Was Vorgesetzte gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz tun können

2017 ist vorbei, doch die #MeToo-Debatte noch lange nicht. Und eine wichtige Frage bleibt: Wie gehen Vorgesetzte am besten gegen sexuelle Belästigung und sexualisierte Gewalt am Arbeitsplatz vor?

Wie senkt man das Risiko für sexuelle Belästigung?

Wie senkt man das Risiko für sexuelle Belästigung? Unsplash I CC0-Lizenz

Wie senkt man das Risiko für sexuelle Belästigung?

Bei sexueller Belästigung oder sexualisierter Gewalt am Arbeitsplatz gibt es natürlich schon lange, zumindest in der Theorie, die Möglichkeit, sich gegen diese Übergriffe zu wehren. In jedem Unternehmen gibt es Ansprechpartner*innen, an die man sich in solchen Situationen wenden kann. Das kann der*die Gleichstellungsbeauftragte sein oder jemand aus der Personalabteilung. Und es gibt das bundesweite Hilfetelefon, das betroffene Frauen und Männer berät, wie sie am besten gegen sexuelle Belästigung im Job vorgehen können. Ob die Betroffenen diese Möglichkeiten am Ende nutzen, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

Deshalb ist es umso wichtiger, dass in den Unternehmen, Behörden, Fabriken, einfach an jedem Arbeitsplatz ein Klima herrscht, das das Risiko für sexuelle Übergriffe senkt und Betroffene ermutigt, unbedingt aktiv zu werden. Auf einem Panel des Most Powerful Women Next Gen Summit des Magazins Fortune schlugen die Panel-Teilnehmenden einige Maßnahmen vor, die Vorgesetzte einfach umsetzen können und die effektiv eine Atmosphäre entstehen lassen, die das Risiko für sexuelle Übergriffe senkt. Welche Vorschläge das waren, haben wir uns für euch genauer angeschaut:

1. Kein Schutz für Täter*innen

Niniane Wang ist Gründerin und CEO des Start-ups Evertoon, das kürzlich von dem US-amerikanischen Entwicklerstudio Niantic übernommen wurde. Und sie ist eine von sechs Frauen, die im Juni 2017 dazu beitrugen, dass Justin Caldbeck, ein bekannter Risikokapitalgeber im Silicon Valley, zurücktrat, nachdem die Frauen Anschuldigungen gegen ihn wegen sexueller Übergriffe öffentlich gemacht hatten.

Sie plädierte auf dem Panel dafür, Täter*innen nicht dadurch zu schützen, dass betroffene Frauen von Vorgesetzten dazu gedrängt werden, Geheimhaltungsvereinbarungen zu unterschreiben.

2. Den Opfern unbedingt Glauben schenken

Die Filmproduzentin Amy Ziering greift in ihrem Film The Hunting Ground Vergewaltigungen an US-amerikanischen Universitäten auf. Ihr wichtigster Rat klingt erst mal ganz selbstverständlich: Man solle den Überlebenden glauben. Noch vor zwei Jahren, als ihr Film entstand, sei das eine geradezu kühne Aufforderung gewesen. Jetzt, nach der Debatte um #MeToo, habe eine „wahnsinnig spannende, neue Zeit“ begonnen: „Das ist ein einmaliger Moment. Wir müssen ihn packen und nicht mehr loslassen, wir dürfen uns nicht mehr zurückbewegen“, sagt sie.

3. Den vorgesehenen Rechtsweg nutzen

Michele Landis Dauber ist Jura-Professorin in Stanford – und rief Frauen auf dem Panel dazu auf, immer von ihrer Möglichkeit Gebrauch zu machen, Täter*innen nach geltenden Gesetzen zur Verantwortung zu ziehen.

Dauber ist federführende Initiatorin einer Kampagne, mit der der Richter Aaron Persky zum Rücktritt bewegt werden soll. Persky wurde einer großen Öffentlichkeit bekannt als der Richter, der den Elite-Studenten Brock Turner zu nur sechs Monaten Gefängnis und drei Jahren auf Bewährung verurteilt hatte. Turner hatte eine bewusstlose Studentin missbraucht, der Fall hatte in der US-amerikanischen Öffentlichkeit für enormes Aufsehen gesorgt.

4. Für ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis sorgen

Arbeiten für ein Unternehmen in etwa gleich viele Frauen und Männer, und das auf allen Hierarchieebenen, könnten sich sexuelle Übergriffe von selbst erledigen, sagte Christa Quarles, Chefin der Reservierungsplattform Opentable: „Wenn du bei der Hälfte angelangt bist, fallen viele Probleme automatisch weg.“

5. Lass dein Gesicht für dich sprechen

Niniane Wang hat noch einen Rat für alle, die entweder nicht mutig genug oder nicht in der Position sind, die vorher genannten Dinge anzustoßen. Man könne trotzdem etwas verändern: „Allein indem du die Stirn runzelst oder missbilligend blickst, wenn jemand einen Kommentar oder einen Witz macht, der dir nicht gefällt. Und mit der Zeit kannst du dich steigern und dich trauen, auf den Tisch zu hauen und zu sagen, was dir nicht passt!“


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