Corona-Krise: Weil normale Kinos zu haben, sind Autokinos wieder ein Ding

Während alle anderen Kultureinrichtungen schließen mussten, haben Autokinos weiterhin geöffnet. Doch auch dort gibt es neue Regeln.

Coronavirus - Autokino
Das Autokino in Essen hat den Betrieb trotz Corona-Krise wieder aufgenommen. Foto: Fabian Strauch/dpa

Wegen der Corona-Krise müssen Kino-Betreiber*innen ihre Spielstätten schließen. Wie für Restaurants, Clubs und Theater ist das für die bundesweit etwa 1.700 Kinos eine finanziell schwere Zeit. Auch deshalb, weil für Ostern die Veröffentlichung vieler Blockbuster geplant war, die viel Geld eingebracht hätten. Doch die Verleihe haben die Starts des James-Bond-Films No Time To Die, der Disney-Realverfilmung Mulan oder der Horrorfortsetzung A Quiet Place 2 verschoben.

Autokinos jedoch können weiterhin in Betrieb bleiben. Die DWJ GmbH, der bundesweit größte Anbieter von Autokinos, hatte ihre fünf Standorte Mitte März freiwillig geschlossen. Doch inzwischen sind die Kinos in Köln-Porz, Essen und Stuttgart-Kornwestheim wieder offen – und es ist gut was los. Die Vorführungen sind regelmäßig ausverkauft. Jedes Kino bietet maximal Platz für 1.000 Fahrzeuge.

Zu ze.tt sagt Theaterleiter Heiko Desch, dass die Autokinos neben Stammkund*innen zurzeit auch viele neue Besucher*innen gewinnen. „Wir sehen das auch als Chance, dass die Begeisterung so bleibt, wenn sich der Betrieb nach der Corona-Krise normalisiert“, sagt er.

Ordner*innen kontrollieren im Autokino, dass niemand aussteigt

Der Besuch gestaltet sich ein bisschen anders als sonst. „Es läuft alles kontaktlos“, erzählt Desch. Zurzeit gibt’s Tickets ausschließlich online, am Eingang würden sie durch die geschlossenen Fenster abgescannt. Im Fahrzeug dürfen nur zwei Personen sitzen. Das bedeutet trotz Ticketausverkauf Einbußen für den Autokinobetreiber: Im Autokino bezahlt man ebenfalls pro Person, nicht pro Fahrzeug. Der Verkauf von Snacks und Getränken ist gestoppt. Dafür bieten Desch und sein Team jetzt mehr Vorführungen an.

Während im Normalbetrieb freitags, samstags und an Feiertagen je zwei Vorstellungen stattfinden, bieten die Kinos jetzt täglich Programm. Weil kein neuer Filmnachschub kommt, läuft das Beste aus den vergangenen Monaten, unter anderem die Känguru-Chroniken, Der Disney-Film Onward und Bad Boys 2. Um auch mehr Kinderprogramm anzubieten, experimentiert das Team erstmals mit Mini-Led-Leinwänden von 25 Quadratmetern Größe. Darauf laufen Das Dschungelbuch und Die Eisprinzessin 2 für Eltern und ihre Kinder.

Um zu kontrollieren, ob sich die Besucher*innen an das Kontaktverbot halten, seien „zehn Ordner auf dem Platz im Einsatz“, berichtet Heiko Desch. Die Ordner*innen passen auf, dass niemand zum Beispiel zum Rauchen das Auto verlässt oder mit anderen Zuschauer*innen ins Schwatzen kommt.

Und noch etwas hat sich geändert: „Wir bekommen gerade viele Anfragen“, sagt Desch, Künstler*innen würden Konzerte oder Lesungen in den Autokinos veranstalten wollen. Das blockt der Kinobetreiber allerdings bisher ab. „Wir haben ja nur eine Genehmigung für den Autokinobetrieb.“ Eine Sonderveranstaltung Mitte April gibt es, wenn die Band Brings im Kölner Kino auftritt. „Die Ausnahme ist aber schon vorher von der Stadt genehmigt worden“, so Desch. Ab dem 20. April werde sich das Team allerdings Gedanken machen, auch andere Events zu ermöglichen, wenn die Schließung von Kulturbetrieben verlängert würde.


Wie funktioniert ein Autokino?

Autokinos befinden sich meist außerhalb von Städten, denn sie brauchen viel Platz: Vor den riesigen Leinwänden müssen mehrere Hunderte Autos parken können. Den Ton hört man übers Radio: Wenn man eine bestimmte Frequenz einstellt, kann man von jedem Auto aus den Sound hören. Günstiger als ein herkömmliches Kino ist ein Autokino nicht – die Preise zahlt man pro Person, nicht pro Fahrzeug.

Autokinos waren früher mal sehr beliebt. Das erste deutsche Kino öffnete am 31. März 1960 in Gravenbruch. Innerhalb der ersten fünf Monate kamen damals 250.000 Besucher*innen, um sich Vorführungen anzusehen. In Zeiten, in denen die Menschen Filme lieber bei Netflix und Co. streamen, verlieren die Kinos generell und somit auch die Autokinos immer mehr Zuschauer*innen. Bei vielen dürfte auch der Umweltaspekt eine Rolle spielen: Um in einem Autokino Filme zu gucken, braucht man – natürlich – ein Auto. Und die sind ja bekanntlich alles andere als super fürs Klima.