Wenn du diese 12 Serien nicht kennst, hast du 2019 nicht richtig gelebt

Du hast Modern Love noch nicht geguckt und keine Ahnung, was Russian Doll ist? Hier kommt unser Jahresrückblick der wichtigsten Serien, die 2019 erschienen sind.

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2019 sind viele gute Serien fortgeführt worden, es sind aber auch eine Reihe ganz neuer hervorragender Serien gestartet. Filmstills: Netflix, Amazon, Home Box Office

Chernobyl

Die Serie Chernobyl basiert auf dem Reaktorunglück vom 26. April 1986 im Atomkraftwerk Tschernobyl nahe der ukrainischen Stadt Prypjat. In düsteren Bildern gelingt es den Macher*innen, die Bedrohung der Strahlenbelastung nach der Reaktorexplosion spürbar werden zu lassen. Besonders gelobt wurde die Serie für ihre detailgetreue Darstellung des Lebens in der Sowjetunion: Die Frisuren der Akteur*innen, die aus heutiger Sicht dürftige Arbeitskleidung des Kraftwerkspersonal und die Wohnungsausstattung in den Plattenbauten vermitteln laut Zeitzeug*innen einen realistischen Eindruck.

Sex Education

Mag Sex Education auf den ersten Blick wie eine komödiantische Teenieserie aussehen, ist sie auf den zweiten so viel mehr. Denn von der Hauptperson, dem 16-jährigen Otis (Asa Butterfield) können nicht nur seine Mitschüler*innen lernen, denen er bei sexuellen Problemen mit Rat zur Seite steht. Am Ende nimmt man für sich selbst einiges mit, wie man in Zukunft über sexuelle Probleme offen(er) sprechen kann. Charmant und mit trockenem britischem Humor erzählt, verlieren auch die unangenehmsten Themen an Peinlichkeit.

When They See Us

Der sogenannte Central-Park-Jogger-Fall ist einer der prominentesten Kriminalfälle der 1980er Jahre in den USA. 1989 wurde die damals 28 Jahre alte Trisha Meili im Central Park in New York überfallen und vergewaltigt. Fünf Schwarze Jugendliche wurden für das Verbrechen verantwortlich gemacht. Wie sich später herausstellte: zu Unrecht. Die Miniserie When They See Us erzählt in vier Folgen den Fall der sogenannten Central Park Five nach. Dabei zuzusehen, wie die Willkür der Polizei das Leben junger Menschen zerstört, bewirkt, dass man sich ganz tief in seinem Sofa verstecken will.

Modern Love

In acht Episoden erzählt die Dramedyserie Modern Love unterschiedliche Beziehungsgeschichten – von Dating und Kennenlernen bis zum Sterben eines Partners. In Episode drei spielt Anne Hathaway beispielsweise die bipolare Figur Lexi: Ihre Hochs sind als Musicals inszeniert, Lexi tanzt aufgestylt durch einen Supermarkt und lernt dort einen Mann kennen. Ihre Tiefs sind in tristen Farben gehalten, gleichgültig und im Schmusehoodie trifft Lexi ihre Supermarktbekanntschaft zum Date. Das Schöne an allen Geschichten: Jede Folge hat ein Happy End und lässt auch ausweglose Beziehungssituationen lösbar erscheinen.

Love, Death & Robots

Jede Folge von LoveDeath & Robots ist anders – nicht nur inhaltlich, sondern auch visuell. Die 18 Folgen bewegen sich zwischen Sci-Fi, Fantasy und Comedy, mal sind sie bloß fünf Minuten lang, mal 20, mal kommen sie als Animations-, mal als Zeichentrick-, mal als Realfilm daher. Dabei geht es oft brutal zu, daher ist die Serie ab 18. Am sehenswertesten finden wir diese Folgen: 3, 6, 7 und 14.

Russian Doll

In jeder der acht Folgen kommt Nadja (Natasha Lyonne) auf unterschiedliche Arten ums Leben, um wieder bei ihrer 37. Geburtstagsparty zu starten. Die Serie kommt in körniger Indiefilm-Optik daher. Der Soundtrack ist eine zeitgemäße Melange aus Pop, Folk und Rock. Vor allem ist es aber die Hauptfigur, die Russian Doll so gut zum Zeitgeist passen lässt. Natasha Lyonne verkörpert Nadia mit rauer Coolness, traurigem Blick und viel Selbstironie.

