Weltraumorganisationen zahlen 16.500 Euro dafür, dass man zwei Monate im Bett bleibt

Um die Auswirkungen von Schwerelosigkeit auf den menschlichen Körper zu erforschen, startet das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt eine Bettruhe-Studie.

Liegen-Bett-NASA-ESA

Liegen bleiben für die Forschung. Foto: Danny G / Unsplash | CC0

Wenn der Wecker klingelt, wünscht man sich oft nichts mehr, als noch fünf Minuten im Bett liegen zu können. Oder am besten den ganzen Tag. Im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) wird dieser Wunsch jetzt Realität. Denn wenn eine bemannte Mission zum Mars gelingen soll, müssen die Auswirkungen von langen Perioden der Schwerelosigkeit auf den menschlichen Körper erst genauer erforscht werden. Dafür suchen Wissenschaftler*innen von NASA und der Europäischen Weltraumorganisation ESA nun 24 Freiwillige, die für 60 Tage im Bett bleiben. Die Versuche werden in Köln durchgeführt und mit 16.500 Euro für den gesamten Zeitraum vergütet.

Bewerben kann sich, wer gesund und zwischen 24 und 55 Jahren alt ist, nicht raucht und Deutsch spricht. Der Versuch wird einen Zeitraum von 89 Tagen zwischen September und Dezember 2019 umfassen, von denen 60 komplett liegend verbracht werden. Wichtig dabei: Die Betten sind so angelegt, dass die Beine leicht erhöht liegen. Außerdem gibt es keine Kopfkissen. So sollen der Muskelabbau unterstützt und die Bedingungen des Weltraums bestmöglich imitiert werden. Denn bisherige Ausflüge ins Weltall zeigten: Muskelabbau und eine sinkende Knochendichte ließen sich in Schwerelosigkeit bisher nicht vermeiden.

Künstliche Schwerkraft für dichtere Knochen

Auf die Bettphase folgen zwei Wochen Reha, bei der der Körper wieder gekräftigt werden soll. Die Reha-Phase orientiert sich an dem Prozess, den auch Astronaut*innen nach ihren Missionen durchlaufen.

Für den Versuch werden die Proband*innen in zwei Gruppen eingeteilt. Die eine wird in regelmäßigen Abständen eine spezielle Zentrifuge aufsuchen. Mit der könnte bei Missionen im Weltall unter Umständen künstliche Schwerkraft erzeugt werden, die sich positiv auf die Körper der Astronaut*innen auswirkt. Die andere Gruppe bleibt durchgängig liegen. Der Versuch in Köln soll zeigen, ob kurze Momente der Gravitation positive Auswirkungen auf die Gesundheit haben.

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Die Kurzarm-Humanzentrifuge soll künstliche Schwerkraft erzeugen. Foto: DLR

60 Tage liegen  – wird das nicht langweilig?

Wichtig ist, dass die Proband*innen in der Bettphase wirklich alle Tätigkeiten im Liegen ausführen: Eine Toilette benutzen, sich waschen, essen. Um Langeweile vorzubeugen, werden die Proband*innen dazu angeregt, die Zeit zu nutzen, um Onlinekurse zu absolvieren, zu lesen oder eine Sprache zu lernen. Besucher*innen dürften allerdings nicht empfangen werden.

Um die Gesundheit der Proband*innen nicht zu gefährden, werden sie von einem Team aus Ärzt*innen, Wissenschaftler*innen, Ernährungsberater*innen und Physiotherapeut*innen begleitet. Nach dem Versuch wird es im Abstand von einem, drei, zwölf und 24 Monaten zu Nachuntersuchungen kommen.