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Wenn wir uns nicht zusammenreißen, sterben diese Tiere aus

Wir befinden uns womöglich im sechsten großen Massensterben in der Geschichte unseres Planeten.

Löwen, Tiger, Riesenpandas, Elefanten, Nashörner, Geparden, Orang-Utans, Korallen, Gorillas – was haben diese Tierarten gemeinsam? Sie gehören zu den fast 83.000 Spezies, die einen Eintrag in der roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) bekommen haben, mehr als 23.900 davon sind vom Aussterben bedroht.

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Tim Flach, 59, aus London, porträtierte einige der am stärksten bedrohten Tierarten der Erde. Viele davon bekannt und geliebt, auf Postern in unseren Wohnzimmern oder in Kuscheltierform in unseren Kinderzimmern. Andere nicht so bekannt, wie zum Beispiel die Schuppentiere, den am häufigsten illegal gehandelten Säugetieren der Welt.

Seine Fotos fasste Flach in seinem Buch In Gefahr (Knesebeck Verlag) zusammen. Darin schreibt er zu jeder Spezies, bekannt oder unbekannt, vom Weißen Hai bis zum Axolotl, eine Anekdote über deren Bedrohungsgeschichte. Oder darüber, wie er in Kenia dem letzten männlichen Nördlichen Breitmaulnashorn in die Augen sah.

[Außerdem auf ze.tt: Wie 12.000 Orangenschalen aus Nichts einen Urwald machten]

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In der Geschichte unseres Planeten kam es bisher fünfmal zu einem Massenaussterben. Zuletzt vor ungefähr 65 Millionen Jahren als die Übersäuerung und Überwärmung der Meere sowie der Anstieg des Meeresspiegels die Dinosaurier auslöschte. Umstände, die Wissenschaftler*innen auch heute wieder beobachten. Laut Jonathan Baillie, Professor und wissenschaftlicher Direktor der National Geographic Society, könnten wir bereits dem sechsten Massenaussterben entgegensehen.

Doch dieses ist anders als die anderen. Diesmal ist nämlich zum allergrößten Teil der Mensch daran schuld. Es ist eine tödliche Kombination menschengemachter Bedrohungen, mit denen jede Spezies in der Natur konfrontiert ist: Krankheiten, eingeführte fremde Arten, Verlust des Lebensraums, illegaler Wildtierhandel, Umweltverschmutzung und der Klimawandel. Letzterer stellt die größte zukünftige Bedrohung dar und bedroht bereits heute das Überleben unter anderem von Eisbären, Schneeleoparden und Korallenriffen.

Seit 1970 sind die Populationen der Wirbeltiere, das sind Säugetiere, Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische, um mehr als die Hälfte zurückgegangen. Schlimmer noch: Laut IUCN gelten etwa 20 Prozent aller Arten auf der Erde inzwischen offiziell als vom Aussterben bedroht.

Mehr als 77.300 Spezies stehen auf der roten Liste. Viele davon tragen ein extrem hohes Risiko des Aussterbens in der Natur in unmittelbarer Zukunft. Quelle: IUCN – Rote Liste gefährdeter Arten

 

Nicht alle in Flachs Buch enthaltenen Geschichten sind entmutigend. Auch wenn es wenige betrifft: Es gibt Arten, die wir in letzter Sekunde retten konnten. Von Baumhummern, bestimmten Partula-Baumschnecken, Säbelantilopen und Przewalskipferden gibt es heute wieder größere Bestände. Sie sind der Beweis dafür, dass der Mensch durch kontrollierte Schutzmaßnahmen ganze Spezies vor dem Aussterben bewahren kann.

Unsere Beziehung mit der natürlichen Welt war noch nie so wichtig wie heute. Unsere Zukunft hängt davon ab.“ – Tim Flach

Mit den Fotografien will Flach eine emotionale Verbindung von Mensch zu Tier schaffen. Wenn Betrachter*innen also eine gewisse Trauer in den Augen eines Gorillas erkennen, ist das kein Zufall. So sollen sie von der Bedrohung eines einzelnen Tiers über die jeweilige Spezies bis hin zum gesamten Tierreich schließen. Dafür reiste er um die Welt. Von Großbritannien bis zum Kaspischen Meer fotografierte er unter extremen Wetterbedingungen und Gefahren, tauchte mit Hammerhaien und verkleidete sich als Panda. Wenn es die Umstände erlaubten, konnte Flach manchmal Tiere auch in der kontrollierten Umgebung seines Fotostudiums ablichten.

Bei der Arbeit an dem Buch habe Flach selbst viel gelernt. Er konnte die von Umweltschützer*innen so genannte Great Acceleration mit eigenen Augen erleben: Die Weltbevölkerung nimmt stetig und exponenziell zu, genauso wie unser Konsum und die Emissionen, die wir in unsere Atmosphäre pumpen. Im Gegenzug dazu gehen die natürlichen Ressourcen sowie die Anzahl der Tier- und Pflanzenarten ebenso stetig und exponenziell zurück. Flach: „Ich kann nur Sir David Attenborough beipflichten, der sagte ,Wenn wir die Natur schädigen, schädigen wir uns selbst‘.“

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