Euphoria

Rue Bennett (Zendaya) ist 17 und ein Junkie. In Euphoria führt sie im Voiceover durch ihre Drogen- und Coming-of-Age-Geschichte; die Episoden widmen sich aber auch den Geschichten der Menschen in Rues Umfeld. Dabei zeigt Euphoria offen Cyber-Mobbing, sexualisierten Missbrauch und Gewalt und hat in den USA entsetzte Kritiken provoziert. Aber genau diese Offenheit mit ernsten Problemen von Jugendlichen ist es, welche die Charaktere in Euphoria so gelungen und die Serie so sehenswert macht.

The Umbrella Academy

Am 1. Oktober 1989 werden 43 Kinder geboren – ohne, dass ihre Mütter zuvor schwanger waren. Der Milliardär Sir Reginald Hargreeves adoptiert ein paar der ungewollten Neugeborenen und zieht sie auf. Allerdings weniger wie ein liebender Vater als vielmehr wie ein strenger Schulrektor, der seine Schützlinge mit groben Methoden zu Superheld*innen ausbildet. Als ihr Adoptivvater viele Jahre später stirbt, kehren Luther, Diego, Allison, Klaus, Fünf, Ben und Vanya in die Umbrella Academy zurück und arbeiten ihre verkorkste Jugend auf, während sie parallel noch das Böse bekämpfen. Das ist witzig und traurig und ziemlich spannend.

Unbelievable

Ein 18-jähriges Mädchen wird vergewaltigt und niemand glaubt ihr. Was unfassbar klingt, ist die wahre Geschichte einer jungen Frau, die in einer achtteiligen True-Crime-Serie auf Netflix läuft. Meine Kollegin Sophia schreibt in ihrem Text, dass die Dramaserie eindrücklich beleuchtet, wie mit Betroffenen von sexueller Gewalt umgegangen wird – und wie mit ihnen umgegangen werden sollte. Die Serie ist nicht nur spannend anzuschauen, sie erhält durch die Darstellung unterschiedlicher Ermittlungsarbeiten auch noch eine wichtige Metaebene.

Undone

Nach einem Autounfall hat Alma (Rosa Salazar) Visionen, in denen sie ihren toten Vater Jacob (Bob Odenkirk) sieht. Er behauptet, nicht bei einem Unfall ums Leben gekommen, sondern ermordet worden zu sein. Jacob bringt ihr bei, durch die Zeit zu reisen, um den Mord zu verhindern. Hat Alma eine Posttraumatische Belastungsstörung oder ist das, was sie sieht, real? Amazons Dramedyserie ist im Rotoskopie-Verfahren produziert worden: Auf Realfilmmaterial legten die Macher*innen nachträglich Animationen. Dadurch ist Undone visuell grandios und trotz der ernsten Story ziemlich witzig.

How To Sell Drugs Online (Fast)

Die dritte Netflix-Serienproduktion aus Deutschland widmet sich dem Lieben und Leiden einer Gruppe Generation-Z-Teenager. Das bedeutet auch: Große Teile ihrer Kommunikation findet nicht von Angesicht zu Angesicht gesprochen, sondern in Chats statt. Wie der Video-Essayist Every Frame A Painting in diesem Beitrag schön herausgearbeitet hat, ist es eine knifflige Nummer, in einem Film Textnachrichten spannend zu inszenieren. Damit du und ich die Textnachricht lesen können, darf in der Szene unterdessen nicht allzu viel passieren und das kann auf Dauer langweilig werden. Den Macher*innen von How to Sell Drugs Online (Fast) ist es jedoch gelungen, das Chatten sowie das Durch-Feeds-und-Browser-Scrollen der Hauptfiguren spannend in Szene zu setzen. Allein für diese visuellen Kniffe lohnt es sich, HTSDOF zu gucken.

Dead to Me

Wenn ein*e Unbekannte*r deinen Ehemann überfährt und danach verschwindet, hast du jedes Recht wütend zu sein. Und wütend ist Jen (Christina Applegate) – nicht nur auf den*die Fahrer*in, auch auf die Polizei, ihre Nachbarin, die sie versucht mit selbstgemachtem Essen aufzumuntern und die Welt im Allgemeinen. Als sie in einer Selbsthilfegruppe mit Judy (Linda Cardellini) eine Leidensgenossin kennenlernt, scheint das Leben schnell nicht mehr ganz so unaushaltbar zu sein. Anfänglich scheinen die beiden Frauen auch so viel gemeinsam zu haben: den Verlust des Partners ebenso wie die Vorliebe für dieselben Fernsehsendungen. Doch nach und nach wird Judys Verhalten immer merkwürdiger… Dead to Me vereint in seinen zehn Folgen das Beste aus Comedy und Drama mit einer guten Dosis schwarzem Humor.

Welche Serien haben dich 2019 schwer beeindruckt? Teile deine Highlights mit uns und den anderen Leser*innen in den Kommentaren.


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