Was ist #aufstehen von Sahra Wagenknecht?

Seit Samstag ist die linke Sammlungsbewegung #aufstehen auch online. Ziel sei es, parteiübergreifend den öffentlichen Diskurs zu beeinflussen. Die gehoffte Unterstützung aus der Politik ist bislang rar.

Linke Sammelbewegung: Was ist #aufstehen von Sahra Wagenknecht?

Thomas, Unternehmer: "Managergehälter in Millionenhöhe finde ich zum Kotzen." Screenshot: aufstehen.de

In roten Lettern leuchtet #aufstehen – Die Sammlungsbewegung von ganz oben auf der Webseite. Darunter ein Werde-Teil-der-Bewegung-E-Mail-Anmeldekasten, zwölf Videos und sechs Fotos. Dazwischen zwei Forderungen: „Den Bürgerinnen und Bürgern muss zugehört werden!“ und „Flaschen sammeln darf keine Lösung sein!“ steht da. Samstag starteten die Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht und ihr Mann Oskar Lafontaine den Internet-Auftritt ihrer neuen Initiative #aufstehen.

Bereits seit Monaten macht Wagenknecht dafür Werbung. Es sei ein parteiübergreifendes Projekt, das die sozialen Bedürfnisse der Mehrheit abbilden soll. „Wir möchten vor allem die Vielen erreichen, die sich in den letzten Jahren von der Demokratie abgewandt haben, von den Parteien abgewandt haben“, sagte Wagenknecht im ZDF. Dafür brauche es ein neues unkonventionelles Angebot und neuartige, kreative Politik.

Auf der Seite selbst sucht man nach kreativer Politik und Ansätzen hierzu bislang vergebens. Zwar wird den User*innen gleich zu Beginn durch eine kleine Grafik gezeigt, in welcher Stadt sie sich befinden, ob dort die Sonne scheint oder Regen fällt, wie spät und welcher Tag ist, aber genaue Hintergründe zu #aufstehen findet man nicht.

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Die Videos zeigen Menschen, die mit viel Melancholie, Zeitlupe und trauriger Musik über ihre Sorgen sprechen. Da ist zum Beispiel der Garten- und Landschaftsbauer Wilko, der sich eine bessere Bezahlung für Handwerker*innen wünscht. Oder Sebastian, Student, der sich über die zu langsame Internetverbindung auf dem Land beklagt. Oder DJ Rene, der die mangelnden Kita-Plätze kritisiert. Laut Wagenknecht sollen vor allem diejenigen angesprochen werden, die sich in keiner Partei zu Hause fühlen, um „auf lange Sicht, andere politische Mehrheiten und eine neue Regierung mit einer sozialeren Agenda zu begünstigen.“ Denn die Veränderung der Parteien beginne mit gesellschaftlichem Druck.

Wagenknecht erhofft sich, ein linkes Gegengewicht zur AfD zu schaffen, die bislang den öffentlichen und politischen Diskurs vor allem in Sachen Geflüchtetenpolitik dominiere. Ziel sei es, die sozialen Bedürfnisse der Bevölkerung wieder in den Vordergrund zu holen. Doch die Sammlungsbewegung findet in- und außerhalb ihrer eigenen Partei nicht nur Fürsprecher*innen.

#aufstehen ist umstritten

Laut Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann (SPD) brauche Deutschland die linke Sammlungsbewegung genauso wenig wie die Bierzeltreden von Horst Seehofer. Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner bezeichnete das Projekt auf Facebook gar als „Egotrip notorischer Separatisten“.

Auch aus den eigenen Reihen erfährt Wagenknecht Gegenwind. Die Parteiführung befürchte eine Spaltung oder gar, dass Wagenknecht die Partei mit der Initiative überflüssig machen könnte. Laut Zeit Online kritisierte die Basis, nicht in das Projekt einbezogen zu werden.

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Auch wenn Wagenknecht aneckt, sehen Parteiforscher*innen gute Chancen für das Projekt. So glaubt zum Beispiel Karl-Rudolf Korte, Politikwissenschaftler an der Universität Duisberg-Essen, dass Wagenknecht „Unruhe in die Machtmonotonie der Politik“ bringen und „neuen Oppositionsgeist produzieren“ könnte.

Wie #aufstehen in der Bevölkerung ankommen wird, bleibt abzuwarten. Seit der Veröffentlichung haben mehr als 13.000 Menschen die Facebook-Seite gelikt und etwa 2.400 Menschen den Instagram-Account abonniert. Im September wird die Initiative auch offline starten. Wie das konkret aussehen könnte, wird bislang auf der Webseite nicht erklärt.