehen kann.

Was tun, wenn man ausgerechnet auf die beste Freundin oder auf den besten Freund eifersüchtig ist? Foto: Billie / Unsplash | CC0

Die meisten Freund*innenschaften basieren auf einem simplen Prinzip: Man hat sich gegenseitig gern und stärkt sich den Rücken. Anders als Beziehungen, sollen Freund*innenschaften Oasen der Großzügigkeit und allumfassenden Annahme sein – zu jeder Uhrzeit, im Schlabbershirt und in jedem nur denkbaren Gemütszustand.

Soweit das Ideal. Doch es gibt auch eine düstere Komponente in Freund*innenschaften; Gefühle, die dort eigentlich keinen Platz haben sollten und deshalb meist verschwiegen und verdrängt werden: Neid und Eifersucht.

Wenn Freund*innen sich die guten Noten, die Beförderung, die neue Liebe nicht vollumfänglich gönnen können; wenn der*die eine auf die Haarpracht, das Sixpack, den elaborierten Musikgeschmack oder andere Freund*innen des*der anderen neidisch ist und sich deswegen schäbig fühlt, dann kann dieses Gefühl die stabilste Freund*innenschaft bedrohen.

Studien zeigen: Eifersucht ist Bestandteil vieler Freund*innenschaften

Die Psycholog*innen Monika Henderson und Michael Argyle befragten schon Mitte der 1980er 150 Personen nach Gründen für das Zerbrechen bisheriger Freund*innenschaften: Mehr als die Hälfte nannte damals Eifersucht auf oder Kritik an Beziehungen zu Dritten als Grund; 42 Prozent gaben keine positive Wertschätzung ihrer eigenen Person an – ein subjektiver Eindruck, der eng mit Neid und Eifersucht verflochten ist.

Der Psychologe Dr. Wolfgang Krüger hat mit Eifersucht – der selbstbewusste Umgang mit einem ungeliebten Gefühl ein Buch zum Thema geschrieben und befasst sich zudem mit Freund*innenschaften: „Eigene Umfragen zeigen, dass über 20 Prozent der Bevölkerung unter intensiven Eifersuchts- und Neidgefühlen leiden.“ In engen Freund*innenschaften komme es häufiger zu Eifersuchtsgefühlen – also der Angst davor, Menschen zu verlieren; Neid – also das Bedürfnis, etwas zu besitzen, was der*die andere besitzt – trete vermehrt in eher lockeren Freund*innenschaften auf.

Die Wiener Psychologin Katharina Smutny führt in ihrer Praxis Freundschaftsberatungen durch. Sie weiß aus Gesprächen und Erfahrung, wo Neid und Eifersucht unter Freund*innen herkommen, wann diese Gefühle zum Problem werden – und wie man damit umgeht.

Warum sind Freund*innen neidisch?

Egal, ob es um Missgunst innerhalb einer Freund*innenschaft geht oder um Eifersuchtsgefühle aufgrund von Menschen, die von außen dazu kommen: Die Ursachen sind immer die gleichen. „Dahinter stehen in der Regel Verlustangst oder ein geringes Selbstwertgefühl“, erklärt Katharina Smutny.

Das Hauptproblem beim Neid ist der Vergleich. „Oft sucht man sich Freund*innen aus, die einem ähneln, und dann spürt der neidische Teil eher, welche Attribute an der anderen Person subjektiv besser sind“, sagt die Psychologin. Logisch, wenn zwei Menschen sich sehr ähnlich sind, stechen die wenigen Unterschiede stärker hervor. Wenn dann noch das Selbstbild etwas schief hängt, sind das günstige Bedingungen für Missgunst.

Sobald es sich um ein soziales Gefüge handelt, gibt es Vergleiche und Neid.

Katharina Smutny

Auch durch die unendlichen Möglichkeiten der Selbstinszenierung in sozialen Netzwerken verschärfe sich laut der Psychologin zusätzlich der Eindruck, im Vergleich mit Freund*innen vermeintlich immer schlechter abzuschneiden. Soziale Netzwerke wie Instagram sind als Plattformen idealisierter Selbstdarstellung vor einem potenziell großen Publikum konzipiert: Es geht um die maximal interessante, „like“-fähige Persönlichkeitsrepräsentation. Nuancen und Realität haben keinen Platz. Der permanente Vergleich damit kann den Selbstwert beeinträchtigen. Und je positiver und beliebter der Inhalt eines Postings, desto ausgeprägter der Neid.

