Was sich Désirée Nick und Claudia Obert bei „Promis unter Palmen“ leisten, ist selbst für Trash-TV zu hart

Das Konzept? Banal. Die Promis? So C wie nur irgendmöglich. Eigentlich hat Promis unter Palmen alles, um Reality-TV-Gold zu sein. Aber der Groll zweier Kandidatinnen ist schwer zu ertragen. Eine Kritik

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Désirée Nick: "Ich bin eine ständige Provokation durch meine Existenz." Foto: SAT.1/Richard Hübner

„Beweg‘ deine Fresse aus der Kamera“, schreit Désirée Nick ihre Konkurrentin Claudia Obert an. Daraufhin setzt Gebrüll ein, die Szene endet in einer kleinen Handgreiflichkeit.

Schon in der ersten Folge wird klar, warum sich die Sat.1-Show Promis unter Palmen in den sozialen Netzwerken zum Trash-TV-Trend entwickelt hat: Die Teilnehmerinnen Désirée Nick und Claudia Obert liefern sich ab Minute eins ihres Wiedersehens einen provokanten Schlagabtausch. Sie kannten sich bereits vor der Show – was genau zwischen ihnen vorgefallen ist, dass sie einander so abgrundtief verachten, ist bislang noch nicht herausgekommen.

Es muss aber etwas Gravierendes zwischen den Frauen geschehen sein. Die Wucht ihrer Worte eskaliert so sehr, dass Mitstreiter Tobias Wegener glatt die Tränen kommen. „Ich glaub, manche machen für Geld echt alles“, wundert sich der ehemalige Big Brother-Teilnehmer.

Wenn selbst den C-Promi-Kandidat*innen der Trash-Grad der Show zu hoch ist, dann ist ein neuer Tiefpunkt im Reality-TV erreicht.

Die Trash-Rethorik von Promis unter Palmen sitzt, die Kandidati*innenauswahl lahmt

Würde man die Sendung nur durch Twitter miterleben, wäre Promis unter Palmen tatsächlich der „Olymp aller Trash-TV-Formate“, wie Nutzer*innen schreiben. Komprimiert auf 280 Zeichen und ein paar lustige Memes hat die Sat.1-Show hohen Unterhaltungswert. Ausgeweitet auf die knapp 110 Minuten, die eine Folge dauert, ist sie aber kaum zu ertragen.

Dabei ist der Einstieg perfekt: Mit grauenvollen Wortspielen und Umschreibungen steht Sat.1 dem Muttersender des Trash-Fernsehens, RTL, in nichts nach. Für „lodernde Leidenschaft, lustige Lebensfreude und viel Leckomio“ sollen zehn prominente Teilnehmer*innen sorgen, die in verschiedenen Aufgaben gegeneinander antreten und am besten gewinnen, um ihren Aufenthalt auf der thailändischen Insel Phuket zu verlängern.

„Promis unter Palmen sind Promis auf der Palme“ – die Hau-drauf-Rhetorik sitzt. „Essen, was gar ist. Trinken, was klar ist. Sammeln, was rar ist. Ficken, was da ist“ – geschmacklose Kommentare der Teilnehmer*innen gibt’s auch. Die Promi-Auswahl ist dagegen ernüchternd: Wer nicht jede Staffel vom Bachelor, Big Brother und Love Island geschaut hat, mag kurz verunsichert sein, ob es sich bei dem Wort „prominent“ tatsächlich um ein Synonym von „berühmt“ handelt. Kandidat*innen wie Carina Spack, Tobias Wegener, Matthias Mangiapane und Janina Pink haben durch eben jene Reality-Formate einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt und auch durch „ein bisschen Internet“, wie Carina Spack es ausdrückt.

Ebenfalls aus dem Netz bekannt dürfte zumindest jüngeren Zuschauer*innen die Boutiquen-Besitzerin und selbsternannte Society-Lady Claudia Obert sein. Allerdings ist ihr Fame eher unfreiwillig: Oberts Lebensweisheiten wie „Geld kommt, Geld geht! Geld ist Liquidität! Darauf trink ich einen“, die sie in Sendungen wie taff zum Besten gab, gehen gerade dank des Instagram-Accounts Galeria Arschgeweih in Form von kultigen Memes viral.

Die Bekannteste in der Phuket-Runde ist Unterhaltungskünstlerin Désirée Nick. Sie hat schon Känguru-Hoden im Dschungel verspeist, als die meisten anderen Kandidat*innen noch im Kinderzimmer von ihrer Reality-TV-Karriere träumten.

Nick vs. Obert, dieser Kampf ist zum Wegschalten schlimm

Im Grunde sind alle Kandidat*innen in den bisher ausgestrahlten Folgen bloß Beiwerk für Nick und Obert. Für Promis unter Palmen holen die zwei alles hervor, was sie über die vergangenen Jahrzehnte im Trash-TV gelernt haben und schocken damit das Publikum – und sogar sich selbst. „Nüchtern halte ich das hier nicht aus“, lamentiert Frau Obert, während Nick gegen sie zetert und wettert.

Wo die beiden aneinandergeraten, entspricht das Format schon nicht mehr den kühnsten Trash-Erwartungen. Es ist eine Schlammschlacht, die auf Dauer selbst bekennende Trash-TV-Liebhaber*innen nervt. Nach einem Schwall besonders giftiger Worte fliegt ein Koffer eine Treppe herunter. Man ist froh, wenn endlich die Werbung einsetzt, bevor noch mehr Handgreiflichkeiten passieren.

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