Was Menschen davon abhält, eine Therapie zu beginnen

Die Entscheidung, sich in therapeutische Behandlung zu begeben, trifft niemand leichtfertig. Wir haben unsere Leser*innen anonym nach ihren persönlichen Hürden gefragt.

Der Weg in eine Therapie ist viel emotionale Arbeit: Die eigenen Probleme als solche anerkennen. Sich eingestehen, professionelle Hilfe zu brauchen. Den Mut aufbringen, den ersten Anruf zu tätigen. Die Geduld, die teils mühsame Suche nach dem richtigen Therapieplatz auf sich nehmen. Die Stärke finden, mit dem*r Therapeut*in offen über die eigenen Gefühle zu sprechen und eigene Verhaltens- und Gedankenmuster aufzubrechen.

Viele nehmen das Gefühl, nicht mehr allein klarkommen zu können, fälschlicherweise als Schwäche wahr. Aus Angst oder Respekt vor dem therapeutischen Prozess rechtfertigen sie sich, vor sich selbst und anderen, warum eine Therapie für sie gerade nicht infrage kommt: „Anderen geht es viel schlechter als mir“, „Ich will niemandem den Platz wegnehmen“, „Ich weiß nicht, worüber ich dort sprechen soll“. Therapeut*innen wissen meist darum. Sie kennen die Hemmungen ihrer Patient*innen. Sie wissen, wie sie eine Atmosphäre des Vertrauens schaffen, die zum Gespräch anregt und die Angst nimmt. Sie stellen ihre Fragen bestmöglich so, dass sich Patient*innen nicht bewertet oder falsch fühlen.

Lerne, dich zu überwinden

Einer Person, die Angst hat, zu sagen, dass sie keine Angst haben muss, ist meist nicht zielführend. Am Ende muss sich jede*r selbst und aus freien Stücken für eine Therapie entscheiden. Das Dilemma dabei: Wer therapeutische Hilfe braucht, ist vielleicht gerade deshalb nicht in der Lage, die eigenen Ängste zu überwinden oder hat nicht die Kraft, sich auf die mühsame Suche nach einem der begehrten Therapieplätze in Deutschland zu begeben. Und wer sich schon früher darum kümmern möchte, um notfalls gewappnet zu sein, wird womöglich von Krankenkassen, Ärzt*innen, Therapeut*innen abgewiesen, weil die Probleme nicht akut genug scheinen.

Die Angst vor einer Therapie mag irrational sein. Trotzdem ist sie für viele Realität und damit legitim und ernstzunehmen. Was bleibt, ist die Aufgabe, sich selbst zu überwinden. Was vielleicht dabei helfen kann, ist das Wissen, damit nicht alleine zu sein. Wir haben deshalb die ze.tt-Community anonym gefragt, was sie davon abhält, zur Therapie zu gehen. Unter den vielen Antworten haben sich die eben bereits Erwähnten hervorgetan: Die Angst, dass die eigenen Probleme nicht schlimm genug sind, also nicht ernst genommen werden könnten. Und die mühsame Suche nach einem freien Platz. In unserer Galerie oben im Artikel findet ihr die ganze Auswahl der Antworten.