Konkret kann sich Neid auf verschiedenste Weisen äußern. Wer beispielsweise mit dem eigenen Körper nicht voll zufrieden und mit jemandem befreundet sei, der*die sich in der eigenen Haut pudelwohl fühlt, könne laut Katharina Smutny irgendwann anfangen, Treffen zu vermeiden, um dem Vergleich und damit der gefühlten permanenten Abwertung zu entgehen.

Leidet man an Verlustängsten, nicht ganz stabilem Selbstwert und verbringt der oder die andere plötzlich viel mehr Zeit mit anderen, ist das ein Nährboden für Eifersucht.

Katharina Smutny

Sobald zwei Menschen eine innige Beziehung zueinander haben, kommt zudem die Angst vor dem Verlassenwerden ins Spiel. „Menschen sind soziale Wesen und wollen sich in der Regel binden“, sagt Katharina Smutny. „Leidet man an Verlustängsten, nicht ganz stabilem Selbstwert und verbringt der oder die andere plötzlich viel mehr Zeit mit anderen, ist das ein Nährboden für Eifersucht.“

Kommt eine dritte Person von außen in die Freund*innenschaft, kann sich die gesamte Dynamik verändern. Manche Menschen reagierten dann laut Smutny mit offenen Vorwürfen und Anhänglichkeit, andere mit Rückzug, und wieder andere würden sich mit Selbstvorwürfen wie „Ich bin eben nicht so interessant wie …“ selbst das Leben schwer machen.

Wie Eifersucht die Freund*innenschaft zerstören können

Darunter leidet die Freund*innenschaft. Zum ernsten Problem werde Neid und Eifersucht, „wenn es bei der neidischen Person nur noch dieses eine Thema gibt und der Selbstwert so weit sinkt, dass sie sich generell im sozialen Raum nicht mehr wohlfühlt – oder sie nur damit beschäftigt ist, den Freund oder die Freundin auszustechen“, sagt Smutny.

Die Folgen reichen von übersteigertem Konkurrenzverhalten, Vorwürfen und ständigen Streitereien bis zu Rückzug, Depression und sogar Hass. Vertrauen, Kommunikation und Nähe verschwinden. Die Freund*innenschaft wird mürbe. Bis sie schließlich zerbricht.

Das tut weh und dieser Schmerz geht nicht ohne Weiteres weg. Es bleibt eine Narbe. „Vertrauens- und Selbstwertprobleme können sich dann in weiteren Freund*innenschaften fortsetzen“, erläutert die Psychologin. „Ähnlich wie bei einer Liebesbeziehung, aber in abgeschwächter Form.“

Je niedriger der Selbstwert, desto größer der Neid.

Katharina Smutny

Vollständig vermeiden ließen sich Eifersucht und Neid unter Freund*innen trotz allem nicht, sagt Katharina Smutny. „Sobald es sich um ein soziales Gefüge handelt, gibt es Vergleiche und Neid,“ so die Psychologin. Das sei in einer Freund*innenschaft nicht anders als im beruflichen Umfeld, Hobby oder Verein. „Je nachdem, wie stark das Thema ’sich messen‘ bei jemandem ausgeprägt ist. Je niedriger der Selbstwert, desto größer der Neid.“

Entscheidend ist also nicht der Versuch, Neid und Eifersucht komplett zu eliminieren, sondern vielmehr, einen gesunden Umgang damit zu finden.

Bin ich das Problem?

Der erste und wichtigste Schritt ist Ursachenforschung. Dazu gehört der schonungslose Blick in die eigene Seele. Das sei laut Katharina Smutny besonders dann hilfreich, wenn dieses Thema in verschiedenen Freund*innenschaften immer wieder auftauche. Dann gelte es, den eigenen Selbstwert aufzubauen und die Vergleiche abzustellen.

Man kann das Selbstwertgefühl zum Beispiel steigern, indem man jeden Abend aufschreibt, was man gut gemacht hat.

Dr. Wolfgang Krüger

Wie sich der Selbstwert konkret aufbauen kann, erklärt Dr. Wolfang Krüger: „Man kann das Selbstwertgefühl zum Beispiel steigern, indem man jeden Abend aufschreibt, was man gut gemacht hat.“ Das ruft Erfolge und positive Erfahrungen ins Gedächtnis und gleicht eventuelle Unausgewogenheiten in der Selbstwahrnehmung aus. Außerdem könne man Freunde bitten, aufzuschreiben, was sie an einem schätzen, rät Dr. Krüger. Dabei kann unerwartet Zauberhaftes zutage kommen – quasi Flausch für die Seele.

