Was ein Mensch mit Behinderung über diese neuen Emojis denkt

13 neue Emojis sollen die „Wirklichkeit von Menschen mit Behinderungen“ abbilden. Wir haben bei Raúl Krauthausen, Aktivist für Inklusion und Barrierefreiheit, nachgefragt, ob er sich von ihnen repräsentiert fühlt.

Die neuen Emojis: Rollstuhlfahrer*innen, ein Hörgerät, Assistenzhunde oder Menschen, die einen Gehstock verwenden. Screenshot I Twitter

Apple beschreibt in einem Vorschlag 13 neue Emojis, die Menschen mit Behinderung berücksichtigen sollen. Darunter befinden sich etwa Rollstuhlfahrer*innen, ein Hörgerät, Assistenzhunde oder Menschen, die einen Gehstock verwenden. Zählt man verschiedene Hautfarben und Geschlechter, entstehen mit den Vorschlägen 45 neue Emojis.

Die Vertreter*innen des Unicode-Konsortium werden nun im nächsten Monat über die neuen Emojis entscheiden. Stimmen sie dafür, würden sich die Emojis ab dem nächsten Jahr auf unseren Handys wiederfinden. Das Unternehmen will damit Bewusstsein für Menschen mit Behinderung schaffen und sie besser repräsentieren. „Es gibt derzeit schon eine große Auswahl von Emojis, aber Menschen mit Behinderungen fühlen sich von ihnen möglicherweise nicht repräsentiert“, heißt es.

Raúl Krauthausen gehört zu genau diesen Menschen, die Apple durch die neuen Emojis ansprechen will. Wir haben nachgefragt, ob er sich durch die neuen Emojis repräsentiert fühlt und ob sie zu einer barrierefreien Gesellschaft beitragen können.

Raul Krauthausen Porträt
„,Mensch mit Behinderung‘ finde ich eine gute Bezeichnung, weil es den Menschen an die erste Stelle setzt. Am besten finde ich aber Bezeichnungen, die nicht unbedingt was mit meiner Behinderung zu tun haben. Einmal habe ich gelesen: ,Der Mann mit Mütze‘ – das fand ich super.“ © Esra Rotthoff 2013

ze.tt: Wie findest du die neuen Emojis?

Raúl Krauthausen: Ich finde, es ist eine nette Geste. Die Icons wirken modern und selbstbestimmt. Grundsätzlich ist es immer schön, wenn auch in unserer Online-Kommunikation die Vielfalt einer Gesellschaft abgebildet wird.

Gibt es auch etwas, das du blöd daran findest?

Die Personen im manuellen Rollstuhl wirken etwas unbeholfen. Gute Aktivrollstühle sind dynamischer und moderner. Die sehen doch sehr nach dem Krankenhaus-Modell aus.

Durch den Vorschlag soll die „Wirklichkeit von Menschen mit Behinderungen“ gezeigt werden. Gelingt das?

Ja, auf der einen Seite schon. Auf der anderen Seite wären Emojis, die Barrieren beziehungsweise Barrierefreiheit kommunizieren gut: Treppen, Rampen, Aufzüge und so weiter. Ich weiß, dass Apple keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhoben hat, aber mir fehlt schon auch ein bisschen der gemeinschaftliche Charakter. Also Emojis mit und ohne Behinderung, die einer Aktivität nachgehen oder eine Freundschaft abbilden.

Es gibt zum Beispiel dieses Tanz-Emoji und da wäre es doch schön, wenn einer der beiden Tanzpartner*innen im Rollstuhl sitzen würde.“

Was würde unsere Gesellschaft wirklich barrierefreier machen?

Apps, die Barrierefreiheit mitdenken, wären meiner Meinung nach sinnvoller. Es wäre super, wenn rollstuhlfahrende Menschen endlich via App ein rollstuhlgerechtes Taxi bestellen könnten. Oder wenn Apps und Webseiten des öffentlichen Personennahverkehrs anzeigen würden, ob Aufzüge gerade außer Betrieb sind oder nicht.

Es wäre natürlich auch toll, wenn Software-Entwicklungen für alle zugänglich wären, zum Beispiel die Objekterkennung in Bildern, die dann für blinde Menschen in der Sprachausgabe als Bildbeschreibung ausgegeben wird. Die Emojis sind ein schöner Schritt. Richtige Inklusion erreichen wir aber erst dann, wenn Menschen mit Behinderung nicht nur als Konsument*innen gesehen werden, sondern auch als Produzent*innen, die in den Unternehmen arbeiten. Denn dann würden die Emojis auch nicht erst 2019 kommen, sondern schon lange da und selbstverständlich sein.


Raúl Aguayo-Krauthausen ist 1980 in Peru geboren und lebt heute in Berlin. Sein zweites Zuhause ist das Netz. Dort twittert, bloggt und postet er über die Dinge, die ihn bewegen. Gemeinsam mit weiteren Mitstreiter*innen gründete er mit Sozialhelden e.V. und AbilityWatch e.V. zwei gemeinnützige Vereine und setzt sich dort als Aktivist, Redner und Berater für Inklusion und Barrierefreiheit ein.