Was fast alle Frauen nach dem Abbruch einer Schwangerschaft fühlen? Erleichterung

Gesundheitsminister Jens Spahn möchte für fünf Millionen Euro die psychischen Folgen eines Abbruchs untersuchen lassen. Dabei sind die Ergebnisse längst klar, wie eine aktuelle Studie zeigt.

studie-schwangerschaftsabbruch-usa
Die richtige Entscheidung getroffen. Foto: Eli DeFaria / Unsplash | CC0

Was fühlen ungewollt schwanger gewordene Frauen nach einem Schwangerschaftsabbruch? Sind sie traurig? Fühlen sie sich schuldig oder sogar depressiv? Ein US-Forscherinnenteam beantwortet die Frage nun ein weiteres Mal deutlich: Sie empfinden vor allem Erleichterung.

Das Argument, Frauen könnten einen Schwangerschaftsabbruch später bereuen und psychische Probleme entwickeln, hält sich hartnäckig. Dabei sei die wissenschaftliche Grundlage dafür dürftig, schreiben die US-Wissenschaftlerinnen um Corinne Rocca, die bereits 2015 die sogenannte Turnaway Study vorgelegt haben. Darin wurden 667 Frauen nach einem Abbruch über einen Zeitraum von drei Jahren begleitet und mehrmals befragt.

Die wichtigsten Ergebnisse: Eine Woche nach dem Eingriff und auch drei Jahre später gaben 95 Prozent der Teilnehmerinnen an, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Die Frauen wiesen kein höheres Risiko für Depressionen oder andere psychische Erkrankungen auf. Ob es das sogenannte Post-Abortion-Syndrom überhaupt gibt, ist ohnehin umstritten. Von der Weltgesundheitsorganisation wird es nicht als psychische Beeinträchtigung anerkannt.

Nun haben Rocca und ihr Team nachgelegt und untersucht, welche Gefühle die Frauen mit ihrem Schwangerschaftsabbruch assoziieren und wie sich diese Gefühle verändern. Fünf Jahre nach dem Eingriff geben 99 Prozent an, dass sie ihre Entscheidung nicht bereuen. Die allermeisten fühlen sich erleichtert. Die Forscherinnen fanden außerdem heraus, dass, je länger der Abbruch zurückliegt, immer mehr Frauen keine oder kaum Emotionen damit verbinden. Das sagten nach fünf Jahren zwei Drittel der Befragten.

Die Angst, für einen Schwangerschaftsabbruch verurteilt zu werden

Obwohl Untersuchungen wie diese vorliegen, plant das Bundesgesundheitsministerium unter Jens Spahn, in den kommenden fünf Jahren bis zu fünf Millionen Euro für Forschungsprojekte auszugeben, die sich damit beschäftigen, wie Frauen mit einem Schwangerschaftsabbruch umgehen und diesen verarbeiten. Das war Teil des Kompromisses von CDU/CSU und SPD zum Paragrafen 219a im vergangenen Jahr.

Ob Frauen nach einem Schwangerschaftsabbruch zweifeln und negative Gefühle entwickeln, hängt laut der Studie übrigens unter anderem davon ab, welche Reaktionen sie aus ihrem Umfeld zu erwarten hätten. Frauen, die damit rechneten, sozial geächtet oder verurteilt zu werden, fiel die Entscheidung für einen Abbruch schwerer und sie waren danach häufiger traurig.