Eine weitere gute Maßnahme sei auch, Komplimente annehmen zu lernen und Freund*innen nicht abzublocken, wenn sie was Nettes sagen. „All das hilft vor allem bei geringer und mittlerer Eifersucht“, sagt Dr. Krüger. Wenn das Gefühl jedoch tiefer sitze, sei ein Blick in die Kindheit hilfreich – je unzuverlässiger die Bindungen, desto geringer der Selbstwert und desto höher die Verlustangst.

Ist die andere Person das Problem?

Es könne aber auch umgekehrt sein, ergänzt die Psychologin Katharina Smutny, dass man das Problem nur mit einem ganz bestimmten Freund oder einer speziellen Freundin habe. Dann sei es sinnvoll zu überlegen, was genau an dieser Freund*innenschaft anders sei: „Vielleicht hält diese Person immer ihre eigenen Erfolge hoch, will sich zu sehr vergleichen. Dann kann ein Gespräch helfen.“

Nun sind Neid und Eifersucht aber keine sonderlich angenehmen Themen; sie anzusprechen, kann schwerfallen. Grundsätzlich gelten auch hier die Klassiker: Eine ruhige Atmosphäre ohne Zeitdruck, möglichst Ich-Botschaften formulieren und keine Kaskade von Vorwürfen über dem*der anderen auskippen.

Wenn man selbst neidisch und eifersüchtig sei, wenn es zum Beispiel nerve, dass der*die Freund*in sich kontinuierlich mit Lebenserfolgen brüste, dann könne man das laut Dr. Wolfgang Krüger ruhig thematisieren. Nach dem Motto: „Ich freue mich aufrichtig von Herzen für dich, wir feiern dich jetzt noch einmal ordentlich zusammen ab – und dann ist erst mal Ruhe damit, ok?“

Es sei in einer stabilen Freund*innenschaft auch in Ordnung zu sagen: „Ich fühle mich neben dir klein und mickrig und zwar aus folgenden Gründen.“ In den allermeisten Fällen habe der*die andere nämlich keine Ahnung, was er*sie da auslöse – wer möchte schon bewusst erreichen, dass sich Freund*innen schlecht fühlen?

Was tun, wenn mein*r Freund*in auf mich eifersüchtig ist?

„Man muss es aber auch ansprechen, wenn Freunde oder Freundinnen eifersüchtig reagieren“, sagt Dr. Krüger. Hier seien laut Dr. Krüger besonderes Einfühlungsvermögen sowie Wertschätzung gefragt: „Es ist wichtig zu betonen, dass man diese Person sehr schätzt und nur etwas sagt, um diese gute Freund*innenschaft zu bewahren.“ Dazu gehöre auch das Angebot, an sich selbst etwas zu verändern, um den Konflikt zu überwinden.

Generell sei es immer gut, offen und konstruktiv über Gefühle zu reden. „Vielleicht fällt im Gespräch auf, dass der oder die andere auch auf Dinge, die man selbst gut kann, neidisch ist“, sagt Katharina Smutny. „Damit merkt man, worin man selbst gut ist, dass der oder die andere nicht in allen Belangen besser und selbst auch unsicher ist.“ Auch das helfe dabei, den Selbstwert zu stärken und wieder Nähe und Augenhöhe herzustellen.

Eine Freund*innenschaft, in der man sich nicht zuhört und keine Rücksicht auf die Gefühle des*der anderen nimmt, verdient den Namen nicht.

Wer sich zu sehr auf ein*e Freund*in fokussiert und deshalb eifersüchtig ist, tut laut der Freund*innenschaftsexpertin auch gut daran, den eigenen Kreis zu erweitern und so für Entspannung und emotionale Entlastung zu sorgen: „Es ist gesünder, eine Handvoll Freund*innen und einige Bekannte zu haben“, meint Katharina Smutny.

Wenn jedoch alle Lösungs- und Gesprächsversuche ins Leere laufen und sich nichts ändert, könne entweder ein wenig Distanz gut tun – oder die Freund*innenschaft unter Umständen ein Ende finden. Denn eine Freund*innenschaft, in der man sich nicht zuhört und keine Rücksicht auf die Gefühle des*der anderen nimmt, verdient den Namen nicht.